2017 – Ein turbulenter Jahrgang mit qualitativ gutem Ergebnis

Das Weinjahr 2017 wurde geprägt durch Witterungseinflüsse wie Trockenheit und frühsommerliche Temperaturen im Frühjahr, einen vorzeitigen Austrieb gefolgt von Spätfrost. Lokal traten vereinzelt Unwetter mit Hagel oder auch Starkregen auf.

Gegen Ende der Reifephase wurden die Trauben noch einmal von der Sonne verwöhnt, was sich positiv auf die Aromaausbildung auswirkte. Über die gesamte Vegetationsperiode hielt sich ein Entwicklungsvorsprung von knapp zwei Wochen, dies wird auch anhand der Reifeparameter Mostgewicht und Säure deutlich. Der Reifebeginn konnte bereits am 1. August festgestellt werden, somit wurde er knapp zwei Wochen vor dem langjährigen Mittelwert (17. August) erreicht. In der ersten Septemberwoche konnte beispielsweise bei der Rebsorte Rivaner ein 25% höheres Mostgewicht und 35% niedrigere Säure festgestellt werden, als bei dem vergleichbaren langjährigen Mittelwert (2008-2017). Nachdem einzelne Parzellen bereits Ende August gelesen wurden, wurde die frühe Lese durch einen kühlen regnerischen September noch einmal beschleunigt.

In der zweiten Septemberwoche wurde mit der Lese der Sorte Rivaner begonnen, bevor die Hauptlese am 22. September begann. Da sich die vorangehende Feuchtigkeit in Form von Niederschlägen und Luftfeuchtigkeit auf den Gesundheitszustand der Trauben ausgewirkt hat, galt es lagenweise abzuwägen, ob eine geringe Steigerung des Mostgewichts oder die Gesundheit des Lesegutes im Fokus steht. Den Ausschlag gab hier neben der Witterung auch das Produktionsziel der einzelnen Parzellen. Es wurden alle Kräfte mobilisiert, um in einer selektiven Lese faules Traubenmaterial von dem Lesegut auszuschließen. Das Traubenmaterial zeigt sich trotz des frühen Lesetermins physiologisch reif und aromatisch und bietet gutes Ausgangsmaterial für unterschiedlichste Qualitätsstufen. In sehr wenigen Fällen konnte die Lese noch bis in den November hinausgezögert werden. Auf diese Weise konnten Trauben für Qualitätswein mit der Bezeichnung „Vendanges tardives“ geerntet werden. Die Bezeichnung ist nur für eingeschränkte Sorten zulässig und die Trauben  müssen ein  rebsortenspezifisches Mindestmostgewicht aufweisen. Die gesamte Erntemenge fiel durch die genannten Witterungseinflüsse mit +/- 82.200 hl klein aus. Mit dem erzielten Ertrag ähnelt der Jahrgang 2017 mengenmäßig dem Vorjahr. Auch 2016 kam es bereits zu Ertragsausfällen, die teilweise ebenfalls durch Spätfrost aber auch durch die Pilzkrankheit Peronospora entstanden sind. 2016 lag die Erntemenge insgesamt bei 82.947 hl. Betrachtet man den 10-jährigen Mittelwert der Gesamterntemenge der Jahrgänge 2007-2016 von 115.164 hl, ist offensichtlich, dass die letzten beiden Jahrgänge mit ca. 30 % Ertragsausfall deutlich unter dem Durchschnitt lagen. Im Vergleich zu dem langjährigen Mittelwert der Erntedaten der letzten 30 Jahre, beträgt der Ertragsausfall des Jahres 2017 sogar ca. 40 % von durchschnittlich erzielten 139.251 hl. Dennoch handelt es sich nicht um den kleinsten Jahrgang in dem erfassten Zeitraum. 1997 führten Winter- und Spätfröste und zusätzlich ungünstige Witterung im Blütezeitraum zu niedrigen Erträgen, die Erntemenge betrug lediglich 74.708 hl. Bei der Aufteilung der Gesamterntemenge auf einzelne Rebsorten fallen die Jahrgangsunterschiede deutlich auf.

Große Einbußen gab es in diesem Jahr bei den Rebsorten Elbling und Gewürztraminer. Wurden 2016 8.454 hl Elbling geerntet, lag die Ernte mit 4.325 hl in diesem Jahr bei knapp der Hälfte der Vorjahresmenge. Noch größer zeigt sich die Differenz zwischen den beiden Jahrgängen bei der Sorte Gewürztraminer. Geerntet wurden 2017 lediglich 306 hl im Vergleich zu 1.117 hl im Vorjahr. Die fehlende Menge schlägt sich eher am Basissegment nieder, als in den höheren Qualitätsstufen.

Nicht nur in Luxemburg ist die Ernte geringer ausgefallen. Laut dem Deutschen Weininstitut (DWI) geht die EU-Kommission von einer europaweiten Erntemenge von 146 Millionen Hektolitern aus. Somit ist der Jahrgang 2017 der kleinste seit dem Jahr 2000, die Erntemenge liegt 13 % unter dem fünfjährigen Mittelwert. 2017 war für die Winzer zwar ein turbulentes Jahr, durch ihre Mühen konnten sie aber dennoch einen qualitativ hochwertigen Jahrgang ernten, aus dem fruchtige aromatische Weine mit einer moderaten Säure hervorgehen werden.

 
Mareike Schultz, IVV