Deutschsprachige Weideexperten trafen sich in Luxemburg
Vom 24. bis zum 27. August hat sich die deutschsprachige „Grünlandfamilie“ in Luxemburg getroffen, um die fachlich renommierte Weidetagung sowie die 60. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Grünland und Futterbau (AGGF) auszurichten.
Auf Basis der Grünlandversuche von ASTA und LTA und im Rahmen der Umsetzung diverser Grünlandprojekte (FILL Weed mecht vill Freed, Dairyman, Autograssmilk) hat sich im Kontext der FILL (Fördergemeinschaft integrierte Landbewirtschaftung Luxemburg) über die vergangenen Jahre ein ebenso starkes wie dynamisches luxemburgisches Grünlandteam bestehend aus Vertretern von Landwirtschaftsministerium, Ackerbauschule, CONVIS und IBLA zusammengefunden.
Das hiesige Grünlandteam arbeitet national in Ausbildung, Beratung und Forschung und genießt international Anerkennung für seine Arbeiten, dies auch über die Grenzen von Europa hinaus. Diese Vernetzung ist extrem wichtig, um der rasanten Entwicklung in der Landwirtschaft und speziell im Grünland gerecht zu werden.
Die internationale Tagung des deutschsprachigen Weidevereins wurde nach 2008 nun bereits zum zweiten Mal in Luxemburg ausgerichtet und bot den Wissenschaftler über zwei Tage ein abwechslungsreiches Programm aus Betriebsbesichtigungen und Vorträgen.
Besichtigung des Autograssmilk-Pilotbetriebs Thiry
Das Thema der Weidetagung „Innovative Weidetechnik und Weidestrategien“ zeigt, dass die Weide nach wie vor eine konkurrenzfähige Haltungsform für die Wiederkäuerhaltung ist, die sich den aktuellen Herausforderungen wie größeren Herden, automatisierten Melksystemen und auch den rezent immer größeren Preisschwankungen der landwirtschaftlichen Märkte erfolgreich stellt. Vor diesem Hintergrund führte die einführende Exkursion der Weidetagung auf den Autograssmilk-Pilotbetrieb Thiry nach Schouweiler.
Der Gemischtbetrieb (Milchproduktion, Bullenmast, Ackerbau, Molkerei) setzt seit vielen Jahren auf das automatisierte Melken in Kombination mit der Weidehaltung. Den Tagungsteilnehmern konnte hier auf praktische Weise die Vielfältigkeit eines erfolgreichen Weidemanagements gezeigt werden: Erweist sich die Kurzrasenweide auf Betrieben mit konventioneller Melkanlage als besonders arbeits- und flächeneffizient, so sollte auf Betrieben mit automatisierten Melksystemen der Kuhverkehr durch das mehrmals tägliche Anbieten von kleinen Parzellen (3x 8 Stunden oder 2x 12 Stunden) mit hochwertigem und frischem Weidegras angeregt werden.
Auf dem Betrieb Thiry wird dies unter Anleitung des hiesigen Grünlandteams durch die Kombination von Weideselektionstor, Weidewegen und dem sogenannten ABC-System umgesetzt: dabei wird den Kühen zweimal täglich frisches Weidegras angeboten (Block A+B) – aufgrund limitierter Weideflächen erfolgt eine zusätzliche Fütterung mit Maissilage im Stall (Block C). Wir haben dieses System bereits mehrfach thematisiert (vergleiche dazu auch: www.grengland.lu) – im deutschsprachigen Raum dagegen ist dieses innovative System noch weitgehend unbekannt. Abgeschlossen wurde die Exkursion mit einer Besichtigung der hofeigenen Molkerei und Verköstigung der hergestellten Milchprodukte.
Weidegang mit hochkarätigen Vorträgen
Mit den beschriebenen Eindrücken vor Augen begaben sich die Konferenzteilnehmer im Anschluss auf die „Reise“ durch eine Vortragsreihe, welche sämtliche Aspekte modernen Weidemanagements beleuchtete, von der Milch- und Fleischproduktion aus der Weide über Natur- und Umweltschutzaspekte, den Klimawandel bis hin zum Einsatz moderner Informationstechnologien beim Weidemanagement. Wegen derer Praxisrelevanz sowie der direkten Verbindung zu den Weideprojekten hierzulande, seien an dieser Stelle folgende drei Vorträge hervorgehoben.
Vollweide mit Melkroboter in Irland
Christian von Teichmann, Milchproduzent aus Irland berichtete in seinem engagierten Vortrag von der Kombination des Melkroboters mit der ABC-Weide. Die 120 Holstein Milchkühe auf seinem Betrieb haben eine jährliche Milchleistung von 8.000
Liter je Kuh bei Blockabkalbung im Frühjahr und Vollweidehaltung. Die Kühe werden von zwei Melkrobotern gemolken.
Der Betrieb verfügt über eine arrondierte Grünlandfläche von 52 ha, welche in drei Weideblöcke (A, B, C) unterteilt ist. Grundvoraussetzung zur Beweidung sind die Weidewege mit einer Länge von 4 km sowie den entsprechenden Tränken und Weidetoren, welche von Teichmann parallel zum Umstieg auf das Robotermelken realisiert hat. Durch dreimal tägliches Anbieten „der korrekten (präzise berechneten und bemessenen) Menge an gutem Gras“ im ABC-System erreicht er TS-Aufnahmen von 18 kg Gras auf der Weide und schafft die Voraussetzung für hohe Melkfrequenzen.
In der Hauptwachstumsperiode, mäht von Teichmann regelmäßig Parzellen, auf welchen die Kühe anschließend das gemähte frische Gras fressen. Diese Technik („Vormähen“) dient dazu die generative Wachstumsphase (Blüte) zu unterbinden, und anschließend wieder vegetatives (Blatt-) Wachstum zu haben. Auch hier muss die Parzelle präzise berechnet sein um so genau ein drittel der Tagesmenge anzubieten.
Der Betrieb verfügt über eine arrondierte Grünlandfläche von 52 ha, welche in drei Weideblöcke (A, B, C) unterteilt ist. Grundvoraussetzung zur Beweidung sind die Weidewege mit einer Länge von 4 km sowie den entsprechenden Tränken und Weidetoren, welche von Teichmann parallel zum Umstieg auf das Robotermelken realisiert hat.
Durch dreimal tägliches Anbieten „der korrekten (präzise berechneten und bemessenen) Menge an gutem Gras“ im ABC-System erreicht er TS-Aufnahmen von 18 kg Gras auf der Weide und schafft die Voraussetzung für hohe Melkfrequenzen.
In der Hauptwachstumsperiode mäht von Teichmann regelmäßig Parzellen, auf welchen die Kühe anschließend das gemähte frische Gras fressen. Diese Technik („Vormähen“) dient dazu die generative Wachstumsphase (Blüte) zu unterbinden, und anschließend wieder vegetatives (Blatt-) Wachstum zu haben. Auch hier muss die Parzelle präzise berechnet sein um so genau ein Drittel der Tagesmenge anzubieten.
Optimale Weidewege für gesunde Kühe
Auch der Vortrag von Andreas Steinwidder aus Österreich beschäftigte sich mit der Notwendigkeit und der Qualität tiergerechter Weidewege. Optimal für die Tiere sind trockene und weiche Treibwegausführungen. Dadurch wird die Gesundheit der Tiere gewährleistet und es kommt zu weniger Futterverschmutzungen. Um die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Weidewegausführungen miteinander vergleichen zu können haben die Österreicher in Gumpenstein einen „Tierwegschaugarten“ errichtet welcher neun verschiedene Ausführungen gegenüberstellt und somit Wissenschaft, Beratung und Praxis den direkten Vergleich der verschiedenen Wegsysteme erlaubt.
Stall oder Weide?
Gleich mehrere Vorträge drehten sich um den „Systemvergleich Milchproduktion Hohenrain“. Dabei handelt es sich um ein Schweizer Forschungsprojekt um „Beat Reidy“, welches über mehrere Jahre die Milchproduktionssysteme Stall- bzw. Vollweidehaltung sowie das Eingrasen (die Stallration wird je nach Futterangebot auf der Weide mit Wiesenfutter von hoffernen Flächen ergänzt) hinsichtlich produktionstechnischer, ökonomischer und ökologischer Aspekte miteinander vergleicht.
Schon nach den ersten Versuchsjahren wird dabei deutlich, dass die Vollweide bei passenden betrieblichen Rahmenbedingungen eine interessante Betriebsentwicklungsstrategie darstellen kann: das Kosteneinsparungspotential bei Vollweide erlaubt es evt. systembedingte Leistungseinbußen mehr als auszugleichen!
Besichtigung des Biomilchviehbetriebs Jacobs
Nach einem intensiven und lehrreichen ersten Konferenztag startete der Folgetag mit der Besichtigung des Bio-Milchviehbetriebs von Françis Jacobs aus Kalborn. Die Milchviehherde des Betriebes hat eine jährliche Milchleistung von 7.600 kg je Kuh bei saisonaler Abkalbung im Spätherbst. Die Grundfutterleistung liegt über 5.000 kg pro Kuh und Jahr.
Beim Weidemanagement setzt Jacobs auf Halbtagsweide. Wichtige Aspekte dabei sind der zeitige Weidebeginn im Frühjahr sowie die konsequente Praxis der Kurzrasenweide mit Umtrieb auf 4-8 Parzellen je nach Aufwuchs.
Als Biobetrieb versucht Jacobs den Einsatz von Medikamenten möglichst zu reduzieren: so wird beim Trockenstellen durch entsprechendes Management (Stallhygiene) erfolgreich auf Antibiotika verzichtet und auch die Immunisierung der Jungrinder gegen Weideparasiten erfolgt „biologisch“ durch „Infektion“ der Jungtiere auf einer „infizierten“ Kuhweide und anschließender dreiwöchiger Heufütterung im Stall, welche den Infektionsdruck begrenzt und es den Tieren erlaubt eine natürliche Immunität aufzubauen.


