SER-Buchstellentag 2016

Am 28. November 2016 fand im Centre Turelbach in Mertzig der 16. Buchstellentag des Service d’économie rurale in Anwesenheit vom Minister für Landwirtschaft, Weinbau und Verbraucherschutz, Fernand Etgen, statt. Neben der Vorstellung der Buchführungsresultate 2015, und einem Ausblick auf die wirtschaftlichen Aussichten für das Jahr 2016,  stand die Veranstaltung im Zeichen der Arbeitswirtschaft und der Arbeitsorganisation auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Prominenter Referent war Herr Alfons Fübbeker von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit dem Thema „Unsere landwirtschaftlichen Betriebe wachsen – wer aber soll die Arbeit verrichten?“

Nach der Ansprache des SER-Direktors Pierre Treinen stellte SER-Mitarbeiterin Sandra Brücher die Buchführungsresultate 2015 sowie die Prognose für das Wirtschaftsjahr 2016 vor. Die Ergebnisse des Testbetriebsnetzes 2015 basieren auf einer Stichprobe von 450 SER-Buchführungsbetrieben, welche 98% der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaften und 98% des gesamten Standard Output in der luxemburgischen Landwirtschaft erwirtschaften.

2015 war das drittwärmste Jahr seit 1947 und somit gab es auch 31% weniger Regen als im langjährigen Durchschnitt. Der erste Schnitt war durchschnittlich, aber aufgrund der Trockenheit im April und Juli hatte man starke Futtereinbußen zu beklagen. Auch der „Karschnatz“ fiel in Punkto Quantität und Qualität nur durchschnittlich aus. Die Winzer an der Mosel verzeichneten eine gute Lese bei leichtem Ertragsrückgang. Auf agrarpolitischer Ebene wurde das Jahr 2015 durch das Auslaufen der Milchquotenreglung geprägt. Was die Preise anbelangt, so sind die Preise beim Wein relativ konstant, jedoch wird 2016 ein höherer Preis erwartet genau wie für die Schweineproduktion. Der Preis für Rinder ist seit 2014 relativ konstant. Der Preis des Getreides ist großen Schwankungen ausgesetzt und fiel im Wirtschaftsjahr 2016. Der Milchpreis, welcher 2014 auf hohem Niveau lag, fiel im Jahre 2015 auf 30 Cents/Liter und ist bis zum Herbst 2016 nicht wesentlich gestiegen. Erst gegen Ende des Jahres konnte sich der Preis erneut stabilisieren.

Die gesamten betrieblichen Erträge weisen von 2014 auf 2015 einen Rückgang von 6% auf, was vor allem das Resultat einer geringeren Produktion von Milch ist. Der Schaden konnte begrenzt werden durch das staatliche Krisenpaket, allerdings besagt die Prognose 2016 einen weiteren Rückgang von 4% der Erträge. Dies ist unter anderem auf geringere Zuschüsse als im Vorjahr zurückzuführen. Auch bei den Aufwendungen gibt es einen Rückgang von rund 6%. Der Materialaufwand, unter den das Saatgut, der Pflanzenschutz, der Dünger, der Tierzukauf oder die Futtermittel fallen, ist um 4% gefallen. Auch der Preis der Treibstoffe ist um rund 25% gefallen. Bei den Abschreibungen stellt man 2015 zum ersten Mal einen Rückgang fest, bedingt durch die wirtschaftliche Situation einerseits und das damals noch nicht gestimmte Agrargesetz andererseits, wodurch weniger investiert wurde. Die Position vom sonstigen Betriebsaufwand ist auch niedriger als im Vorjahr, da vor allem die Quotenstrafe wegfällt.

Im Jahr 2015 lag der Gewinn pro Unternehmen bei 56.345.-€ und das ordentliche Ergebnis bei 45.430,-€ und somit um 10% tiefer als im Vorjahr. Dieses Ergebnis, was im langjährigen Vergleich als durchschnittlich angesehen werden kann, konnte nur dadurch erzielt werden, dass Zuschüsse in Höhe von rund 9.000,-€ pro Betrieb ausbezahlt wurden. 2016 wird sich dies allerdings ändern und man kann einen Rückgang von weiteren 17% vom ordentlichen Ergebnis erwarten, so die SER-Prognose.

Um die Situation in der Landwirtschaft genauer zu betrachten ist es nicht nur wichtig den Gewinn unter die Lupe zu nehmen, sondern auch die Vermögenssituation der Betriebe.  Der durchschnittliche Betrieb hatte 2015 ein Vermögen von rund 1.275 000,-€. Über die Jahre ist eine stetige Ansteigung zu erkennen. Das Vermögen des Betriebes wird dann auch zu zwei Drittel durch Eigenkapital finanziert und nur zu einem Drittel durch Fremdkapital. Die Situation der einzelnen Betriebe ist allerdings oft eine andere. 8% der Betriebe sind zu über 50% mit Fremdkapital finanziert. Die Liquidität und Stabilität müssen also auch weiterhin im Auge behalten werden.

Marc Fiedler führte ins Thema ein und stellte eine im Rahmen des Inventarbesuchs 2016 vom SER  auf den Buchführungsbetrieben durchgeführte Umfrage über den Faktor Arbeit auf den landwirtschaftlichen Betrieben vor. 383 Betriebe, mit einem Durchschnitts-Standard-Output von 229.000 Euro, einer Fläche von 86 ha/Betrieb und 135 Vieheinheiten/Betrieb, nahmen an der Befragung teil. Besorgniserregend ist hier, dass mehr als die Hälfte der Befragten die Arbeitsbelastung als hoch oder zu hoch befinden. Rund ein Drittel der Befragten arbeitet außerdem zwischen 50 und 70 Stunden pro Woche, was langfristig bedenkenswert ist.
Klar zu erkennen ist, dass die Belastung mit der Größe der Betriebe steigt. Auch die Freizeit ist beim Landwirt ein sensibles Thema. Oft besteht die Angst von Arbeitskollegen belächelt und kritisiert zu werden wenn man sich Zeit nimmt. So kann mehr als ein Drittel der Befragten sich nicht vorstellen, sich eine Woche pro Jahr frei zunehmen, was bei weitem noch nicht viel Freizeit wäre. Zwei Drittel der Betriebe kann sich auch nicht vorstellen eine Fremdarbeitskraft einzustellen. Als Fazit dieser Umfrage kann man sagen, dass das Empfinden von Arbeitsbelastung und das Bedürfnis nach Freizeit sehr unterschiedlich sind, jedoch ist die hohe Arbeitsbelastung in der luxemburgischen Landwirtschaft ein akutes Problem.

Danach hielt Alfons Fübbeker, Diplom-Agraringenieur bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen seit 1991, sein Referat „Unsere landwirtschaftlichen Betriebe wachsen – wer aber soll die Arbeit verrichten?“. Im Laufe der Jahre ist die Anzahl der Milchkuhhalter in Luxemburg immer weiter gesunken bis auf nur noch 680, während die Anzahl der Milchkühe pro Betrieb weiter gestiegen ist. Somit werden die Betriebe immer größer und der Arbeitsanfall auch. Herr Fübbeker hat gezeigt, wie man anhand der betrieblichen Daten seine eigene Arbeitszeitbilanz ausrechnen kann. Außerdem hat er einige Möglichkeiten vorgestellt um diese zu verbessern, wie zum Beispiel die Leistung der Tiere zu steigern, die unrentablen Produktionszweige einzustellen, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen, das Arbeitsverfahren zu optimieren und zu automatisieren oder die Arbeit anderweitig erledigen zu lassen. Das Wachstum des Betriebes sollte immer gut überlegt werden, da mit einer Vergrößerung auch das Management nach und nach Überhand annimmt. Es gibt viele Möglichkeiten, die Arbeit zu vereinfachen, aber letztendlich muss jeder Betrieb seine eigene Situation kritisch analysieren und betriebsindividuelle Entscheidungen treffen.

In seinem Schlusswort bedankte sich Landwirtschaftsminister Fernand Etgen für das Impuls und Motivation gebende Referat und unterstrich die Bedeutung von Buchführung und Beratung. Zum Abschluss lud die Gemeinde Mertzig die Anwesenden zu einem Ehrenwein ein.

Monja Majerus, SER