Libramont 2016

Trotz der schwierigen Lage des Agrarsektors war Libramont eine erfolgreiche Veranstaltung

Die Landwirtschafts-, Forstwirtschafts- und Nahrungsmittelmesse von Libramont ist eine riesige Freiluftausstellung die alljährlich mehr als zweihunderttausend  Besucher, achthundert Aussteller und fünftausend Marken auf einer Fläche von 300.000 m² willkommen heißt. Es ist eine außergewöhnliche Präsentation ländlichen Lebens mit seinen zahlreichen Aspekten: Maschinen, Viehzucht, Wald, Nahrungsmittel, Gartenbau, aber auch Forschung, Bildung und Kultur.

Ihre nachhaltige Führung macht sie zu einer „grünen“ Messe. Recycling, Begrünung des Geländes und erneuerbare Energien sind zentrale Anliegen. Diese Ansätze machen sie zu einer Veranstaltung, die in Europa ihres Gleichen sucht. Die Luxemburger Bäuerinnen und Bauern sind in Libramont immer gern gesehene Gäste. Für sie sind die Stände der ALCOVIT-Partnerfirmen, vor allem NUTRILOR und DUMOULIN-INTERAGRI, beliebte Treffpunkte. Unsere drei Redakteure haben festgestellt, dass auf dem Ausstellungsgelände viel Lëtzebuergesch gesprochen wurde.

Europa: Die wirtschaftliche Lage der Bauern hat sich verschlechtert

Die Agrarmesse von Libramont richtet sich nicht nur an die belgischen Bauern. Sie bietet ein Bild der europäischen Landwirtschaft. Und da können die Probleme nicht wegdiskutiert werden. Die Hauptgründe sind bekannt: neben dem Russland-Embargo, das zu Einbußen in Milliardenhöhe für die EU-Landwirtschaft führt, gibt es die Konjunkturschwächen in nachfragestarken asiatischen Ländern sowie gut versorgte internationale Märkte.

Der Erlös- und Einkommenseinbruch betrifft fast alle Betriebszweige und Regionen. Besonders die Milchbauern, die Ferkelerzeuger und die Schweinemäster haben im vergangenen Wirtschaftsjahr einen massiven und derzeit noch anhaltenden Erlös- und Einkommenseinbruch erlebt. Derzeit tragen fast ausschließlich die europäischen  Landwirte die Folgen schwankender und niedriger Agrarpreise. Der Abstand zwischen Er-
zeuger- und Verbraucherpreisen hat sich bei vielen Produkten deutlich vergrößert. Der Lebensmitteleinzelhandel und die Ernährungsindustrie können zu Niedrigpreisen einkaufen und das geht zu Lasten der Bauern.  

Deshalb hatten die  Verantwortlichen der Ausstellung schon im Vorfeld der Veranstaltung eine Unterstützungsaktion gestartet, die von Managerin Natacha PERAT koordiniert und über das Internet verbreitet worden ist. Trotzdem gab es Demos von empörten Milchbauern, die schon am Eröffnungstag die Zufahrtsstraßen des Ausstellungsgeländes teilweise blockierten. Auch das ALCOVIT-Redaktionsteam war davon betroffen.

Teures Ackerland

Derzeit kommt in der Wallonie ein anderes Problem hinzu. Das Ackerland wird unerschwinglich. In den fruchtbarsten Gebieten werden 30.000, 40.000 oder sogar 50.000 Euro pro Hektar verlangt. Das vereinfacht natürlich nicht den Einstieg der Jungbauern. Auch die Pacht steigt Jahr um Jahr.  Eine im Jahre 2014 von der europäischen Kommission durchgeführte Umfrage zeigt das internationale Ausmaß des Problems. Etwa 60% der europäischen Jungbauern bezeichnen den Mangel an Land als Hauptproblem. In Belgien liegt der Prozentsatz noch höher: 80% bedauern, dass es kaum kaufbares oder pachtbares Ackerland gibt.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist noch stärker gesunken, und zwar von 113.883 Betrieben im Jahre 1980 auf 36.913 im Jahre 2015, also ein Minus von 67%. Logischerweise sind die überlebenden Betriebe größer geworden.

Modernste Technik in der Landwirtschaft

In den letzten Jahren hat neueste Technik und Informationsverarbeitung auch bei Landmaschinen Einzug gehalten. So verfügen moderne Traktoren, Dünge-, Saat- und Erntemaschinen zum Zwecke der zielgerichteten Ausbringung der Mengen bereits über satellitengesteuerte Navigations- und Kartierungssysteme und einen hohen Automatisierungsgrad. Im Zuge des Strukturwandels werden die zu bewirtschaftenden Flächen pro Betrieb größer und die eingesetzten Maschinen entsprechend leistungsfähiger.

Libramont als Volksfest

Wie immer war für das leibliche Wohl bestens gesorgt und dies in allen Preislagen. Im Herzen des Geländes war die Ardenne Joyeuse (2000 m²) das Forum der Produzenten regionaler und hochwertiger Nahrungsmittel. Über zweihundert regionale Produkte aus zwanzig Produktkategorien haben am Wettstreit des "Kris-tallhahnes" teilgenommen, wo es um den besten Geschmack und die beste Aufmachung geht.

Die Spielplätze zeigten, dass man auch die Kleinen nicht vergessen hatte. Übrigens zieht die Ausstellung von Libramont immer mehr Kinder und Jugendliche an, nicht nur Söhne und Töchter aus Bauernfamilien, sondern auch Stadtkinder, die sich dort mit dem Landleben vertraut machen. Angesichts der Vielfalt des Publikums war der diesjährige Schwerpunkt sehr gut gewählt: „Stoppt die Verschwendung von Nahrungsmitteln!“ Wer bedenkt, dass 30% der weltweit produzierten Nahrungsmittel nie konsumiert werden, zweifelt nicht am Sinn dieser Losung.

Die europäische Landwirtschaft hat in den letzten Jahren zweifellos die Talsohle erreicht. Jetzt muss es wieder aufwärts gehen. Wie der wallonische Landwirtschaftsminister René Collin zu Recht betonte, ist die Regulierung der Märkte der einzige Weg, um den Agrarproduzenten faire Preise zu garantieren. Anlässlich der Ausstellung von Libramont hat der föderale Landwirtschaftsminister, Willy Borsus, neue Maßnahmen zur Unterstützung der Bauern, die Probleme haben, genehmigt. Es handelt sich um Subventionen von knapp 13 Millionen Euro. Doch die Landwirtschaftsverbände sagen dazu, dass noch viel mehr nötig sei.

Ein interessanter Schnappschuss von Jos Conzémius im Pressestand von Libramont: V.l.n.r: Rudy PETERS
von ALCOVIT mit Jean-François PIERARD (Generalsekretär und Verantwortlicher für den Presseservice);
Natacha PERAT (Managerin) und Olivier SCHMITZ (Provinz-Gouverneur).