Berichterstatter-Wettbewerb von ALCOVIT:
Untersuchung der Trëtterbach (Gemeinde Wincrange) auf das Vorkommen der Bachmuschel (Unio crassus) und Vorschläge zur Verbesserung ihres Lebensraumes.
Unter der Betreuung von Professor Roger Braun haben insgesamt 7 LTA-Schüler/innen zum Teil hochkarätige Projektberichte geschrieben, die von ALCOVIT & Bâtiself mit verschiedenen Preisen belohnt wurden und die alle in den kommenden ALCOVIT-Ausgaben veröffentlicht werden.
Eine unabhängige Jury, unter der Leitung von ASTA-Direktor Léon Wietor, hat die verschiedene Berichte beurteilt und eingestuft. Den 3. Preis, ein wertvolles, unverwüstliches Schweizer Offiziersmesser mit insgesamt 16 verschiedenen Funktionen erhielt Katja BAKX aus Soller für Ihren interessanten Bericht über das Vorkommen der Bachmuschel in der „Trëtterbach“ .
Katja BAKX
Lebenszyklus der Bachmuschel
Die Bachmuschel gehört zur Ordnung der Großmuscheln (Najadan). Ein ausgewachsenes Exemplar wird zwischen 6 und 8 Zentimeter groß. Sie ernährt sich als Filtrierer, d.h. sie filtert Plankton und kleinste organische Schwebeteilchen aus dem Wasser.
Im Gegensatz zu anderen Muscheln, wo es zu Zwittrigkeit kommen kann, pflanzt sich die Bachmuschel getrennt geschlechtlich fort. Die Samenzellen der Männchen gelangen über das Atemwasser in die Mantelhöhle des Weibchens wo die Befruchtung stattfindet. Zwischen April und Juli entlassen die Weibchen die Larven ins Wasser wo sie, frei treibend, innerhalb
von 6 Tagen einen Wirtsfisch finden müssen, der sie aufnimmt, sonst sterben sie. Dabei sind nur bestimmte Fische geeignet, wie bei uns vor allem die Elritze, Aitel (besser bekannt unter dem Namen Döbel) und Mühlkoppe (Groppe).
Nach etwa 4 Wochen fällt die Jungmuschel, zu der sich die Larve nun umgewandelt hat, vom Wirtsfisch ab und gräbt sich für 2-3 Jahre in das sichere Sediment ein und ist zunächst nicht mehr zu sehen. In verschlammten Gewässern könnten sie ersticken.
Nach dieser Zeitspanne bewegt sich die Muschel an die Oberfläche des Gewässersediments. Mit 3 bis 4 Jahren ist sie ausgewachsen und kann, bei guten Umweltbedingungen bis zu 30 Jahre alt werden.
Lebensraum der Bachmuschel
Die Bachmuschel siedelt hauptsächlich in mäßig bis schnell fließenden Bächen und Flüssen mit guter Wasserqualität und gutem Kieslückensys-tem, an. Es kann aber auch vorkommen, dass, zumindest adulte Tiere, verschlammte Bereiche nutzen.
Die Zahl der Bachmuscheln nahm während der letzten Jahrzehnte rapide ab. 90 Prozent sollen bereits ausgerottet sein. Von der Europäischen Union wird sie als „streng zu schützende Art“ eingestuft.
Ihr ursprünglich einziger natürliche Feind, der Fischotter, hat Zuwachs bekommen. Hierzu zählen Bisamratte, Waschbär und der amerikanische Nerz. Die Wirtsfische werden von eingeschleppten Fischarten verdrängt. Die Wasserqualität wird durch Pflanzenschutz- und Düngemittel negativ beeinflusst, das Kieslückensystem wird durch eingeschwemmte Bodenpartikel verstopft, wodurch die Jungmuscheln sich nur noch schlecht entwickeln können.
Die „Trëtterbach“ ist eine von wenigen Bächen, welche die nötigen Voraussetzungen aufweist die nötig sind, um den Bachmuscheln Lebensraum zu bieten. Doch sind die Voraussetzungen nicht ideal um das Überleben der Muscheln zu gewährleisten. Wirtsfische sind da, doch die Wasserbelas-tung ist zu hoch. Die Bachmuschel bevorzugt die Elritze als Wirtsfisch.
Die ideale Landschaft um ein Bachmuschelgewässer setzt sich aus einem Mosaik aus natürlichen, naturnahen Waldbeständen und extensiv genutzten landwirtschaftlichen Fluren zusammen. Der Richtwert für Nitrat-Stickstoff im Wasser von 2 mg/L sollte möglichst ganzjährig nicht überschritten werden. Hochwasserdynamik und eine regelmäßig überflutete Auenlandschaft sollten vorhanden sein.Um einen gesunden Fischbestand zu erhalten, muss die jährliche Wanderung zu den Laichgründen gesichert sein.
Ein gutes Kieslückensystem ist gekennzeichnet durch eine saubere und vor allem sandige Korngrößenverteilung. Durch Erosion, Umlagerung und Auflandung wird dies gefördert. Durch Feinsedimente können die Kieslückensysteme aber verstopfen, was wiederum die Anforderungen der Elritze an dieses System nicht erfüllt. Geeignete Laichplätze für diese sind lockere Kiesablagerungen.
Eigenschaften der „Trëtterbach“
Es gibt zwei Faktoren die in Bezug auf die Bachmuschel eine besondere Problematik darstellen:
• Fichten, also Flachwurzler, spülen bei Regen den Boden um die Wurzeln in den Bach;
• In den Wiesen treten die Tiere, die nahe am Ufer weiden, den Boden ins Wasser. Dadurch kommt es an diesen Stellen zur Erosion am Ufer und der ins Wasser rutschende Boden verstopft das Kieslückensystem, so dass die jungen Bachmuscheln langfristig verhungern und ersticken.
Auszuführende Verbesserungen:
• Ersetzen der Fichten durch Neubepflanzung mit Laubbäumen.
• Auszäunen der Uferbereiche und Errichten von Viehbrücken und Viehtränken.
Um mir eine Übersicht über das Vorkommen von Elritzen und Bachmuscheln im „Trëtterbach“ zu machen, habe ich ihn auf Vorkommen beider Spezies untersucht. Die Elritzen sind zwar vertreten, treten jedoch nur vereinzelt auf und der doch recht hohen Sauerstoffgehalt bildet eine gute Grundlage für die Entwicklung der Jungmuscheln.
Die Wasseranalysen sind, was die Phosphatgehalte angeht, alle relativ hoch, vor allem bei der zweiten Messung wird der maximal erlaubte Wert um das Dreifache überschritten. Der Nitritgehalt liegt, außer bei der ersten Messung, ebenfalls zu hoch. Dasselbe gilt für die Nitratgehalte und das Chlorit. Demgegenüber sind die Gehalte von Ammonium recht zufriedenstellend. Alle 5 Komponenten stehen in Zusammenhang mit der Landwirtschaft. Chloride gelangen beim Winterdienst, oder durch Wasserenthärter und Geschirrspülreiniger ins Ab- und so ins Grundwasser.
Als Fazit kann man ziehen, dass die Bearbeitung in den landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaften sich verstärkt in eine Richtung entwickeln muss, in welcher Sediment- und Nährstoffeinträge reduziert werden. Dies zum Beispiel durch eine Uferbefestigung in Viehweiden, Erosionsschutzmaßnahmen auf Kulturflächen und eine mit den landwirtschaftlichen Betrieben abgestimmte Düngung. Was die Chlorit-Belastung angeht wäre eine Reduzierung der Salzausbringung in sensiblen Gebieten und ein verringerten Eintrag durch Haushalte ein Lösungsweg.


