FILL-Generalversammlung 2016

zum Thema Agrarumwelt- und Klimaprogramme

Die Generalversammlung 2016 der FILL (Förderverein Integrierte Landbewirtschaftung Luxemburg) stand ganz im Zeichen von Umwelt- und Klimaschutz, mit der Vorstellung der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen im Rahmen des neuen Agrargesetzes.

Das neue Agrargesetz hat am vergangenen 12. Mai grünes Licht vom Parlament bekommen. Das Gesetz ist bekanntlich die Grundlage für die landwirtschaftlichen Zuwendungen der 2. Säule der Agrarpolitik wie Investitions- und Erstinstallierungsbeihilfen sowie die Landschaftspflegeprämie. Darunter fallen auch die Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen, welche per großherzogliche Verordnung definiert werden. Auch wenn noch nicht offiziell veröffentlicht, standen die Programme im Mittelpunkt der Generalversammlung 2016 des Fördervereins Integrierte Landbewirtschaftung Luxemburg (FILL), die am 21. April in der Ackerbauschule in Ettelbrück in Anwesenheit von Landwirtschaftsminister Fernand Etgen stattfand.

FILL-Präsident Nico Kass ging in seiner Ansprache insbesondere auf die Haupttätigkeit der FILL im Jahr 2015 ein, nämlich auf die Ausarbeitung und den Start des Projekts EFFO zur Thematik „Effiziente Fruchtfolgen und Wasserschutz“. Der Präsident unterstrich dabei die Bedeutung ausgewogener Fruchtfolgen als wichtiges Instrument der integrierten Landwirtschaft und als unverzichtbare Voraussetzung für einen langfristig erfolgreichen, gewinnbringenden und ökologisch verantwortungsvollen Anbau. Genau mit diesem Instrument beschäftigt sich das neue FILL-Projekt „Effiziente Fruchtfolgen – ein Lösungsansatz für einen verbesserten Wasserschutz und mehr Biodiversität in der luxemburgischen Landwirtschaft“, das im November 2015 offiziell gestartet wurde. Die FILL reagiere mit diesem wichtigen Projekt auf den Vorfall im Stauseegebiet im Herbst 2014 und die daraufhin nachgewiesenen Verunreinigungen des Grundwassers durch Abbauprodukte, so Nico Kass. Der FILL sei es mit dieser Initiative daran gelegen, auf konstruktive Art und Weise nach Lösungsansätzen zu suchen und einen konkreten Beitrag zu Wasser- und Bodenschutz sowie zum Erhalten und Verstärken der Biodiversität zu leisten. Er bedankte sich bei den Partnern des Projekts, insbesondere den drei Ministerien für Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Forschung, die sich spontan dazu bereit erklärt hatten, de Initiative tatkräftig zu unterstützen.

Im Anschluss an die Begrüßung von Nico Kass ging FILL-Sekretär Marc Fiedler auf die Tätigkeiten des Fördervereins im Laufe des Jahres 2015 ein. Marc Fiedler unterstrich die Bedeutung der FILL als spartenübergreifende, politisch neutrale Organisation im Dienste der integrierten Landwirtschaft. 2015 zählte die FILL 24 Organisationen, Dienststellen und Einzelunternehmen aus Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau.

Der FILL-Sekretär informierte die Generalversammlung über den derzeitigen Stand der einzelnen Projekte. Zweites Steckenpferd der FILL in Sachen Projektarbeit ist, neben dem Projekt „EFFO“, das Projekt „AutoGrassMilk“. Hierbei handelt es sich um ein europäisches FP7-Projekt im Rahmen welches ein Forschungsnetzwerk zwischen den Ländern Irland, Belgien, Frankreich, Niederland, Dänemark, Schweden aufgebaut wurde. Im November 2013 wurde auch Luxemburg kooptiert, kürzlich erlangte Luxemburg die Vollmitgliedschaft. Bei dem Forschungsprojekt geht es darum, die Vereinbarkeit zwischen automatisierter Melktechnik (Melkroboter) und Weidegang in Bezug auf Aspekte wie Fütterungstechnik, Herdenmanagement oder Wirtschaftlichkeit zu überprüfen. Schlüsselelemente diesbezüglich sind etwa die Position des Roboters im Stall, die angelegten Weidewege, welche die Tiere zwischen Roboter und Grünlandparzelle barrierefrei benutzen sollen und die Parzelleneinteilung um eine möglichst effiziente Futteraufnahme zu gewährleisten. In Luxemburg wird das jetzt schon auf vier Pilotbetrieben in Angriff genommen. Das Projekt wird vom Landwirtschaftsministerium unterstützt und ging ab 2016 in seine zweite Phase.

In Bezug auf das Projekt „EFFO“ ging der Sekretär auf die zahlreichen Arbeitssitzungen zwischen FILL und den Projektpartnern ein, im Rahmen deren ein sowohl für Landwirtschaft als auch für Umwelt wertvolles Projekt entstand. Ende August starteten die Arbeiten auf den Versuchsfeldern, die von der Landwirtschaftskammer, dem LIST und dem Lycée technique agricole ausgeführt werden. Durch den Versuchsanbau werden wichtige Erkenntnisse zu alternativen Anbautechniken im Raps, sprich ohne Metazachlor, erwartet, bzw. auch zu substituierenden Kulturen wie Öllein oder Leindotter, deren Rolle in einer Fruchtfolge und natürlich auch zu den Absatzmöglichkeiten.

Nach dem Finanzbericht des Kassenwarts Léon Wietor sprach Pascal Pelt von der ASTA zu den Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen im Rahmen des neuen Agrargesetzes. In einem Rückblick erklärte Pascal Pelt den Ursprung der Programme, die als eine Reaktion der Überproduktion der 1980er Jahre verstanden werden können. Ein anderes Element aber waren auch die Verhandlungen zur Liberalisierung der Agrarmärkte im Rahmen der Uruguay-Runde des GATT (General Agreement on Tariffs and Trade), der Vorläufereinrichtung der Welthandelsorganisation. Der irische Agrarkommissar Ray MacSharry setzte 1992 eine wegweisende Reform der europäischen Agrarpolitik durch, die einen ersten Schritt weg von einer einkommensorientierten Preispolitik hin zu einer am Markt orientierten Agrarpolitik darstellen sollte. Neben der Kürzung der Interventionspreise, der Einführung von flächengebundenen Preisausgleichszahlungen und der obligatorischen Flächenstilllegung wurde die Förderung umweltgerechter Produktionsverfahren zur einer flankierenden Maßnahme, die in der Agenda 2000 ausgebaut wurde und sich bis heute behauptet hat.

Da die Programme nach der Verabschiedung des Agrargesetzes bei weiteren öffentlichen Versammlungen vorgestellt werden, konzentrierte sich Pascal Pelt bei der FILL-Generalversammlung insbesondere auf die Neuerungen. Neu ist beispielsweise das Programm zur Förderung des Weidegangs von Milchkühen. Dabei gibt es zwei Varianten: Variante 1 wenn keine Mahd vor dem 15. Juli, Mulchen erst ab dem 15. Mai getätigt wird, Variante 2 wenn nicht vor dem 30. August gemäht und nicht vor dem 15. Mai gemulcht wird. Variante 1 wird mit 250 Euro je Hektar, Variante 2 mit 300 Euro je Hektar entschädigt. Bei Dauerweideland kann die Prämie um 50 Euro/ha erhöht werden. Mulchen ist nach dem jeweiligen Mahdtermin möglich. Auf der förderfähigen Fläche muss ein Hektar für 7 GVE zur Verfügung stehen. Die Anzahl wird durch die durchschnittliche jährliche Milchleistungsprüfung bestimmt. Das Programm gilt nur für Milchkühe in der Laktation und trockenstehende Milchkühe, welche einer offiziellen Milchleistungsprüfung unterzogen werden. Die Entfernung zwischen Melkstall und Weide darf 1.000 Meter nicht überschreiten.

 Der Zugang zur Weide muss permanent gewährleistet sein. Der Weidegang ist demnach vom 1. Mai bis zum 15. November spätestens verpflichtend. Anschließend an das Referat von Pascal Pelt sprach Claude Hermes vom SER über Aspekte zur Wirtschaftlichkeit und rief die anwesenden Landwirte dazu auf, an den angebotenen Programmen teilzunehmen und ihren Betrieb einer Analyse zwecks Optimierung zu unterziehen. Nach der Vorstellung des Projekts durch Guy Steichen bedankte sich Landwirtschaftsminister Fernand Etgen bei der FILL für deren Einsatz für eine nachhaltige Landwirtschaft. Er sicherte der FILL die Unterstützung seines Ministeriums sowohl im Hinblick auf das Projekt „AutoGrassMilk“ als auch auf das Projekt „EFFO“ weiterhin zu. Das Schlusswort sprach der FILL-Vizepräsident Henri Kohnen, der die Anwesenden im Namen des LTA zum Ehrenwein einlud. 

 Marc Fiedler, SER