Stallbau aktuell:
Limousin-Treff und Generalversammlung des ELBL 2016
Vor Kurzem fanden der traditionelle Limousin-Treff und die Generalversammlung der luxemburgischen Limousin-Züchter-Vereinigung (ELBL) statt. Wie üblich, wurde die Veranstaltung wieder auf einem der Mitgliedsbetriebe durchgeführt. In diesem Jahr konnte Präsident Marc Wagner die zahlreichen Gäste auf seinem eigenen Betrieb in Niederfeulen begrüßen.
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| Präsident des ELBL und diesjähriger Gastgeber Marc Wagner bei der Vorstellung seines Betriebes. | Der Direktor der Veterinärinspektion Dr. Felix Wildschutz, bei seinen Ausführungen zum IBR-Sanierungsprogramm. |
Marc Wagner nutze in seiner Begrüßungsansprache die Gelegenheit um auf aktuelle Probleme der luxemburgischen Fleischviehhalter hinzuweisen. Dazu zählte Wagner die aktuelle Glyphosat –Diskussion, aber auch, dass die Landwirtschaft im Moment generell in den Medien in einem schlechten Licht steht. Genauso problematisch wären, so Wagner, die zahlreichen Qualitätsprogramme für Fleisch in Luxemburg. Er fragte sich, ob der Verbraucher bei der Vielzahl von Programmen, überhaupt noch weiß, welches Label für was stehe.
Dem Sekretär Guy Majerus war es dann überlassen einen umfassenden Rückblick auf das vergangene Jahr zu geben. Auch 2015 warb die ELBL mit zahlreichen Veranstaltungen erfolgreich für luxemburgische Limousin Rinder. Die jährliche Jungviehausstellung, die auch 2015 wieder viel Zuspruch erfahren konnte, ist dabei ein besonderes Highlight.
2015 nahmen die luxemburgischen Limousinzüchter auch wieder auf einigen Veranstaltungen im Ausland teil. So waren luxemburgische Limousin-Rinder auf den internationalen Grünlandtagen in St. Wendel (D) und bei verschiedenen Schauen in Frankreich vertreten.
Die Foire Agricole in Ettelbrück 2015 war für die ELBL eine besondere Veranstaltung. Im Verkauf wurden dabei gute Preise für die angebotenen Tier erzielt. Der jährliche „Concours international du meilleur jeune présentateur d’animaux de race limousine“ fand wieder große Beachtung und viele Jungzüchter zeigten ihr Können im Ring.
Neben diesen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen leistet die ELBL aber auch hinter den Kulissen viel um für Rindfleisch aus heimischer Produktion zu werben.
Als Beispiel sei hier die maßgebliche Mitarbeit bei der Gestaltung des neuen Labels „junior Beef“ angeführt. Aber auch durch die Arbeit im Komitee der CONVIS oder die zahlreichen Beratungen mit Vertretern der Politik, wird versucht die Arbeit der Limousin-Züchter zu unterstützen. Leider, so bedauerte Guy Majerus, war es jedoch nicht möglich durchzusetzten, dass im neuen Agrargesetz ein spezielles Förderprogramm für Fleischrassen enthalten sein wird.
Als letzter Teil der offiziellen Generalversammlung stand dann die Nachwahl eines Komitee- Mitgliedes an. Roger Hahn schied nach langjähriger Mitarbeit aus dem ELBL-Komitee aus. Seinen Platz übernimmt Pierre Diderrich aus Niederglabach, der zuvor im Aufsichtsrat war. Er wird im Aufsichtsrat von Alain Majerus ersetzt.
Im Anschluss an den offiziellen Teil der ELBL-Generalversammlung gab es im Rahmen des Limousin – Treffs einige interessante Informationen zu aktuellen Themen.
IBR-Sanierungsprogramm startet
Dr. Felix Wildschutz aus der Veterinärinspektion informierte über das anstehende IBR (Infektiöse Bovine Rhinotracheitis) –Sanierungsprogramm. Da die Nachbarn Luxemburgs bereits solche Programme durchführen, wird nun auch Luxemburg von dieser Möglichkeit des EU-Rechts Gebrauch machen. Ziel ist es, dass Luxemburg einen IBR freien Status erlangt und damit der Handel mit den Nachbarländern erleichtert wird.
In einer ersten Phase finden eine verpflichtende Blutuntersuchung aller Tiere und eine Impfung gegen IBR statt. Dabei müssen alle Betriebe mitmachen. Der Staat wird die Blutproben, das Nehmen der Blutproben, die Analysen und dem Impfstoff bezahlen. Der Landwirt wird lediglich das eigentliche Impfen selber bezahlen müssen. Am Ende dieser Stufe kann verlangt werden, dass alle importierten Tiere IBR-frei sind. Diese Phase wird ca. 1-2 Jahre dauern.
Ziel der 2. Stufe ist es eine vollständige IBR-Freiheit zu erlangen, dafür dürfen keine IBR-positive Tiere (auch keine geimpften) mehr vorhanden sein. Dies wird wesentlich aufwändiger sein und voraussichtlich rund 10 Jahre dauern. Ist dies erreicht, ist auch der Export von Tieren frei.
Die caisse d'assurance des animaux de boucherie
Im Anschluss an Dr. Wildschutz stellte Roger Barthelmy die „caisse d'assurance des animaux de boucherie“ vor. Diese springt gegenwärtig ein, wenn ein Schlachtkörper als genussuntauglich deklariert wird. In diesem Fall wird der Wert des Schlachtkörpers ersetzt. Da sich in den letzten Jahren die Fälle der Genussuntauglichkeit durch einen zu hohen Fleisch-PH Wert häuften, wird im Zeitraum vom 15. Mai bis zum 15. Dezember nun probeweise die Erstattung für genussuntaugliches Fleisch aufgrund eines zu hohen PH-Wertes ausgesetzt. Dadurch wird es dann notwendig, den entstandenen Schaden zwischen dem Landwirt und dem Viehhändler bzw. dem Schlachthof oder Metzger zu regeln. Herr Barthelmy verwies aber auch darauf, und belegte dies mit eindrucksvollen Graphiken, dass es durchaus möglich ist, einen zu hohen PH-Wert im Fleisch zu vermeiden. Die Hauptursache für einen überhöhten Fleisch PH-Wert ist Langzeitstress der Tiere.
Ein neues Label „Junior Beef“
Der letzte Vortrag des Tages wurde von Jérôme Reuter zum Thema „junior Beef“ gehalten. Dieses neue Label soll die Vermarktung ganzer Kälber an Kantinen und Großküchen fördern. Dabei muss immer ein ganzes Tier abgenommen werden. Das jedoch verschnitten und vakuumiert geliefert wird.
Die Voraussetzungen um das Label „ Junior Beef“ zu erhalten sind, dass das Tier maximal 10 Monate alt ist und das Fleisch eine deutliche rosa Färbung hat. Die Schlachtkörper haben ein Gewicht zwischen 160 und 240 kg. Das Kalb muss bis zur Schlachtung bei der Mutter gehalten werden und ausschließlich von Mutterkühen stammen. Die letzten 3 Monate vor der Schlachtung sollen die Tier im Stall gehalten werden.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurden die Limousin-Tiere des Betriebs von Marc Wagner besichtigt. Der Betrieb Wagner hält gegenwärtig ca. 140 Mutterkühe. Insgesamt sind ca. 400 Tiere auf dem Betrieb. Daneben werden rund 200 ha bewirtschaftet davon ca. 90 ha Ackerbau der Rest ist Grünland.
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| Alljährlich finden sich viele interessierte Züchter und Freunde der Limousin- Rinder zur informativen Generalversammlung der ELBL ein. |
| Im Anschluss an die Generalversammlung wurde die Limousin-Herde des Betriebs Wagner besichtigt. |


