Durum (Hartweizen) auf seinem Weg nach Norden
Der Durumanbau war lange Zeit einen Domäne der Mittelmeerländer und Nordamerikas mit dem Anbau von Sommertypen. Der Anbau von Sommerdurum unter den hiesigen klimatischen Bedingungen brachte, abhängig von den Witterungsbedingungen, stark schwankende Erträge und Qualitäten. So wurde die
Ausweitung des Anbaus verhindert. Durch jahrzehntelange intensive Züchtungsarbeit ist es gelungen sowohl Winter- als auch Sommerdurumsorten zu züchten, die einen wirtschaftlichen Anbau auch bei uns ermöglichen. Der Trend zu einem steigenden Verzehr von Nudelgerichten sowie der Wunsch der Verbraucher nach „heimischen“ Produkten sorgt für ein zunehmendes Interesse der Mühlen Durum aus lokalem Anbau zu kaufen und weniger abhängig vom Import zu werden. Die derzeitige Preisdifferenz zwischen Konsumweizen und qualitativ hochwertigem Durumweizen weckt auch das Interesse der Landwirte am Durumanbau, zumal es immer schwieriger wird, Kulturarten zu finden, bei denen eine ausreichende Rentabilität möglich ist.
Hartweizen (Triticum durum DESF.), meistens kurz als Durum bezeichnet, ist eine mit dem gewöhnlichen Saatweizen (Triticum aestivum L.) verwandte, aber eigenständige Weizenart. Er ist seit der Antike bekannt. Seine traditionellen Anbaugebiete liegen in Südeuropa, Nordafrika und Kanada. Hier werden ausschließlich Sommertypen angebaut, wobei im Mittelmeerraum die Aussaat im Herbst erfolgt um die Winterfeuchtigkeit besser zu nutzen. Diese Durumtypen erwiesen sich aber nicht „winterhart“ genug um unter unseren Bedingungen bei Herbstaussaat zu überwintern. Der alternative Anbau von Sommertypen im Frühjahr führt oft zu Schwierigkeiten bei der Etablierung der Kultur, insbesondere bei ausgeprägter Frühjahrstrockenheit und zeigt im Vergleich zum Winteranbau deutliche Ertragsnachteile mit starken Schwankungen zwischen den Jahren, was einer Ausdehnung des Anbaus im Wege stand.
Züchtungserfolge
Bei der Durumzüchtung muss neben der Ertragsstabiltät, den agronomischen Parametern (Lagerneigung; Krankheitstoleranz; etc.) sowie den allgemeinen Qualitätsanforderungen (Fallzahl; TKG; Hektolitergewicht; kein Pilzbefall insbesondere Fusarium) die vergleichbar mit der Weichweizenzüchtung sind, besonderes Augenmerk auf Durumspezifische Qualitätsparameter (Glasigkeit; Proteingehalt; Farbwert) gelegt werden. Für die Züchtung von Sommerdurum steht eine breite genetische Basis, bei der spezifische Qualitätsparameter besonders stark ausgeprägt sind, zur Verfügung. Bei der Züchtung neuer Winterdurumsorten, mit einem noch sehr begrenzten Genpool, muss für Qualitätsverbesserungen meist auf Sommerdurumtypen als Kreuzungspartner zurückgegriffen werden.
In jahrelanger systematischer Kreuzungs- und Selektionsarbeit ist es der Südwestdeutschen Saatzucht gelungen, Winterdurumtypen zu entwickeln, die eine ausreichende Winterhärte, vergleichbar Winterweizen, kombiniert mit Qualitätseigenschaften von Sommerdurum und einem Ertragsniveau das auf dem Niveau von Eliteweizen liegt zu entwickeln. Die Kombination dieser Sorteneigenschaften macht einen wirtschaftlich interessanten Durumanbau auf geeigneten Standorten auch in West-, Mittel- und Osteuropa möglich.
Qualitätsanforderung
Für einen rentablen Anbau, muss stärker als bei den meisten anderen Getreidearten, das Ertragspotential im Zusammenhang mit der Qualität gesehen werden. Werden die von den Mühlen geforderten Kriterien nicht erfüllt muss mit Abschlägen gerechnet werden. Durum fehlt eine zweite Vermarktungssäule im Futtermittelsektor.
Das herausragende Qualitätsmerkmal beim Durum ist die Glasigkeit des Kornes. Die Körner sollen beim Aufschneiden glasig erscheinen. Aber auch an die Merkmale wie Dunkelfleckigkeit, Farbwert, Fallzahl, Hektolitergewicht und Rohproteingehalt werden hohe Anforderungen gestellt.
Die Sorte hat einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität. Deshalb kommt der Sortenwahl eine besondere Bedeutung für einen erfolgreichen Durumanbau zu. Bestimmte ackerbauliche Maßnahmen und der richtige Erntetermin helfen die geforderten Qualitätseigenschaften zu erreichen.
Durum lässt sich nur als Qualitätsprodukt erfolgreich vermarkten und nicht als "Masseweizen". Darum gilt für alle Maßnahmen einschließlich der Sortenwahl: QUALITÄT vor ERTRAG.
Sortenwahl
Während bei Mais und Weichweizen eine Vielzahl von Sorten im Anbau vertreten sind und das Sortenkarussel sich sehr schnell dreht dominieren im Durumanbau nur wenige Sorten, und das meist über Jahre, den Markt. Dies dürfte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass viele der spezifischen Qualitätsparameter sehr stark durch die richtige Sortenwahl beeinflusst werden und der Landwirt keine Experimente durch zu häufigen Sortenwechsel eingehen möchte.
Bei Sommerdurum sind MIRADOUX und DURAMONTE (Südwestdeutsche Saatzucht), die vorherrschenden Sorten.
Bei Winterdurum ist seit der Markteinführung WINTERGOLD, ebenfalls eine Züchtung der Südwestdeutschen Saatzucht, die dominierende Sorte und maßgeblich für die Ausdehnung des Anbaus in Deutschland verantwortlich. WINTERGOLD vereint in idealer Weise eine gute Winterfestigkeit sowie ein auf dem Niveau von Elite-Weizen vergleichbarem Ertragsniveau mit den wichtigsten spezifischen Qualitätseigenschaften (Glasigkeit; Gelbpigmentgehalt) für Durum.
Pflanzenbauliche Hinweise
Um das Ertrags- und Qualitätspotential dieser Sorten aber voll zu nutzen, sind im Vergleich zu Winterweizen bestimmte ackerbauliche Maßnahmen besonders zu beachten.
Bodenansprüche: Mittlere bis gute Bodenbonität vergleichbar Winterweizen, am besten geeignet sind zuckerrübenfähige Böden. Er gedeiht am besten auf humosen, gut gepufferten, tiefgründigen und nährstoffreichen Böden, die sich zudem in gutem Kulturzustand befinden müssen.
Klimaansprüche: Sommerwarme und sommertrockene Standorte sind am besten geeignet. Dies sind Lagen, in denen Weinbau oder zumindest Körnermaisanbau erfolgreich betrieben werden kann. Aufgrund der spezifischen Anforderungen in den Kornqualitätsmerkmalen Glasigkeit und Dunkelfleckigkeit sind trockenes Vorernte- und Erntewetter erforderlich. Nicht geeignet sind Lagen mit starker Taubildung und geringer Luftbewegung.
Fruchtfolge: Durum sollte nicht nach Getreide oder Mais angebaut werden da dies die Gefahr der Infektion mit Ährenfusarium erhöht. Aussaaten nach Körnerleguminosen, Öl- oder Hackfrüchten bringen die höchsten Erträge. Ist Getreide in der Fruchtfolge gilt ein besonderes Augenmerk der Bekämpfung von Ausfallgetreide.
Saatgut: Qualitativ hochwertiges, gebeiztes Saatgut ist die Grundlage für die Entwicklung eines gesunden und leistungsfähigen Pflanzenbestandes. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist die Verwendung zertifizierten Saatgutes mit definierten Qualitätseigenschaften dem eigenen Nachbau vorzuziehen.
Saatzeitpunkt: Bei Winterdurum hat sich die Aussaat in der ersten Oktoberhälfte, etwa 2 Wochen nach Winterweizen, als optimal erwiesen. Frühsaaten, aber auch zu späte Saat, sollten deshalb vermieden werden. Sommerdurum sollte im Frühjahr so früh wie möglich gesät werden. Die Aussaat kann erfolgen, sobald es die Bodenbedingungen zulassen. Frühe Saaten haben ein höheres Ertragspotential. Aussaatstärke: Die optimale Saatstärke in Herbst- wie in Frühjahrsaussaat liegt im Bereich von 350 bis 400 keimfähigen Körnern/m². Eine Erhöhung der Saatstärke bei verspäteten Saatterminen bringt keine ertraglichen Vorteile und ist deshalb wirtschaftlich nicht gerechtfertigt.
Düngung: Die Düngung muss grundsätzlich nach den Kriterien der guten fachlichen Praxis und unter Beachtung der Vorgaben der Düngeverordnung erfolgen. Bei einem Ertragsniveau von 60 dt/ha sind für einen Rohproteingehalt von 14,5% bei einem Nmin-Gehalt im Boden von 90 kg/ha N (0-90 cm) in der Summe aller drei Gaben mindestens 140 kg/ha N auszubringen. Hinsichtlich der N-Düngerform gelten für Durum die gleichen Erkenntnisse und Regeln wie für die anderen Getreidearten auch. Auf die Anwendung von Flüssigdüngern (AHL) scheint Durum allerdings empfindlicher zu reagieren als andere Getreidearten, so dass bei der AHL-Anwendung zu noch größerer Vorsicht geraten werden muss.
Pflanzenschutz: Durumweizen reagiert aufgrund seines geringer Bestockungspotentials und seines geringen Kompensationsvermögens empfindlich auf Unkrautkonkurrenz und Krankheitsbefall. Eine frühzeitige Unkrautbekämpfung ist deshalb ratsam. Auch Maßnahmen die die Standfestigkeit erhöhen, wie Wachstumsregulierung und Schutz gegen Halmbruchkrankheiten, haben sich bewährt. Auf jeden Fall sollte eine Fungizid-Maßnahme während der Blüte gegen Ährenfusarium fest eingeplant werden. Die Bekämpfung von Blattkrankheiten und der Schutz vor Schadinsekten sind wie bei Weichweizen zu handhaben.
Bei allen Maßnahmen des Pflanzenschutzes sind die gesetzlichen Regelungen zu befolgen.
Ernte und Lagerung:
Der rechtzeitige Erntetermin ist entscheidend für die Qualität. Deshalb kommt der Schlagkraft bei der Ernte eine sehr hohe Bedeutung zu. Als Faustzahl gilt: Fläche so wählen, dass eine Beerntung, auch unter ungüns-tigen Bedingungen, in 2 Tagen möglich ist. Eine Vermischung mit Weizen oder anderem Getreide ist unter allen Umständen zu vermeiden da dies zu Abzügen bei der Mühle führen kann. Eine gründliche Reinigung des Mähdreschers, der Transportfahrzeuge sowie der Lagerräume vor Beginn der Durumernte zahlt sich aus. Wird das Erntegut nicht unmittelbar nach der Ernte beim Händler oder der Mühle abgeliefert ist eine Kaltbelüftung zur Stabilisierung der Qualität angebracht.
| Herr Karl-Ludwig Nau von der Südwestdeutschen Saatzucht während seinem Vortrag über den möglichen Anbau von Durum (Hartweizen) in Luxemburg im Restaurant Brailaeffel, Kleinbettingen. |
| Der Saatgutexperte Karl-Ludwig Nau mit den verantwortlichen Organisatoren der Veranstaltung. |
| Die interessierten Zuhörer. |


