Le „Verre de l’amitié“ in Remich

Traditioneller Neujahrsempfang im Institut viti-vinicole am 14. Januar

 Im Festsaal des Institut viti-vinicole fand am 14. Januar wieder der traditionelle Neujahrsempfang, besser bekannt als “Verre de l’amitié“ statt. Zu diesem Anlass wurde nochmals auf das neue Jahr angestoßen und die Gelegenheit genutzt in einer geselligen Atmosphäre Neuigkeiten aus der Weinbranche auszutauschen. Unter den 300 eingeladenen Gästen befanden sich zahlreiche Vertreter aus dem Weinbausektor, Politiker, Mitarbeiter aus dem Agrarministerium, der Landwirtschaftskammer und anderen Gre­mien, ohne zu vergessen die Wein- und Rieslingkönigin mit ihren Prinzessinnen.

Qualitätspyramide der AOP Moselle Luxembourgeoise (Quelle: Institut viti-vinicole).
 
Die Wein- und Rieslingkönigin mit ihren Prinzessinnen gehören selbstverständlich jedes Jahr zu diesem traditionellen Neujahrs-empfang.
 
Herr Robert Ley, Direktor des Institut vini-viticole, während seiner bemerkenswerten Begrü­ßungsansprache.

Der Direktor des Institut viti-vinico­le, Robert Ley, hieß alle Gäste und Ehrengäste willkommen und nutz­te noch einmal die Gelegenheit ein gutes und erfolgreiches Jahr zu wün­schen. Anschließend zog er eine klei­ne Bilanz über das Weinjahr 2014, das sowohl von der Qualität als auch von der Quantität alle Erwartungen erfüll­te. Dies war sehr wichtig, denn mit der Ernte 2014 griffen zum ersten Mal die neuen Bestimmungen der AOP (Appellation d’origine protégée) für die Qualitätseinstufung der Luxem­burger Weine. Die Qualitätspyramide gliedert sich folgendermaßen:

Der Ertrag und die Lagenklassifizie­rung sind die beiden wichtigen Kri­terien, die neben dem Know-How des Winzers die Luxemburger Weine prägen, so Ley. Diese Kriterien sol­len in Zukunft wesentlich stärker in den Vordergrund gestellt werden, da es der einzige Weg ist sich im Rah­men des immer stärker wachsenden Qualitätswettbewerbes zu profilie­ren. Gleichzeitig wird dem Weinpro­duzenten ermöglicht, sich besser in einer bestimmten Kategorie zu profi­lieren. Der Direktor betonte, dass wir durch unsere hohen Produktionsko­sten gezwungen sind, uns in der Qua­litätsrichtung weiter zu entwickeln. Durch diese Maßnahmen lasse sich ein Verbrauchersegment ansteuern, das weniger aber dafür besseren Wein konsumiert.

Nun sei es auch an der Zeit das neue AOP – Konzept den Konsumenten nach außen zu vermitteln. Nur so könne der einzelne Winzer durch bessere Preise von der Reform pro­fitieren. Das Weinbauinstitut arbeite momentan daran, das nötige Wer­bematerial auszuschaffen. In diesem Zusammenhang erläuterte Herr Ley, dass der Staat nicht zufrieden ist mit dem von der Commission de Pro­motion geführten Marketing. Etliche Ziele seien nicht erreicht worden und deshalb werde momentan eine exter­ne Studie durchgeführt um ein neues Marketingkonzept aufzustellen.

Damit sich unser Weinbaugebiet stän­dig weiterentwickeln und sich den Herausforderungen sowohl auf wein­baulicher wie auch auf ökonomischer Ebene stellen kann, laufen aktuell die Forschungsprojekte TERROIR und PROVINO, so Ley. Während das Pro­jekt Terroir den lokalen Einfluss des Bodens und des Mikroklimas auf die unterschiedlichen Weintypen ana­lysiert, werden im Provino-Projekt hauptsächlich Pflanzenschutzmittel reduzierende und fäulnisvermeiden­de Strategien im Weinberg erforscht.

Der Direktor betonte, dass die Schlag­wörter Qualität im Sinne von Terroir und Nachhaltigkeit unseren Weinbau für die kommenden Jahre prägen müssen. Somit habe eine neue Ära begonnen, auch wenn man sich diese im Moment noch nicht so richtig vor­stellen könne.

Um zu zeigen was Änderungen und Umdenken bewirken können, zitier­te Herr Ley einen Text vom Professor Jos Massard über die Reblaus.

Der Text berichtet von der Misere die der Luxemburger Weinbau am Anfang des 20. Jahrhunderts heimsuchte. Ab 1907 dezimierte die Reblaus fast alle Weinberge der Luxemburger Mosel. Nach dem ersten Weltkrieg wurde zusätzlich der Deutsche Zollverein beendet. Letzterer stellte über lange Jahre den Hauptabsatzweg unserer Weine dar. Weinbaulich und ökono­misch befand sich der Luxemburger Weinbau also am Boden zerstört. Beim Wiederaufbau der Weinber­ge wurden europäische Reben auf reblausresistente amerikanische Un-terlagen gepropft. Während in Frank-reich bereits die Hälfte der Reben auf amerikanischen Unterlagen stand, wurden in Luxemburg die ersten Propfversuche in den Staatsrebschu­len von Remich und Grevenmacher vorgenommen. Trotzdem habe man sich nach 1907 noch vehement in Luxemburg gegen die Umstellung des gesamten Weinbaus auf ameri­kanisierte Unterlagen gewehrt, so der Direktor. Mit einem Rekonstruk-tionsrhythmus von 70-80 Hektar pro Jahr gelang es, bis Ende der 1930er Jahre den größten Teil der Weinberge an der Mosel zu rekonstruieren.

Die richtige Lösung war also das Propfen, denn bis heute ist die Reb­laus durch die Gesamtumstellung auf resistente Unterlagen nie mehr auf­getreten.

Herr Ley gebrauchte den Text von Herrn Massard als Metapher um zu zeigen, dass manchmal sehr schwer­wiegende Änderungen getroffen werden müssen, auch wenn dies mit Unsicherheiten und Skepsis am Anfang verbunden ist. Denn schluss-endlich führte der Wiederaufbau des Luxemburger Weinbaus zu einem enormen Qualitätsanstieg und einem heimischen stabilen Absatzmarkt. Diese historische Tatsache müsse man sich vor Augen führen um mit mehr Vertrauen und Selbstbewusst­sein neue Wege zu beschreiten.

Nach dieser interessanten Schluss­folgerung gab der Direktor das Wort an Weinbauminister Fernand Etgen weiter. Letzterer ging zunächst auf den Weinbausektor im Allgemeinen ein. Dieser sei stark globalisiert und die Konkurrenz ihrerseits noch nie so groß gewesen. Laut OIV, der interna­tionalen Organisation für Rebe und Wein, werde 43 Prozent vom welt­weit getrunkenen Wein importiert. Dies stelle das Doppelte von dem dar was noch vor 10 Jahren an Wein gehandelt wurde. Der weintrinkende Konsument sei seinerseits viel inter­nationaler gerichtet und bedeutend besser vernetzt als noch vor 10 Jahren. Die Resultate von Marktforschungen zeigen ganz klar, dass der Konsument von heute weniger oft aber deshalb besseren Wein trinkt.

Aus diesem Grund heraus müssen bestehende Rahmenbedingungen, Strukturen und Verhalten perma­nent angepasst werden, so der Minister. Fernand Etgen meinte zudem, dass auch der Luxemburger Weinbau momentan einen tiefgreifen­den Wandel durchgehe. Solcher biete natürlich einige Risiken und Gefah­ren, jedoch gleichzeitig auch Chan­cen. Der Minister lobte allgemein den strukturellen Zusammenhalt des luxemburgischen Weinbausektors, sei es durch die Protvigne in Sachen Pflanzenschutz, die Organisation der Privatwinzer, den Verband der Wein­händler oder die Genossenschaftskel­lereien. Bereits in der Vergangenheit haben sich die Luxemburger Winzer immer zusammengetan wenn die Not groß war, nach dem Motto “Einigkeit macht stark“.

In diesem Kontext strich Herr Etgen die Entstehung der Genossenschafts­kellereien als Existenzsicherung für viele Familienbetriebe in den Krisen­jahren nach dem Krieg hervor. Auch die Privatwinzer schlossen sich 1966 aus Gründen einer gemeinsamen Beratungs- und Marketinginitiati­ve zusammen. All diese Initiativen seien meistens vom Staat und den Gemeinden finanziell und logistisch unterstützt worden, so Herr Etgen. Man sehe also ganz klar, dass die gemeinschaftlichen Strukturen das Rückgrad vom Luxemburger Wein­bau bilden.

Aus diesem Grund bleibe die Zusam­menarbeit im Rahmen der gemein­schaftlichen Strukturen heute ge-nauso wichtig wie früher. Zusammen­arbeit heiße in dem Sinn aber auch gemeinsames Umdenken, so zum Bei­spiel im Bereich Pflanzenschutz. Bis heute wurden nahezu alle Weinberge auf der Luxemburger Mosel mit dem Hubschrauber behandelt. Im Rah­men der Umsetzung von neuen EU-Verordnungen aber auch aus Image­gründen ist Luxemburg gezwungen seine Hubschrauberapplikationen einzuschränken. Flache Weinbergs­lagen dürfen nicht mehr gespritzt werden. Zusätzlich müssen Sicher­heitsdistanzen zu sensiblen Zonen, wie z.B. Siedlungen, Gewässer oder Naturschutzzonen eingehalten wer­den. Herr Etgen betonte jedoch, dass durch diese Einschränkungen weder die Protvigne noch die Spritzgenos­senschaften selbst in Frage gestellt würden. Der gemeinsame Einkauf von Pflanzenschutzmitteln durch die Protvigne ermögliche eine für den Winzer vorteilhafte Reduzierung der Anschaffungskosten.

Schlussfolgernd betonte der Minister, dass es gilt die bestehenden Struktu­ren auf der Luxemburger Mosel zu stärken und dem Wandel der Zeit anzupassen. Weiter wünsche er allen Winzer und Winzerinnen ein gutes und erfolgreiches Weinjahr 2015. Daraufhin stießen alle eingeladenen Gäste mit ihrem Glas Crémant an und es konnte weiter in einer gemütlichen Atmosphäre über aktuelle Themen diskutiert werden.

 
Unter den 300 geladenen Gästen befanden sich zahlreiche Vertreter aus dem Weinbausektor, Politiker und Mitarbeiter aus den verschiedenen landwirtschaftlichen Verwaltungen.
 

Robert Mannes,Institut viti-vinicole