Informationsversammlung der Saatbau-Genossenschaft (LSG) über Winterkulturen

Die Redner des Abends während der hochkarätigen Informationsversammlung: Serge Heuschling, Guy
Reiland, Henri Noesen, Jean Muller, Evelyne Stoll und Edmond Muller. (v.l.n.r.)
Gutgefüllte Beringer „Festscheune“ während der diesjährigen traditionellen Sorten-Informationsversammlung der LSG.

Anfang September fand in Beringen die traditionelle Sorteninformationsveranstaltung der LSG statt und gab wie immer Anlass zu einem ausführlichen Rückblick auf den abgeschlossenen Karschnatz, verbunden mit einem Ausblick auf die kommende Aussaat der Winterrungen.

Außergewöhnliche Trockenheit, landesweit sehr variable Erträge im Raps- und Wintergetreide, auf einzelnen Standorten durchaus Rekordernten, Preisverfall auf den Getreidemärkten, so könnte man das Kulturjahr 2014/2015 in einigen Worten sehr treffend beschreiben. Dieses Fazit zog sich denn auch wie ein roter Faden durch die Versammlung der LSG. Zumindest was die Versuchsflächen anbelangt, so war zu erfahren, dass die Erträge sehr hoch und mancherorts gar rekordverdächtig ausfielen. Allerdings gilt dies sicher nicht für alle Standorte und alle Kulturen, da einerseits die Ertragssituation je nach Region als sehr unterschiedlich zu bezeichnen ist, andererseits muss man unterstreichen, dass Raps und Winterkulturen weitgehend von der extremen Trockenheit verschont blieben, hingegen sich die Situation bei Sommergetreide, Mais und vor allem beim Dauergrünland gänzlich anders darstellt.

Gut besuchter Informationsabend

Die Auswirkungen der Trockenheit und die niedrigen Getreidepreise jedenfalls hielten die Landwirte keinesfalls davon ab zahlreich an der Versammlung der LSG teilzunehmen. Ein Zeichen dafür, dass diese Veranstaltung im Laufe der Jahre keineswegs an Attraktivität verloren hat.

Nach der Begrüßung durch LSG Direktor Henri Noesen, stellte Guy Reiland die Versuchsresultate der Ackerbauschule aus Bettendorf vor. Guy Reiland betonte, dass 2015 ein ausgesprochen gutes Jahr für die Gerste gewesen sei und wusste von Höchsterträgen auf dem Standort Bettendorf zu berichten. Rekorderträge, die, gemäß den Prognosen  vom landwirtschaftlichen Warndienst für Krankheitsbefall „ Sentinelle“, gar ohne Fungizidbehandlung zu Stande kamen.

Ganz anders erwies sich die Situation beim Triticale. Sehr starker Gelbrostbefall sorgte mitunter für starke Ertragsminderungen, zumal wenn keine Fungizide eingesetzt wurden. Guy Reiland wies darauf hin, dass es hinsichtlich der Gelbrostresistenz beim Triticale erhebliche Sortenunterschiede gibt und man diesen unbedingt Rechnung tragen muss zur Bekämpfung dieses hartnäckigen Schadpilzes.

Etwas enttäuschend fielen hingegen die Winterweizenerträge in Bettendorf aus, bedingt vor allem durch eine Kombination von Trockenheit, Mäusebefall, Schwarzbeinigkeit etc..

Ferner konnte man dem Vortrag von Herrn Reiland entnehmen, dass sich die Gülle-CULTAN Düngung in Kombination mit AHL in Bettendorf als äußerst erfolgreiche Düngungsvariante erwies.

2015 wiederum Gelbrostbefall

Der nächste Redner, Professor Serge Heuschling vom LTA, bestätigte ebenfalls, dass die Erträge in den Sortenversuchen sehr hoch ausfielen. Allen voran beim Raps aber auch in der Wintergersten- und Winterweizensortenversuchen waren überdurchschnittlich hohe  Ernten zu verzeichnen. 

Wegen des Gelbrostbefalls konnte Herr Heuschling eine genaue Bonitur der Gelbrostresistenz der verschiedenen Weizen-und Triticalesorten vornehmen und betonte, dass die Krankheitsresistenz eine wichtige Sorteneigenschaft sei, die die Landwirte in ihrer Pflanzenschutzstrategie unbedingt nutzen sollten. Die Sortenkommission jedenfalls, so betonte Herr Heuschling, empfiehlt ausschließlich Sorten mit ausgeprägter Krankheitsresistenz im Sinne einer integrierten und umweltschonenden Landwirtschaft.

Abschließend gab Herr Heuschling einige Tipps um den Gelbrostbefall schon im Vorfeld im Herbst zu bekämpfen, hierzu gehören die richtige Sortenwahl, das Vermeiden von Frühsaaten sowie eine fachgerechte Stoppelbearbeitung um die Infektionsbrücke, bestehend aus Ausfallgetreide und Unkräutern, zu beseitigen.

Die Versuchsresultate der IBLA wurden von Evelyne Stoll vorgetragen. Frau Stoll betonte, dass in den Versuchen der IBLA nur sehr geringfügig Gelbrost auftrat. Nur einige wenige Sorten, die sich deshalb nicht für den biologischen Landbau eignen, hatten Probleme mit diesem Schaderreger. Alles in allem zeigte sich Evelyne Stoll zufrieden mit der Ertragsleistung der, gemäß der Richtlinien der biologischen Landwirtschaft, geprüften Winterweizen-, Titicale- und Winterroggensorten.

Hartweizenanbau

Edmond Muller, der nächste Redner, brachte seine Zufriedenheit mit der erfolgten Weizenernte im Rahmen des Produit du Terroir „ Letzebuerger Wees, Letzebuerger Miel, Letzebuerger Brout“ zum Ausdruck und gab Auskunft zur zukünftigen Auswahl der zugelassenen Brotweizensorten.

Abschließend erfolgte ein Überblick von Jean Muller über die Aktivitäten der Kleinbettinger Mühle. Dabei wurde ersichtlich, dass die Kleinbettinger Mühle fast ebenso viel Hartweizen zu Gries verarbeitet wie Weichweizen zu Mehl. Hierzu muss die Kleibettinger Mühle ihren gesamten Bedarf an Hartweizen aus Europa und sogar Kanada importieren. Dies soll sich, laut Jean Muller, in Zukunft ändern, da die Kleibettinger Mühle ebenfalls ein gewisses Quantum Hartweizen aus der Großregioun beziehen will. Nachdem bereits 2015 einige ha Hartweizen erfolgreich in Luxemburg angebaut werden konnten, soll diese Produktion im nächsten Kulturjahr noch ausgebaut werden.

Das Schlusswort gehörte wiederum LSG Direktor Henri Noesen, der sich bei allen Vortragsrednern bedankte.

Marc Weyland