ALCOVIT 455
Siloballen oder Fahrsilo?
ein wirtschaftlich- technischer Vergleich:
Während den letzten Monaten haben sich die gestapelten Siloballen wieder über das ganze Land gehäuft. Diese Siliertechnik gewinnt in den letzten Jahren offensichtlich an Stellenwert. Viele Landwirte verfügen mittlerweile selbst über, respektive können in ihrer direkten Nachbarschaft leicht, Rundballenpresse mit Wickelmaschine oder gar eine Press-Wickel-Kombination mieten. Doch wie wirtschaftlich ist diese Siliertechnik eigentlich im Vergleich zum „Standard“ mit Häcksler und Fahrsilo?
Einfache Handhabung
Ein großer Vorteil von Siloballen ist sicherlich, dass sie bei der Fütterung für Betriebe mit Mutterkühen oder Jungvieh einfach zu handhaben sind. Ein Ballen kann einfach aufgeschnitten und den Kühen vorgestellt werden. Sobald allerdings die Fütterung mit einem Futtermischwagen erfolgt, steigt der Kraftstoffverbrauch enorm, wenn Siloballen in der Futterration verwendet werden. Es bedarf hier schon mehr als ein paar Minuten um einen ganzen Siloballen im Futtermischwagen zu zerschneiden und gemischt zu bekommen. Außerdem wird das Losschneiden der Plastikfolie bei den Siloballen eher lästig und zeitaufwendig sobald mehrere Ballen pro Tag verfüttert werden müssen.
Flexibilität
Siloballen haben weiterhin den großen Vorteil, dass man bei der Ernte den Wetterkapriolen nicht so sehr ausgeliefert ist. Wenn der Versuch Heu zu machen zu scheitern droht, können noch kurzfristig Ballen gemacht werden. Eingewickelt bleibt dann noch die gute Qualität des Futters erhalten.
Viele Betriebe verfügen hierzulande auch noch wenigstens teilweise über kleinere Parzellen, welche mit den eher groß dimensionierten Maschinen der heutigen Häcksel-Erntekette doch relativ schwer zu erreichen und/oder abzuernten sind. In solchen Parzellen ist es oftmals praktischer und zeitsparender, das Gras in Siloballen zu wickeln und danach die Ballen mit Schlepper und Anhänger selbst einzufahren, als sich mit Häcksler und Kipper in kleinen Ecken zeitfressend quälen müssen.
Hinzu kommt, dass in Jahren, wie zum Beispiel aktuell 2014, wo der Grasaufwuchs deutlich überdurchschnittlich ist, die Lagerkapazität in den betrieblichen Fahrsilos oft nicht ausreicht. Hier bieten Siloballen auch eine Möglichkeit, die überschüssige Grassilage sauber auf einem Feld zu lagern. Im Gegensatz zum Fahrsilo auf dem Feld gibt es keine Erdverschmutzung der Silage bei der Entnahme.
Lagerverluste
Verluste bei der Lagerung treten allerdings sowohl bei der klassischen Lagerung im Fahrsilo als auch bei den Siloballen auf. Die Verluste bei den Siloballen durch Mäuselöcher oder Unachtsamkeit bei der Handhabung sind fast die gleichen wie bei der Lagerung im Fahrsilo.
Optimale Siloqualität
Betriebe mit guter Eigenmechanisierung können bei effizienter Organisation mit Siloballen die gesamte Grasernte übers Jahr quasi im „Alleingang“ bewerkstelligen. Dies hat den weiteren Vorteil, dass dann nicht die gesamte Grasfläche auf einmal gemäht und geerntet werden muss, sondern dass die Parzellen zu ihrem optimalen Zeitpunkt hinsichtlich Gras-Aufwuchs und -Qualität abgeerntet werden können. Darüber hinaus ist der Betrieb nicht abhängig vom Terminkalender eines Lohnunternehmers. Zusätzlich bleibt das Geld im Betrieb, es fließt also kein Geld außerhalb des Betriebs. Dies ermöglicht dem Betriebsleiter eventuell noch verfügbare Arbeitszeit positiv einzusetzen.
Arbeitsfalle vermeiden
Dieser Punkt kann aber genauso gut ein Nachteil für Betriebe sein/werden, hinsichtlich Mechanisierung und eigener Arbeitsauslastung. Der Arbeitsaufwand ist doch für den Betrieb selbst bedeutend grösser bei der Technik mit Siloballen als bei der Silage mit Häcksler und Lagerung im Fahrsilo. Ist der Betriebsleiter bereits im Alltag fast ganztägig ausgelastet mit den betrieblichen Routine-Arbeiten, bleibt keine Zeit mehr zusätzlich noch die Siloballen zusammenzufahren geschweige denn selbst zu pressen und zu wickeln.
Nur wenige Betriebe verfügen eigentlich über die nötige Zeit und die nötigen Flächen, um eine Presse und ein Wickelgerät, geschweige denn eine Press-Wickel-Kombination wirtschaftlich auf dem eigenen Betrieb einzusetzen. Die Häcksler-Erntekette bietet hier den Vorteil, dass alles in einem kleinen Zeitraum eingefahren werden kann. Bei einer ganzen Auslagerung der Grasernte hat der Betriebsleiter sogar mit der Silage keinen Arbeitsaufwand mehr und kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren.
Höhere Kosten
Als größter Nachteil erweist sich allerdings bei den Siloballen der Kostenpunkt. Wie Tabelle 1 illustriert, sind Siloballen bei der Ernte rund 135Ä/ha und Jahr teurer als die klassische Siliertechnik Häcksler und Lagerung im Fahrsilo.
Diese Mehrkosten scheinen auf den ersten Blick nicht so erheblich. Allerdings bereits bei einer Grünlandfläche von 30ha ist die Ernte mit Siloballen über 4.000Ä pro Jahr teurer im Vergleich zur klassischen Ernte (inkl. der benötigten Lagerinfrastruktur). Dabei gelten diese Zahlen mit der Annahme, dass die Maschinen wirtschaftlich ausgelastet sind (MBR-Tarife von 2014).
Hinzu kommt, dass das Lagervolumen für dieselbe Menge an Grassilage bei Siloballen um rund 27% grösser ist im Vergleich zur Lagerung in einem Fahrsilo.

Fazit
Alles in Allem ist die Ballensilage im Vergleich zwar eine praktische Technik, sie ist aber gleichsam eine sehr teure. Die Grassilage in Ballen passt zum einen eher auf kleiner strukturierte Betriebe, welche keine großen Mengen einzusilieren haben und einen Großteil der benötigten Arbeitszeit selbst einbringen können (z.B. mit der Wickelmaschine fahren oder den Transport selbst erledigen an Tagen mit weniger Arbeitsbelas-tung). Andererseits bietet es sich auch an auf Betrieben, welche nur einen gewissen Teil der Siloflächen als Ballensilage ernten, wie z.B. einen weniger ertragreichen 4. oder gar 5. Schnitt, oder einige Parzellen wo die schlagkräftige Häcksler-Erntekette zu viel Zeit verlieren würde.
Schließlich sind Siloballen aber auch eine saubere Lösung bei kurzfristigem Platzmangel, wenn die Lagervolumen der betrieblichen Fahrsilos mal nicht ausreichen für ein Jahr. Ist dies öfters der Fall, so ist der Bau eines zusätzlichen Fahrsilos aus wirtschaftlicher Sicht längerfristig gesehen sicherlich sinnvoller.
Claude Hermes, SER


