Die ALB-Baulehrfahrt 2017

Stallbau aktuell: Lehrfahrt der Milchviehhalter nach Nordhessen

Die diesjährige Baulehrfahrt der Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Bauwesen Rheinland-Pfalz/Saarland (ALB) führte in den Norden Hessens. Die besuchten Betriebe lagen überwiegend im Landkreis Waldeck-Frankenberg, der wegen dem hohen Grünlandanteil und der ausgeprägte Rindviehhaltung auch gern als das "Hessisches Allgäu" bezeichnet wird.  Landschaftlich hat diese Mittelgebirgslandschaft viel mit Luxemburg gemein, aber es gibt auch geschichtlich Verbindungen nach Luxemburg. Diese Region gehörte überwiegend zum ehemaligen Herzogtum Nassau, dem Stammland der luxemburgischen großherzoglichen Familie.

Knapp 50 Teilnehmer, Landwirte und Berater aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Luxemburg nahmen an dieser jährlich stattfindenden Exkursion teil. Der erste Betrieb von  Andreas Schick aus Amöneburg-Erfurtshausen war vielen Teilnehmern von einer vorhergehenden Fahrt noch bekannt. Besonderheit in diesem Betrieb war sicherlich die teilweise Haltung der Milchkühe auf Kompost. 2005 wurde dieser, als Cucettenstall geplante Stall mit 163 Liegeboxen und einem Melkhaus mit 2x12 Fischgrätenmelkstand gebaut. 2014 wurde der Stall dann in der Verlängerung des Melkhau-
ses mit einem Kompoststall als Transitstall für rund 120 Frischmelker und Trockene Kühe erweitert.

Komfort für die Kühe: Kompoststall

Wie Herr Schick berichten konnte, wurde ein Effekt des Kompoststalles direkt nach dem Bezug sichtbar: die Zellzahl fiel von 300.000 in 2013 auf 165.000 im Herbst 2014. Zudem konnte er eine bessere Brunstäußerung und eine bessere Klauengesundheit feststellen. Auffallend bei der Besichtigung waren die sehr sauberen Kühe, inklusive der Euter. Der Kompoststall wird dreimal pro Tag gegrubbert, wofür Schick jeweils rund 10 Minuten einplant. Zudem wird der Stall je nach Witterung und Belegungsdichte alle 5 Tage bis 5 Wochen eingestreut. Als Einstreu werden verschiedene Materialien verwendet, vornehmlich  Getreideausputz.

In Frankenberg besuchte die Gruppe dann Familie Schneider. Jörg Schneider und seine Frau bewirtschaften dort rund 130 ha, wovon 70 ha Grünland und 60 ha Ackerland sind. Neben dem Betriebsleiter und den Eltern arbeiten noch 3 Mini-Jober auf dem Betrieb mit. In einem modernen Boxenlaufstall (2+3-Reiher) werden 130 Milchkühe gehalten. Das Melkhaus mit dem 2x10 Side by Side Melkstand steht separat und wurde nach hinten mit einem großzügigem Strohbereich für die Trockensteher und Frischmelkenden verlängert. Das Jungvieh wird in Altgebäuden gehalten. Seit einigen Wochen wurde ein Teil der Tiefboxen mit Wabenmatten ausgestattet. Der erste Eindruck, so Herr Schneider, ist sehr positiv.

3 Melkroboter im modernen Stall: die Ochse GbR

Als nächstes stand der Betrieb der Ochse GbR auf dem Programm. Hartmut und Susanne Ochse haben 2015, etwas außerhalb von Frankenberg-Dörnholzhausen, in einen neuen Boxenlaufstall mit 3 Melkrobotern, einem automatischen Fütterungssystem, Güllelager und Fahrsiloanlage investiert. Der Stall ist als 6-reihiger Liegeboxenlaufstall mit 2 außenliegenden Futtertischen konzipiert. Die 3 Melkroboter (Lely A4) stehen zentral im Stall. Wobei 2 Melkroboter die Hochleistungsgruppe melken und 1 Roboter die Niederleistungsgruppe sowie die Frischmelker bedient. Für die Trockensteher ist viel Platz in komfortablen Liegeboxen vorhanden. Die Transitgruppe und Abkalbeboxen befinden sich auf Stroh. Highlight der Besich-
tigung war hier sicherlich das automatische Fütterungssystem, der Lely Vector.

Bei diesem Fütterungsroboter wird das Futter als einzelne Blöcke in einem abgesperrten Bereich bereitgestellt. Ein Kran entnimmt dort das Futter und füllt es automatisch in den mobilen Mischwagen. Mehrmals täglich wird den Kühen frisches Futter vorgelegt. Dabei sind unterschiedliche Rationen für die verschiedenen Gruppen möglich. Das Futter wird stündlich beigeschoben. Der Vector misst bei der Vorbeifahrt automatisch ob noch genügend Futter vorhanden ist und füttert gegebenenfalls nach. Futter wird täglich reingeholt, im Winter auch schon mal für 3 Tage übers Wochenende.

Überbetriebliche Fütterung in Bad Arolsen

Bei Christian und Heinz Merten aus Bad Arolsen-Landau konnte man die Begeisterung für die Kühe deutlich spüren. Der Haupterwerbsbetrieb, den heute Christian Heinz führt, ist aus einem Nebenerwerbsbetrieb entstanden. Vater Heinz arbeitete als Bauarbeiter. Für Sohn Christian war nach der Lehre klar, dass er die Landwirtschaft im Haupterwerb betreiben möchte. Heute werden 125 ha (68 ha Ackerland und 57 ha Grünland) bewirtschaftet. 2011 wurde ein neuer Milchviehstall für 155 Milchkühe gebaut. Gemolken wird in einem 2x12 Side by Side Melkstand. Die hohe Leistung der Kühe von 11.000 kg im Stalldurchschnitt wird mit einer Ration aus Grassilage, Maissilage, Gerstenstroh, Protein-Mix und Getreide erreicht. Eine Besonderheit bei Merten’s, hier wird überbetrieblich gefüttert. 2015 wurde mit den Nachbarbetrieben gemeinsam ein Futtermischwagen gekauft und ein Fahrer eingestellt. Abgerechnet wird auf Basis von Großvieheinheiten (GV). Christian  Merten bezahlt für diesen Dienst 100 Euro/GV und Jahr plus 300 Euro für den Fahrer pro Monat.

Christian Pohlmann – Züchter aus Leidenschaft

Vor dem Stall der Familie Pohlmann in Diemelsee wartet schon eine der besten Kühe des Stalls auf die Besucher. Christian Pohlmann ist Züchter aus Leidenschaft und so ist der Fersen- und Bullenverkauf auch ein wichtiger Geschäftszweig für den Betrieb. 2016 wurden rund 70 Fersen über Auktionen verkauft.

Damit man sich hier voll und ganz auf die Kühe und die Zucht konzentrieren kann, wurden so viele Arbeiten wie möglich ausgelagert.  So wird auf den 320 ha, davon 220 ha Grünland, Mähen, Schaden, Häckseln, Abfahren Gülleausbringung, Saat, Spritzen, und Dreschen von Lohnunternehmen erledigt.

1984 wurde etwas außerhalb des Orts neu gebaut und dieser Stall kontinuierlich erweitert und verbessert. 2015 wurde eine alte Fahrsiloanlage zum Trockensteherstall für 50 Trockensteher auf Stroh umgebaut. Zu Letzt wurden in allen Ställen Großraumventilatoren installiert. Heute werden 310 Milchkühe sowie 330 weiblich Nachzucht und 10 Zuchtbullen gehalten. Seit kurzem wird 3-mal täglich gemolken, um 5:00, 11:00 und 21:00 Uhr. Obwohl die Mehrarbeit einiges an zusätz-
licher Organisation abverlangt ist Christian Pohlmann von dem Schritt überzeugt, nach der Einführung war sofort ein deutlicher Anstieg bei der Milchleistung feststellbar.

Kuhstall-Café bei Bürger-Grebe in Korbach-Helmscheid

Der erste Weg auf dem Betrieb Bürger-Grebe in Korbach-Helmscheid führte hinauf auf die Etage über dem 24-er Innenmelker-Karussell. Dort hat Familie Bürger-Grebe ein Kuhstall-Café eingerichtet.  Von März bis November ist das Café jeden 1. Sonntag im Monat geöffnet und bietet bei Kaffee und Kuchen einen direkten Einblick in die Stallarbeit. Zusätzlich erläutern im ganzen Stall informative Tafeln die einzelnen Stall- und Arbeitsbereich.

Auf dem Betrieb werden zur Zeit 230 Kühe gemolken. Aktuell ist eine Verlängerung des Stalls um 45 m im Bau. 2016 wurde eine Biogasanlage gebaut, die auch schon für die Stallerweiterung ausgelegt ist. Ein weiterer Betriebszweig ist ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen.

Moderner Stall auf grüner Wiese: Rindte GbR, Battenberg

Die Rindte GbR, das sind Hans-Helmut, Ehefrau Silke, Sohn Mike Rindte und dessen Lebensgefährtin Michaela Seibel  baute 2014 einen neuen Milchviehstall für 350 Kühe auf der „grünen Wiese“. Damit wollte man die beengten Verhältnisse in der Ortslage verlassen und den Betrieb fit für die Zukunft machen. Der 6 –Reiher Liegeboxenlaufstall mit separatem Melkhaus bietet Platz für 350 Milchkühe und, in einem separatem Transitbereich, für 80 Trockensteher und Abkalber. Die melkenden Kühe werden in 4 Gruppen mit je 69 Liegeboxen gehalten. Ein Güllebehälter und eine großzügige Fahrsiloanlage machen die Aussiedlung komplett. Zudem wurde 2016 eine Biogasanlage mit 75 kW Leistung gebaut.

Gemolken wird mit 2 Melkern in einem 40er Außenmelker-Karussell. Die zurzeit 320 melkenden Kühe werden so in 1,5 Stunden gemolken.

Die Kälber sind bis zu 14 Tagen in Iglus auf der Aussiedlung, danach kommen sie ins Altgebäude im Dorf, wo auch das gesamte Jungvieh untergebracht ist. Hier sieht Herr Rindte auch den nächsten Investitionsbedarf. Um die Kälberaufzucht zu vereinfachen soll ein neuer Kälberstall gebaut werden. 2015 wurde der Betrieb Rindte mit dem 1. Platz beim Kallspreis der Landesvereinigung Milch Hessen e.V. ausgezeichnet. Mit diesem Preis werden Betriebe geehrt, die Innovationen im Betrieb umsetzen, generationenübergreifend wirtschaften und durch gute biologische Kennzahlen dokumentieren, dass Milchkühe ihre Passion sind, war unschwer bei dem Besuch dieses modernen Betriebes zu sehen.

 

Armin FUCHS