„Kuh-Auftrieb“ der BIOG-Milchbauern auf dem Kasshaff von Rollingen

Seit Abschaffung der EU-Milchquote vor drei Jahren hat sich der Milchmarkt erheblich verändert. Dank der enormen Nachfrage nach Bio-Milch und entsprechend guter Erzeugerpreise haben in ganz Eu­ropa Milchbauern auf eine biologische Wirtschaftsweise umgestellt. Zwei Jahre nach ihrer Umstellung auf Produktionsbedingungen, die den Anforderungen der biologischen Milchwirtschaft entsprechen, kommt nun die erste Bio-Milch dieser Betriebe auf den Markt.

Nationalistische Kriterien?

Angebot und Nachfrage müssen sich also neu einpendeln, und das geht nicht ohne Auswirkungen auf die Erzeugerpreise. Diese Entwick­lung war vorhersehbar, doch eine weitere Entwicklung hat uns über­rascht: in den Nachbarländern agi­ert der Milchmarkt mittlerweile stark protektionistisch. Alle SB-Märkte fragen nach Produkten aus region­aler Produktion, sodass die Molkereien nun versuchen, diesem Trend nachzukommen.

Das gilt insbesondere auch für den Bio-Bereich. Infolge dies­er Abwehrhaltung muss neuer-dings ein Teil unserer Bio-Milch zu konventionellen Preisen verkauft werden. Die Summe dessen, was wir den BIOG-Milchbauern auszahl­en können – eine Mischkalkulation aus hierzulande verarbeiteter und exportierter Bio-Milch –, ist deshalb seit Jahresbeginn leider gefallen. Ein Solidaritätsfonds innerhalb der OIKOPOLIS-Gruppe bietet nun eine tragbare Lösung und mildert fürs erste den Einkommensverlust der Luxemburger Bio-Milchbauern et­was ab.

Gut für Kühe, Umwelt und Verbraucher

Perspektivisch bauen wir in erster Linie auf Promotionsmaßnahmen rund um die Erzeugnisse der BIOG-Molkerei. Nachdem diese die unver­meidlichen Kinderkrankheiten des Projektbeginns überwunden hat, kann die Geschäftsführung sich nun verstärkt der Aufmerksamkeitswer­bung und Absatzförderung widmen. Gut zwei Jahren nach Projektstart bietet die BIOG-Molkerei der Lux­emburger Kundschaft eine ganze Reihe natürlich guter Produkte an. Als echte Bio-Produkte sind sie umwelt- und ressourcenschonend hergestellt, gentechnikfrei und re­gional erzeugt.

Angefangen bei der art- und standortgerechten sowie weitge­hend schadstofffreien Fütterung der Milchkühe mit heimischen Bio-pflanzen, die ein ungleich höheres natürliches Energiepotenzial gespeichert haben als konventionelle Futtermittel oder importiertes „Kraftfutter“, bis hin zu besonders schonenden Produktionsmethoden in der Molkerei wirken hier viele Faktoren zusammen, um ein unver­fälscht natürliches Geschmackser­lebnis zu erzielen.

Von der transparenten regionalen Herkunft aus heimischen Bio-Höfen bis zur ursprünglichen, nuancen­reichen Geschmacksqualität bietet das „Original“ der Luxemburger Bio-Milchproduktion aufgeklärten Verbraucherinnen und Verbrauch­ern somit alles, was man von ei­nem echten Lebens-Mittel erwarten kann und soll – alles frisch aus der „BIOG-Molkerei zu Käerjeng“.

Begegnung zwischen  Bauern und Kunden

Eine eigene Kampagne soll BIOG-Milchproduzenten und Konsument­en nun näher zueinander bringen, und zwar auf dem Wege attraktiver Begegnungen am Einkaufsort, aber auch in den Produktionsstätten, also auf den Höfen der BIOG-Milchbau­ern. Jeder von ihnen wird dabei be­gleitet von einer „blauen Kuh“, die die Milchkuhherde des jeweiligen Hofes repräsentiert.

Doch es geht um mehr als einen lustigen Blickfang. Vor allem sol­len die Verbraucher aus erster Hand darüber informiert werden, wo und wie die BIOG-Milch produziert wird, welche Produkte das BIOG-Molkereisortiment mittlerweile um­fasst, und wo man diese kaufen kann. Den Startschuss der Kam­pagne gab eine Pressekonferenz am 20.3., bei der neben dem Geschäfts­führer der BIOG-Molkerei Volker Manz auch die BIOG-Milchbauern mit ihrer persönlichen „blauen Kuh“ anwesend waren.

Im Rahmen dieses Fototermins wurden auch die Teilnahmebed­ingungen für den Wettbewerb „blokou“ näher erklärt. Mit diesem Spiel wollen wir alle gemeinsam – die BIOG-Genossenschaft und ihre Milchbauern, die BIOG-Molkerei und die teilnehmenden Verbraucher – erreichen, dass sich für jeden interessierten Kunden die Verfügbarkeit von BIOG-Milch in „seinen“ Läden und Supermärkten verbessert.

Den Teilnehmern an diesem Spiel winkt dann auch in den nächsten 6 Wochen jeweils ein Preis in Gestalt eines Bio-Geschenkkorbs.

Hintergrund / Rückblick:

Am 1. April 2015 endete das Milch­quotensystem der EU. Mit der Men­genbeschränkung fiel jedoch auch der Preis, denn vor allem konven­tionelle Kuhmilch überschwemmte den deregulierten Markt. Anders als erwartet, wurde die biologische Milch von diesem Preisabsturz nicht mitgerissen. Stattdessen pendelten sich hier die Erzeugerpreise auf ei­nem vergleichsweise hohen Niveau ein, so dass die Bio-Milchbauern ihre Mehraufwände bei der Herstel­lung durch angemessene Literpreise gut kompensieren konnten.

Biologisch erzeugte Rohmilch war sogar so gesucht, dass Molkereien aller Nachbarländer die Bio-Milch­bauern der Luxemburger BIOG-Genossenschaft kontaktierten und lukrative Lieferverträge anboten. Damit hatten die BIOG-Milchbauern erstmals die Chance, ihr komplettes Rohmilchkontingent zu echten Bio-Milchpreisen abzusetzen – nicht nur den Teil, für den es im eigenen Land eine Nachfrage der Verbraucher gab.

Da der bisherige Produktionspartner der BIOG zu diesem Zeitpunkt nicht bereit war, weiter in den Bio-Bere­ich zu investieren, kam es innerhalb der OIKOPOLIS-Gruppe zur Gründ­ung der BIOG-Molkerei s.àr.l.. Diese richtete in Bascharage eine eigene Produktionsstätte speziell zur Ve­rarbeitung von Luxemburger Bio- Milch ein und brachte Anfang 2016 ihre eigene Milch und erste eigene Milchprodukte auf den Luxem­burger Markt. Eine Voraussetzung für das Gelingen dieses Vorhabens war, dass die Milchmenge, die nicht in Bascharage verarbeitet und dann in Luxemburg vermarktet werden konnte, einer Bio-Molkerei im na­hen Ausland überlassen wird, die nicht genug Bio-Milch aus der ei­genen Region bekommt.

In diesem Sinne traf die BIOG-Genossenschaft ein Abkommen mit einer Milcherzeuger-Gemeinschaft aus Flandern, deren Erfahrung mit einem Netzwerk von Biomilchbau­ern aus Ostbelgien sie als primäre Partnerin für eine ebenfalls region­ale, wenn auch grenzüberschrei­tende, Zusammenarbeit empfahl. Dank dieser Konstellation konnten die BIOG-Milchproduzenten ihr ge­samtes Rohmilchkontingent zum ko­rrekten Bio-Preis absetzen und die Luxemburger Bio-Milch-Nachfrage konnte aus heimischer Produktion gedeckt werden. Auch eine wach­sende Auswahl weiterer Bio-Milch- Produkte kann den Luxemburger Kunden dank der BIOG-Molkerei aus heimischer Produktion angebo­ten werden.