EFFO-Fachtagung in Ettelbrück-2016
Alternative Anbautechniken im integrierten Rapsanbau
Seit dem Unfall einer Feldspritze im Herbst 2014 und dem damit verbundenen Bewusstsein um die Problematik von Planzenschutzmittelrückständen in Öberflächen-, Grund- und Trinkwasser steht der Rapsanbau in der öffentlichen Kritik. Im Januar 2015 wurde der Einsatz von Metazachlor im Raps in Wasserschutzgebieten verboten, bzw. in den übrigen Regionen von Luxemburg stark begrenzt (Anwendungshäufigkeit und Aufwandmenge).
Für Michael Eickermann „ist die Rapskultur demnach ein wichtiges Element der Luxemburger Landwirtschaft. Der Rapsanbau muss künftig jedoch deutlich nachhaltiger gestaltet werden“. Genau an diesem Punkt setzt das EFFO-Projekt an:
– Erprobung eines veränderten Herbizideinsatzes,
– Einführung neuer Kulturtechniken im Raps: Untersaat, weite Reihe, …
– Erprobung neuer Kulturfrüchte und Implementierung in die Fruchtfolge (Öllein, Leindotter).
Alain Majerus (LWK) stellte im Anschluss die praktischen Arbeiten sowie erste Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Versuchsfeldern des EFFO-Projektes vor: EFFO arbeitet an drei verschiedenen Standorten, welche allesamt relevant für den Wasserschutz sind:
– Flatzbour/Wahl: Schiefer, Devon; am Einzugsgebiet der Obersauertalsperre,
– Reisdorf/Bettendorf: Bundsandstein, Trias; Nähe zu den Versuchsfeldern des LTA,
– Hobscheid: Luxemburger Sandstein, Lias; angrenzend an die Quellenschutzgebiete des SES.
An allen drei Standorten liegen zwei Versuche:
Ackerbauelemente (8 alternative Anbautechniken für bzw. Kulturen zu Raps):
– Kontrollvariante mit Metazachlor,
– Integrierter Winterrapsanbau, mit alternativen Wirkstoffen,
– Weite-Reihe-Verfahren mit teilmechanischer Unkrautbekämpfung und Bandspritzung,
– Ökologischer Winterrapsanbau im Weite-Reihe-Verfahren,
– Mechanische Unkrautbekämpfung mit Striegel,
– Colza associé: Raps im Gemenge mit abfrierenden Leguminosen,
– Öllein als alternative Ölpflanze,
– Leindotter als alternative Ölpflanze,
Jeweils in vierfacher Wiederholung und mit einer praxisrelevanten Parzellengröße von 6m x 20m.
Fruchtfolgeelemente (Erweiterte Fruchtfolge mit fünf Gliedern):
Ziel ist es, den Raps in eine weitere Fruchtfolge zu stellen und dies durch die:
– Integration von Sommerungen
– Etablierung und Erprobung alternativer Ölsaaten
– Einbringung von Leguminosen.
Zusätzlich zu den ackerbaulichen Vorteilen kann eine derart gestaltete Fruchtfolge künftig von der entsprechenden Agrarumweltmaßnahme „452, Fruchtfolgeprogramm“ profitieren, wodurch sich die Wirtschaftlichkeit der Fruchtfolge weiter erhöht.
Als wichtige Erkenntnisse der ersten Monate praktischer Versuchsarbeiten unterstrich Alain Majerus folgende Punkte:
– Toxizitätsprobleme (Chlorosen) alternativer Herbizide am Raps,
– Bedeutung eines geringen Unkrautdrucks auf der Fläche für eine erfolgreiche mechanische Unkrautbekämpfung.
Maxime Merchier (Greenotec) aus Belgien arbeitet seit 6 Jahren im Versuchswesen und in der Beratung mit Untersaaten im Raps. Die Ziele und Motivation seiner Arbeit lassen sich wie folgt zusammenfassen:
– Symbiontische N-Fixierung durch die Untersaaten,
– Verbesserung der Bodenstruktur,
– Steigerung der Aktivität des Bodenlebens,
– Feldhygiene und geringerer Unkrautdruck durch eine optimierte Bodenbedeckung,
– Konzentration des Erdflohbefalls auf die Untersaat.
Zum erfolgreichen Anbau von Raps in Mischkultur sind eine Reihe grundsätzlicher Regeln zu beachten: Damit die Untersaat vor Winter ausreichend entwickelt ist, sollte der Saatzeitpunkt tendenziell etwas vorgezogen werden. Eine einfache Saattechnik (Saatgutgemisch aus einem Tank) funktioniert am besten: es bestehen keine Probleme durch Entmischung (in der Sämaschine) und die Saat in die gleiche Reihe von Raps und Untersaat hat einen positiven Einfluss auf die N-Verlagerung im Boden. Die Untersaat ist in Abhängigkeit des Saatzeitpunktes zu wählen, wobei die Ackerbohne am spätsaatverträglichsten ist – durch ein Gemisch verschiedener Arten lässt sich das Anbaurisiko der Untersaat minimieren.
Bei der Unkrautbekämpfung ist Vorsicht und Fingerspitzengefühl geboten:
– Im besten Fall ist durch die bodenbedeckende Untersaat keine Unkrautbekämpfung notwendig.
– Untersaaten reagieren sensibel auf die Unkrautbekämpfung (am resistentesten ist noch die Ackerbohne).
– Unkrautbekämpfung nach Möglichkeit und Bedarf ins Frühjahr verlagern.
– Unkräuter kennen und richtig einschätzen: Unkräuter mit kriechendem Wuchs im Frühjahr stellen kein Problem für die sich dann streckenden Rapspflanzen dar!
Über die vergangenen sechs Jahre sind die Erfahrungen von Maxime Merchier durchweg positiv: neben reduziertem Herbizidaufwand und verbesserter Bodenstruktur konnte Greenotec positive Ertragseffekte von bis zu 10 Prozent im Vergleich zu konventionell geführtem Raps messen. Diese Erfahrungen konnte Claude Bodson, Landwirt aus Belgien aus seiner Praxis in den vergangenen drei Jahren bestätigen. Wer sich von den Arbeiten von Greenotec überzeugen und zum „Colza associé“ weiterbilden will der sei bereits jetzt zum „Festival de l’Agriculture de la Conservation“ von Greenotec am 16. Juni 2016 in Fleurus, Belgien eingeladen.

Die Erfahrungen aus Belgien zur Raps-Untersaat wusste Alexandra Schröder (Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern) aus der Schweiz weitestgehend zu bestätigen. Auch die Schweizer tendieren zu einem etwas früheren Saatzeitpunkt, sehen im Gegensatz zu den Belgiern jedoch Vorteile in einer getrennten Saat (Maschine mit doppeltem Säsystem oder zwei Überfahrten). Beim Vergleich zwischen Direktsaat (in die Getreidestoppel) und der klassischer Bodenbearbeitung schneidet die Direktsaatvariante eindeutig schlechter ab. Zur Risikominimierung arbeitet man auch in der Schweiz mit (fertigen) Untersaatmischungen (=> Colza Fix). Auch Alexandra Schröder sieht einen Knackpunkt in der Unkrautbekämpfung und hält folgende Punkte fest:
– Notwendigkeit der mechanischen Unkrautbekämpfung des Auswuchsgetreides im Vorfeld,
– Problematische Wurzelunkräuter (Quecke, Distel, Winde, …) in der Fruchtfolge bekämpfen,
– Frühe Saat für ausreichende Entwicklung (Bodenbedeckung) der Untersaat im Herbst,
– Anständige Entwicklung der Untersaat vor Winter garantiert ein sicheres Abfrieren im Winter,
– Forschungsbedarf zur Definition optimaler Untersaatmischungen…
Kann die Untersaat anständig etabliert werden, so sieht Alexandra Schröder viele Vorteile dieser Kulturtechnik und dies vor allem in den Bereichen Herbizidreduktion, Erosionsminimierung, Schädlingsmanagement (Erdflohbekämpfung, …). Im Gegensatz zu den Belgiern haben die Schweizer in punkto Ertragspotential jedoch keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zum konventionellen Rapsanbau festgestellt.
Bezüglich Unkrautbekämpfung im Raps sucht man in der Schweiz schon lange nach Alternativen. Laut Thomas Steiner (Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern) sind bei der chemischen Unkrautbekämpfung neben dem Metazachlor eine Reihe von Alternativprodukten erfolgreich im praktischen Einsatz. Neben der chemischen Unkrautbekämpfung arbeiten die Schweizer aber auch an alternativen Techniken der mechanischen Unkrautbekämpfung. So bestätigte Thomas Steiner, dass der Striegel am besten im Herbst, ab dem 4-Blatt Stadium der Kulturpflanze einzusetzen ist. Das Blindstriegeln ist dagegen nicht zu empfehlen. Auch die Reihenhacke wird erfolgreich eingesetzt – der optimale Reihenabstand liegt dabei bei 50 cm.
Abschließend hat Landwirt und Berater Bertrand Würthrich aus der Schweiz in einem sehr engagierten Vortrag seine Erfahrungen zum Biorapsanbau geschildert – viele seiner Erkenntnisse gelten sicherlich auch im konventionellen Anbau: Im Biorapsanbau ist nicht die Unkrautbekämpfung das Problem, Herausforderung sind vielmehr die Schädlinge (Erdfloh, Rapsglanzkäfer). Bertrand Würthrich empfiehlt eine Aussaatdichte von 65-75 Körner/m2 bei einem Reihenabstand von 50 cm. Bei Untersaaten ist die Mischung in Abhängigkeit des Ziels korrekt zu wählen:
– Zur Unkrautbekämpfung: GFL von Cetium => seit Jahren erfolgreich in FR und CH im Einsatz.
– Zur Schädlingsbekämpfung, hauptsächlich Erdfloh: es sind noch weitere Erfahrungen notwendig!
Die mechanische Unkrautbekämpfung mit der Reihenhacke ist laut seinen Erfahrungen technisch gut möglich. In der Regel genügen zwei Einsätze im Herbst, evtl. ergänzt durch einen abschließenden Hackgang im Frühjahr. Am besten funktioniert die klassische Gänsescharhacke – die Rollhacke ist vor allem auf steinigen Böden problematisch.
Die Vorträge zur Fachtagung sind in der EFFO-Rubrik der Homepage der Landwirtschaftskammer einzusehen, unter: www.lwk.lu/pflanzenbauberatung/effo-effiziente-fruchtfolgen-und-wasserschutz. Dass ein großer Wissens- und Informationsbedarf in punkto alternativer Anbautechniken im Raps besteht hat die große und diverse Teilnehmerschaft an der EFFO-Fachtagung gezeigt – für das EFFO-Team ist dies eine Bestätigung der geleisteten Arbeit sowie zusätzliche Motivation für die Zukunft.



