Abschlusskonferenz für das europäische AutoGrassMilk Projekt von 2014-2015:
Innovative Milchproduktion mit der Weide
AutoGrassMilk ist ein europäisches Projekt, in welchem die Möglichkeiten zur Weidehaltung mit Robotermelkung analysiert und zudem Handlungsempfehlungen hierzu ausgearbeitet werden. Luxemburg, vertreten durch das Grünlandteam und vier Pilotbetriebe, leistet hierbei wissenschaftlichen und praktischen Input.
Die Arbeiten wurden finanziell und auch personell vom Landwirtschaftsministerium unterstützt und die FILL (Fördergemeinschaft integrierte Landbewirtschaftung Luxemburg) hat federführend für die Projektteilnehmer von CONVIS, LTA, SER, ASTA und der IBLA die Arbeiten koordiniert.
Am 15.1.2016 sollte im Rahmen einer Konferenz eine erste Bilanz über die geleistete Arbeit in den vergangenen 2 Jahren gezogen werden.
Gérard Conter, Professor im LTA, moderierte die Konferenz und führte kurz in das Thema ein. So wurden in einer ersten Phase die Möglichkeiten zu einer umfassenden aber doch effizienten Datenerhebung erarbeitet. Oberstes Ziel war es hierbei, Betriebe, die Robotertechnik einsetzen, weiterhin oder wieder auf den Einsatz des Grünlandes mit Hilfe von Weidegang zu begleiten.
Luc Sassel vom SER stellte zu Beginn die ökonomischen Aspekte eines Betriebes mit Robotermelken und Weidegang anschaulich dar. Die Weide ist, nach wie vor, auch für Roboterbetriebe ein günstiges Futtermittel. Stimmen die Rahmenbedingungen in Bezug auf Weideflächen in Stallnähe und dem freien Zugang zu den Weideflächen, sollte diese Futterressource auf jeden Fall für eine wirtschaftliche Milchproduktion genutzt werden.
Henri Kohnen vom LTA, interpretierte anschließend anhand von Graphiken und Auswertungen die während der zwei Jahre auf den Betrieben erhobenen Daten der 4 Pilotbetriebe. Eine Herausforderung bei den Pilotbetrieben war der „Kuhverkehr“, wie kann die Kuh dazu animiert werden zwischen Melkroboter und Weide zu pendeln. Hierzu muss zum einen die Kuh als „Herdentier“ auch zu „Alleingängen“ motiviert werden. Zum anderen muss auch die entsprechende Infrastruktur, also der freie Zugang von Melkroboter und Weide möglich sein. Der Einfluss der klimatischen Bedingungen hatte besonders im vergangenen Jahr klare Auswirkungen auf den Anteil des Futters von der Weide gegenüber der Stallfütterung.
Gerber van Vliet von der ASTA zeigte wie eine Anlage von den benötigten Weidewegen aussehen könnte. Die Weidewege sind das Rückgrat des Systems, die Kühe müssen bequem und tiergerecht zwischen Roboter und Weide pendeln können. Nur so ist eine hohe Futteraufnahme auf der Weide zu erreichen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurde die Konferenz mit Valérie Brocard (IDELE – Institut de l’élevage) aus Frankreich fortgesetzt. Auf den 2 Versuchsbetrieben werden sowohl die reine Stallhaltung als auch die Weidehaltung in Kombination mit dem Melkroboter getestet und ausgewertet. Die Aussagen zur Milchproduktion, dem Kuhverkehr, dem Arbeitszeitbedarf und der Rentabilität waren für die Besucher der Tagung von hohem Interesse.
Bert Philipsen (URL – Wageningen Livestock Research) Beitrag beleuchtete das Weidemanagement in intensiven Milchproduktionssystemen. Sobald das Verhältnis von einer hohen Milchmenge zu begrenzten Fläche eng wird, muss das Weidemanagement umgestellt werden. In Zusammenarbeit mit der FILL wurde zu diesem Zweck eine Brochüre aus dem niederländischen übersetzt. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.grengland.lu.
In dem letzten Block der Konferenz kamen Landwirte aus Luxemburg, Deutschland und Dänemark zu Wort.
Christian Origer aus Eschdorf, einer der Landwirte des Pilotbetriebsnetzes in Luxemburg, stellte seinen Betrieb und seine Erfahrungen mit Roboter und Weide vor. Die Kühe auf dem Betrieb Origer haben die Wahl zwischen einer ganzjährig auf dem Futtertisch ausgebrachten Ration und den stallnahen Flächen. Christian stellte als wichtige Erfahrung zu seinem Betrieb heraus, dass die Kühe morgens einen „leeren“ Futtertisch haben sollten, um dann „hungrig“ direkt nach dem Melken eine hohe Weidefutteraufnahme zu erzielen. Nachmittags können die Tiere sich dann im Stall bedienen. Der Standort ist hinsichtlich Trockenperioden sehr anfällig und es wird interessant sein weiterhin Erfahrungen vor Ort zu sammeln.
Der Biobetrieb von Markus Legge aus Monschau (D) in der Eifel arbeitet mit 2 mobilen Melkrobotern, die während der Vegetationsperiode auf den Weiden installiert werden. Die Kühe sind demnach in dieser Periode in einem Vollweidesystem, und sind nur durch Kraftfuttergaben im Roboter noch mit zusätzlichen Futterquellen zu versorgen.
Thure Worm aus Ribe (Dk), bewirtschaftet auch einen Biobetrieb mit derzeit 180 Kühen. Auch hier können die Kühe das umliegende Grünland in Kombination mit den Robotern nutzen. Der Betrieb plant die Kuhzahl auf 240 Kühe zu erhöhen, die Beweidung soll weiterhin fest im Produktionsablauf verankert bleiben.
Als Fazit kann festgehalten werden, dass in den vergangenen zwei Jahren viele Aspekte zum Thema Weidegang und Roboter beleuchtet wurden. In den nächsten vier Projektjahren sollen weitere Handlungsempfehlungen besonders zur Weideführung und zu den Weidewegen ausgearbeitet werden, um so dieses System weiter zu verbreiten. Das Projekt wird in dieser Zeit sowohl vom Ministerium budgetär und personell unterstützt, aber auch durch die Einführung einer Weideprämie für Milchkühe in Luxemburg.
Léon Wietor, Direktor von der ASTA, stellte in seiner Rede heraus wie wichtig solche Projekte, die in enger Zusammenarbeit mit den Betrieben geleistet werden, für die hiesige Landwirtschaft sind. Das Landwirtschaftsministerium hat aus diesem Grund einer Verlängerung der Unterstützung des AGM-Projektes in Luxemburg für weitere Jahre zugestimmt.
![]() |
|
| ASTA-Direktor Léon Wietor (rechts) mit den verantwortlichenOrganisatoren und Rednern der Abschlusskonferenz. | Blick in den gutgefüllten Festsaal des LTAE während den interessanten Vorträgen. |
AGM – Team Luxemburg
Fotos: J.C.



.jpg)