„Verkehrswege“ im Mittelpunkt irischer Weidesysteme (1)

AutoGrassMilk (AGM) ist ein europäisches Forschungsprojekt mit dem Ziel Weidegang und automatische Melksysteme zu vereinbaren. Melkroboter stellen hohe Anforderungen an das Weidemanagement: Die Weiden müssen permanent zugänglich sein, wenn man eine adäquate Melkfrequenz erreichen will. Eine konsequente Planung des Kuhverkehrs vom Roboter zur Weide und das Anlegen von Weidewegen bringen den erwünschten Erfolg.

Anlässlich einer Studienreise nach Irland im Mai dieses Jahres hatten Landwirte, Berater und Ausbilder aus Luxemburg die Gelegenheit die intensive Verbindung von Beweidung und Melkroboter bei Milchviehbetrieben auf der grünen Insel an zu schauen.

Das Grundprinzip des Weideganges beruht darauf, dass die Kuh möglichst viel Milch aus Gras produzieren soll und gleichzeitig mehr als 2 Melkungen pro Tag am Roboter zu erzielen. Der Anreiz für die Kühe in dem System mit zu machen, ist die mehrmals am Tag angebotene frische Weidefläche (AB-System 2 mal pro Tag, ABC-System 3 mal pro Tag). Um zu dem frischen Futter zu gelangen sind Weidewege (1-2m breit) vom Melkhaus bzw. Stall zu den Weiden angelegt worden. Im Bereich des Melkhauses werden die Kühe über Transponder erkannt und ein Selektionstor dirigiert die Kuh entweder zum Roboter, zur neuen Weide oder zur alten Weide.

Die Kühe entwickeln ein sehr gutes Zeitgefühl, und trudeln einzeln oder in kleinen Gruppen an dem Knotenpunkt Melkhaus ein. Daher wird eine Stausituation bei dem oder den Melkrobotern vermieden, gleichzeitig wird eine hohe Auslastung von 70 Kühen pro Robotereinheit erreicht.   

Neben dem Verkehrsknotenpunkt mit dem „Grazegate“ sind die dahinführenden Weidewege strategisch gut an zu legen. Die Kühe sollen die Weideparzellen bequem erreichen. Da es nicht zu Hauptverkehrszeiten bzw. einer „Rushhour“ kommt, sind die Weidewege trotz Herdengrößen von bis zu 140 Kühen, keine Autobahnen sondern eher Dorfstraßen, wo laut Aussagen der besuchten Landwirte die Kühe die Verkehrsteilnehmer sind. Die Landwirte nutzen die Weidewege zwecks Zuteilung neuer Weideparzellen, Kontrolle der Wassertränken und Herdenbeobachtung, überwiegend zu Fuß. Die Wege sind dann auch selten breiter als 2m, wenngleich es dann teilweise auch zu doppelten Weidewegen kommt um den geregelten Kuhfluß zu garantieren.

Auch die „Tankstellen“ dürfen nicht fehlen, alle Betriebe bieten den Kühen einen Zugang zu frischem Wasser an, keine Kuh muss dafür mehr als 150m laufen. Die Wasserstellen stehen immer entlang der Weidewege, der befestigte Untergrund kombiniert mit der Vielzahl der Tränken verhindern eine Verschlammung dieser Stellen. Durch die Zuteilung von 3 (im ABC-System) bzw. 2 (im AB-System) neuen Parzellen pro Tag, die dann für die Kühe über immer neue Zugänge erreichbar sind, wird auch hier die Grasnarbe geschont, und Trittschäden vermieden.

Fazit: Alle besuchten Betriebe haben den Anspruch mit frischem Gras möglichst viel Milch zu melken. Um dies zu erreichen werden in der Führung der Herde die saisonale Abkalbung und die Vegetationsperiode eng aufeinander abgestimmt. Den Kühen wird mehrmals täglich frisches Gras angeboten, die Wege zu den saftigen Weideparzellen sind ganzjährig begehbar und der Weg zu einer Wassertränke beträgt maximal 150 m.

Dieses System zeichnet sich durch hohe Arbeitsentlastung für den Betriebsleiter aus: Arbeiten für Fütterung, Melken, Auf- und Abtrieb zu den Weiden entfallen. Herdenkontrolle und Portionierung der Weidefläche durch Elektrozaun sind die einzigen täglichen Pflichtarbeiten des Betriebsleiters.

Gerber VanVliet
Agr.Ing. ASTA

Wassertränken am Rand des Weideweges. Das „Grazegate“, das die Verkehrsführung der Herde regelt. Beispiel für kostengünstige und arbeitseffiziente Zäune.
Beispiel eines doppelten Weideweges. Beispiel eines einfachen Weideweges.