Berlin im Zeichen der Landwirtschaft

Weltgrößte Ausstellung für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau

Die Internationale Grüne Woche (kurz IGW) hat dieses Jahr zum 80. Mal stattgefunden. Gegründet wurde die Messe 1926. Sie ist eine in ihrer Ausrichtung einzigartige internationale Ausstellung der Ernährungs- und Landwirtschaft, sowie des Gartenbaus. Gleichzeitig ist die Grüne Woche der Ausgangspunkt für das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) mit über 65 Res­sortministern. Nahrungs- und Genussmittelproduzenten aus aller Welt nutzen die IGW in Form von Ländergemeinschaftsschauen und Produktmärkten als Absatz- und Testmarkt sowie zur Image­festigung. Dem Konsumtrend folgend, nimmt der Regionalbe­zug einen immer wichtigeren Platz ein. Auf der Internationalen Grünen Woche gewinnen die Themen nachwachsende Rohstoffe, Bio und der ländliche Raum genau wie der Gartenbereich immer weiter an Bedeutung. Die Grüne Woche ist inzwischen weltweit bekannt: über fünftausend akkreditierte Journalisten aus mehr als 70 Ländern waren zwischen dem 16. Und dem 25. Januar 2015 präsent.

Die Produktköniginnen der verschiedenen Bundesländer auf dem Erlebnisbauernhof.

Rekordveranstaltung

Mit rund 130.000 Quadratmetern Hal­lenfläche präsentierte sich die Grüne Woche als größte Leistungsschau in ihrer Geschichte (2014: 124.000 qm). Mit 1.658 Ausstellern aus 68 Ländern (2014: 1.650 / 69) verzeichnet die IGW 2015 die höchste Ausstellerzahl seit 44 Jahren. Knapp 40 Prozent der Ausstel­ler stammen aus dem Ausland. Auch das Großherzogtum Luxemburg war in Berlin vertreten.

Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Ber­lin GmbH bemerkte: „Die Grüne Woche ist eine Ur-Berliner Instituti­on und eine der traditionsreichsten Messen in Deutschland. Dass sie bei der 80. Jubiläumsveranstaltung einen neuen Flächenrekord und die höchste Ausstellerzahl seit 44 Jahren aufweist, belegt ihre ungebroche­ne Attraktivität für die Fachwelt und ihren überaus hohen Erlebniswert für Hunderttausende Besucher. Qualität und Sicherheit unserer Lebensmittel, Regionalität und Internationalität des Nahrungs- und Genussmittelange­bots stehen auf der diesjährigen Grü­nen Woche im Mittelpunkt. Die Grüne Woche deckt nicht nur den Weltmarkt der Ernährungswirtschaft ab, sondern präsentiert auch das größte Angebot an regionalen Spezialitäten aus ganz Deutschland.

Mit Regionalität können Händler und Hersteller von Lebensmitteln beim Verbraucher punkten. Die Grüne Woche 2015 hatte diesen Trend erfolg­reich in ihr Veranstaltungskonzept integriert. Rund 500 Aussteller aus 13 Bundesländern präsentierten in die­sem Jahr das bisher größte regionale Angebot von Nahrungs- und Genuss­mitteln. Auf einer Deutschlandtour von der Küste zu den Alpen führte die kulinarische Route durch acht Messehallen. Lokale Spezialitäten im landestypischen Gewand gab es bei Baden-Württemberg (Halle 5.2b), Bayern (22b), Berlin (21b), Bran­denburg (21a), Bremen (20), Hessen (22a), Mecklenburg-Vorpommern (5.2b), Niedersachsen (20), Nord-rhein-Westfalen (5.2a), Sachsen (21b), Sachsen-Anhalt (23b), Schleswig-Hol­stein (22a) und Thüringen (20).

Zur Lage des landwirtschaftlichenSektors

Zur aktuellen Situation des Agrar-sektors und zum wirtschaftlichen Stellenwert ihrer Wirtschaftszweige äußerten sich die Trägerverbände der Grünen Woche auf der Eröff­nungspressekonferenz in aller Deut­lichkeit.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) geht die Entwicklung grundsätzlich positiv an, erwartet jedoch 2015 große Herausforderungen für die deutsche Land- und Agrarwirtschaft: „Wegen weltweit guter Ernten und einer schwächelnden Konjunktur sind die Agrarmärkte in weiten Teilen unter Druck geraten. Das Russland-Embargo wirkt sich verschärfend aus, politische Entscheidungen wie der Mindestlohn belasten die Stimmung. Doch die aktuelle Marktschwäche ist keine Marktstrukturkrise. Denn die fundamentalen positiven Trends bei Agrar- und Lebensmitteln bleiben bestehen; weltweit ist die Nachfra­ge nach sicheren und hochwertigen Lebensmitteln ansteigend. Die Land­wirtschaft bleibt eine Zukunftsbran­che, die leistungsfähig und wettbe­werbsstark ist.“

Christoph Minhoff, Hauptgeschäfts­führer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), legte den Nachdruck auf das hohe Niveau der Lebensmittelqualität in Deutschland. Doch ein zunehmen­der Konkurrenzdruck im harten inter­nationalen Wettbewerb, stagnierende Verkaufspreise, ein hohes Kosten­niveau und ein schwaches Export­geschäft ließen den Ertragsdruck in der Ernährungsindustrie 2014 emp­findlich ansteigen, bemerkte er. Die Ernährungsindustrie sei mit einem Umsatz von rund 173 Milliarden Euro und knapp 550.000 Arbeitsplätzen der viertgrößte Industriezweig Deutsch­lands.

Partnerland Lettland

Seit der ALCOVIT-Studienreise in die baltischen Staaten ist Lettland für die luxemburgischen Bauern ein Begriff. Lettland ist ein grünes Land an der Ostsee mit vielen Wäldern und unbe­rührter Natur, mit ruhigem Landleben und gastfreundlichen Menschen. Die 500 km langen weißen Sandsträn­de sind leicht zu erreichen von den historisch geprägten Städten, wo han­seatische Architektur auf Barock und Jugendstil trifft. Neben der Haupt­stadt Riga finden Sie in Lettland noch sechs weitere faszinierende Sehens­würdigkeiten, die auf der UNESCO Weltkulturerbe-Liste stehen.

„Lettland – nimm Dir die Zeit”, mit dieser Aufforderung wandte sich das diesjährige Partnerland an alle Besucher. Während der zehn Grüne Woche-Tage präsentierte Lettland eine riesige Auswahl seiner landestypi­schen Spezialitäten. 113 Produzenten aus dem baltischen Staat haben ihre Nahrungs- und Genussmittel vorge­stellt. Im Mittelpunkt der Präsenta­tion in Halle 8.2 standen die sieben Produktgruppen Brot, Bier, Honig, Käse, Fleisch, Öle und Gewürze sowie Süßwaren. Lettland beteiligt sich seit 1992 an der Grünen Woche und ist in diesem Jahr zum 20. Mal vertreten. In der ersten Hälfte des Jahres 2015 hat Lettland auch die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union inne.

Lettland umfasst 64 589 km² und zählt knapp zweieinhalb Millionen Einwoh­ner. Das Land verfügt über 2,52 Millio­nen Hektar landwirtschaftliche Nutz­fläche, wovon 1,7 Millionen Hektar als Ackerfläche genutzt werden. Fast drei Millionen Hektar sind bewaldet und dienen der Forstwirtschaft. Von den Erwerbstätigen sind etwa 15% in der Landwirtschaft beschäftigt. Seit der Befreiung von der sowjetischen Herrschaft (1991) privatisiert und festigt der Staat den Agrarsektor, so dass progressive ein konkurrenzfähi­ger Agrarsektor entsteht. Besonders gefördert werden die Vergrößerung und die Modernisierung der Großbe­triebe.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes.
 
Tänzerinnen aus Lettland auf der Eröffnungsveranstaltung.

-Manfred PETERS-

 

  Viele weiter Fotos und Informationen finden Sie unter: http://www.gruenewoche.de/