Futterleguminosen im Fokus:

Erfolgreicher 5. Leguminosentag in Ettelbrück (1)

Am Freitag, dem 26. Februar, fand in dem großen Festsaal der Ackerbauschule in Ettelbruck der 5. Leguminosentag statt. Dieser wurde auch dieses Jahr wieder vom Institut fir Biologësch Landwirtschaft an Agrarkultur Lëtzebuerg asbl (IBLA) organisiert und stand in diesem Jahr unter dem Motto: Futterleguminosen im Fokus. Die zahlreichen Teilnehmer konnten sich über ein spannendes Programm mit Vorträgen von nationalen und internationalen Rednern freuen.

Stéphanie Zimmer, neue Direktorin des IBLAs, begrüßte die rund 110 Anwesenden und zeigte kurz die Wichtigkeit der Futterleguminosen für Luxemburg auf. Denn in Luxemburg sind 50 % der landwirtschaft-lichen Nutzflächen Ackerland und
50 % Grünland.

Zudem sind 70 % der landwirtschaftlichen Betriebe Milch- und Mutterkuhbetriebe; somit gibt es ein großes Potenzial für den Einsatz von Futterleguminosen in der Rindviehfütterung, um so die Futterautarkie dieser Betriebe zu verbessern.

Danach übergab Stéphanie Zimmer das Wort an Dr. Hanna Heidt, Mitarbeiterin des IBLAs im Bereich Forschung und Entwicklung, welche die Moderation übernahm und durch das Programm führte.

Großes Verbesserungspotenzial bei der Eiweißautarkie

Dorothée Klöcker (Ing. Agr.), Beraterin bei CONVIS mit dem Schwerpunkt auf der Optimierung der Grünlandwirtschaft und Grundfutterproduktion, eröffnete mit dem Vortrag „Futterleguminosenanbau in Luxemburg: Pro und Contra“ die Veranstaltung.

Nach einer kurzen Einführung in das Thema der Leguminosen und deren Anbau und Anwendung in der Geschichte, ging Frau Klöcker detailliert auf die Biologie, Standortansprüche und Nutzung der in Luxemburg am meisten angebauten Futterleguminosen (Weißklee, Rotklee und Luzerne) ein. Der Hauptvorteil des Leguminosenanbaus ist ihre Fähigkeit durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft zu fixieren, demnach sind sie eine wichtige Stickstoffquelle. Durch ihren hohen Rohproteingehalt können Leguminosen auch zu einer erhöhten Eiweißautarkie beisteuern. Bei einem durch den Leguminosenanbau um 3 % verbessertes Grundfutter erhält man ein Einsparungspotenzial von über 7 Tonnen Sojaschrot. Dies fördert nicht nur die Nachhaltigkeit des Betriebes, sondern befriedigt auch so die Nachfrage der Konsumenten. Die Eiweißautarkie lag 2013 bei CONVIS-Betrieben bei 45 % in der Milchviehhaltung und bei 59 % bei der Bullenmast. Demnach ist hier noch Verbesserungspotenzial.

Der Anbau von Futterleguminosen lockert zudem die Fruchtfolge auf und hilft die Greening-Auflagen zu erfüllen, da sie als eigene Kultur zählen und nicht zum Futterbau gezählt werden. Die Futterleguminosen in Reinsaat werden mit einem Faktor von 0.7 als EFA-Flächen anerkannt.

Kleegrasmischungen werden hier nicht angerechnet. Zudem gibt es eine gekoppelte Leguminosenprämie für Futterleguminosen- und Körnerleguminosen-Reinsaaten, sowie für Körnerleguminosen-Gemenge.

Der Futterleguminosenanbau hat jedoch auch einige Schattenseiten: Viele der Leguminosen sind nicht selbstverträglich, zudem ist der Anbau in Reinsaat problematisch wegen des hohen Beikrautdrucks und der Krankheits- und Schädlingsdruck wächst mit wachsender Anbaufläche. Hinzukommt, dass Leguminosen die Silierfähigkeit negativ beeinträchtigen, da der hohe Eiweißgehalt die Säurebildung puffert und der geringe Zuckergehalt das Bakterienwachstum nicht fördert.

Zusammenfassend meinte Frau Klöcker, dass die Leguminosen vielseitig verwendbar sind, jedoch vieles vergessen wurde und wieder neu erforscht oder erlernt werden muss hinsichtlich Anbau und angepassten Arten und Sorten.

Bis zu 10% Mehr-Ertrag durch den Einsatz von empfohlenen Sorten

Dann berichtete Marc Weyland (Ing. Agr., MSc.), Leiter der Abteilung Pflanzenbau bei der Administration des Services Techniques de l’Agriculture (ASTA), über die Ergebnisse der Futterleguminosensortenversuche (in Reinsaat und in Kleegrasmischungen) aus Luxemburg, für welche seine Abteilung verantwortlich ist. Basierend auf diesen Versuchen werden Sortenempfehlungen herausgegeben und Qualitätsmischungen für Grünland und Feldfutterbau zusammengestellt, die mit den orangen Etiketten gekennzeichnet werden.

Allgemein kann zu den Resultaten dieser Sortenversuche gesagt werden, dass zwischen den empfohlenen und nicht empfohlenen Sorten Ertragsunterschiede von bis zu 10 % liegen. Demnach lohnt es sich auf die empfohlenen Sorten zurückzugreifen. Vor allem da nicht nur Ertrag und Qualität bonitiert werden, sondern auch Faktoren wie z.B. Ausdauer und Winterhärte.

Beim Weißklee wird auch noch die Konkurrenzkraft beim Anbau im Gemenge bonitiert, demnach wird hier auch dem Zusammenspiel der Arten und Sorten Rechnung getragen. In den Versuchen schneiden die Kleegras- und Luzernegrasmischungen der ASTA gut ab, auch im Vergleich zu den reinen Grasmischungen.

Durch den Leguminosenanteil liegt man bei der Ertragsleistung auf gleicher Höhe mit den reinen Grasmischungen, jedoch bei einem höherem Proteinanteil und weniger Düngung. Demnach kann durch den Anbau von Leguminosen-Grasmischungen mit der orangen Etikette als Qualitätsbescheinigung nicht nur der Ertrag gegenüber dem Anbau von nicht empfohlenen Sorten und Mischungen gesteigert werden, sondern durch den Leguminosenanteil der Mischung auch den Düngerbedarf und somit Geld eingespart werden.

Große Herausforderungen im Grünland durch Frühjahrstrockenheit und hohem Mäusebefall

Anschließend sprach Rudolf Leifert, staatlich geprüfter Landwirt und seit 2015 landwirtschaftlicher Berater beim IBLA, über die Futterleguminosen in der Milchviehfütterung. Herr Leifert stellte die Wichtigkeit der Leguminosen in der biologischen Landwirtschaft dar.

Denn ohne die Leguminosen wäre diese Art der Bewirtschaftung undenkbar, da die Leguminosen die Stickstoffversorgung des Betriebskreislaufes, die Verbesserung der Bodenstruktur und die Grundfutterversorgung gewährleisten. Jedoch steht der Leguminosenanbau durch die immer öfter auftretenden und länger anhaltenden Frühjahrs- und Frühsommertrockenheitsperioden vor großen Herausforderungen. Hinzu kommt der scheinbar dadurch bedingte erhöhte Mäusebefall, welcher zu enormen Verlusten in den Beständen führen kann.

Demnach ist es wichtig bei der Zusammensetzung der Mischungen auf trockenresistente Arten zurückzugreifen und wenn nötig durch Nachsaaten zu korrigieren. Hier spielen vor allem tiefwurzelnde und ausläufertreibende Gräser- und Leguminosenarten eine Rolle. Marc Weyland hatte auch schon in dieser Hinsicht auf das Potenzial von Luzerne, welche Wurzeln bis zu 3m Tiefe bildet, hingewiesen. Durch tiefreichende Wurzeln wird nicht nur die Bodenstruktur verbessert, sondern die Pflanze kann auch in Trockenperioden auf tiefliegende Wasserreserven zurückgreifen und somit diese Trockenperioden überstehen.

Bei der Futterrationsgestaltung ist nicht nur der Ausgleich von Eiweiß und Energie sondern auch die Vielfältigkeit der Futterzusammensetzung wichtig. Je vielfältiger die Zusammensetzung der Futtermittel, je vielfältiger die Bakterienzusammensetzung im Pansen, was zu einer verbesserten Tiergesundheit bei den Rindern beisteuert.

Forsetzung folgt!

Evelyne Stoll, IBLA