Traditioneller Neujahrsempfang im Institut viti-vinicole:

Am 19. Januar: “Le verre de l’amitié“ in Remich

Im Festsaal des Institut viti-vinicole fand am 19. Januar wieder der traditionelle Neujahrsempfang, besser bekannt als “Verre de l’amitié“ statt. Zu diesem Anlass wurde nochmals auf das neue Jahr angestoßen und die Gelegenheit genutzt in einer geselligen Atmos-
phäre Neuigkeiten aus der Weinbranche auszutauschen. Unter den 300 geladenen Gästen befanden sich zahlreiche Vertreter aus dem Weinbausektor, Politiker, Mitarbeiter aus dem Agrarministerium, der Landwirtschaftskammer und anderen Gremien, ohne zu vergessen die Weinkönigin mit ihren Prinzessinnen.


Der Direktor des Institut viti-vinicole, Robert Ley, hieß alle Gäste und Ehrengäste willkommen und nutzte noch einmal die Gelegenheit ein gutes und erfolgreiches Jahr zu wünschen. Anschließend zog er eine kleine Bilanz über das Weinjahr 2016, das für etliche Winzer ganz sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird. Mit nur 82.000 Hektolitern liegt die Weinernte dieses Jahr weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Hierfür waren einerseits starker Spätfrost und andererseits die durch die langen Nässeperioden verursachte Pilzkrankheit Peronospora verantwortlich. Zu guter Letzt herrschten in der Reifephase und während der Traubenlese optimale Wetterbedingungen und ein sehr gesundes und extraktreiches Traubenmaterial konnte in die Keller gebracht werden. Die Qualität der 2016-er Weine wird demnach sehr vielversprechend sein. Der Direktor betonte aber auch, dass es neben dem schwierigen Weinjahr auch sehr viel schöne Momente gab, etwa die 50 Jahre Jubiläumsfeiern der Domaines de Vinsmoselle und der Privatwinzervereinigung OPVI.


Anschließend kam der Direktor auf die seit 2014 laufende Weinmarketingstudie zu sprechen, die dieses Jahr auch ihren Abschluss findet. Diese Studie wurde nach der Einführung des neuen AOP-Qualitätszertifikates (Appellation d’origine protégée) in Auftrag gegeben, um angemessene Richtlinien für ein gemeinsames Marketing, sowie spezielle Strategien für die einzelnen Gruppierungen und Weinkategorien zu liefern. Die Aufgabe sei es nun, so Ley, die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Denn nur so ließe sich in Zukunft einen rentablen und nachhaltigen Weinbau in einem zusammengeschlossenen Gebiet weiterbetreiben. Der Direktor betonte, dass es in diesem Kontext nur eine Devise gibt: eine möglichst hohe Weinqualität produzieren, d.h. eine Qualität die auch als solche vom Konsument akzeptiert wird. Denn der Kunde bestimmt was Qualität ist und er muss diese auch als solche würdigen.


Ferner verwies Roby Ley auf die laufenden Projekte “Terroir“ und “Provino“, alle beide dem Forschungszentrum LIST (Luxemburg Institute of Science and Technology) in Auftrag gegeben und vom Weinbauinstitut eng verfolgt. “Terroir“ steht hier für eine wissenschaftliche Beschreibung der Herkunft, die ein Zusammenspiel vieler Faktoren wie Boden, Mikroklima oder Einfluß des Menschen ist. Dieses Projekt hat zum Ziel, die Typizität aber auch die Vielfältigkeit der Luxemburger Weine zu definieren und steht demnach in engem Zusammenhang mit der Marketingstudie. Das Projekt „ProVino“ seinerseits erforsche Methoden zur Reduzierung eingesetzter Pflanzenschutzmittel, sowie zur Überwachung und Bekämpfung neuer Schädlinge, so Ley.


Zum Ende seiner Rede wies der Direktor darauf hin, dass der Luxemburger Weinbau nicht allein heutzutage in einem ständigen Wandel sei. Blicke man in die Geschichte zurück, stelle man fest, dass es große Änderungen bereits seit jeher gab. Wichtig sei es nur, sich stets an den Wandel anpassen zu können, um positive Resultate zu erlangen. Dies gelte auch für das Weinjahr 2017: zusammen nach Lösungen suchen, mit dem gemeinsamen Ziel den Weinbau auf der Luxemburger Mosel weiterhin hoch zu halten.

Weinbauminister Fernand Etgen nahm das Wort vom Direktor auf und wünschte allen versammelten Gästen noch einmal viel Glück, Erfolg und Gesundheit für das kommende Jahr.
Etgen griff die von Direktor Ley angesprochene Marketingstudie auf, um einige Details hervorzuheben. Nach den getätigten Analysen seien einige große Bereiche identifiziert worden, die es zu bearbeiten gelte. Hierunter fallen Themen wie Kommunikation, Veranstaltungen, Verkaufsprinzipien, Zwischenkunden oder aber auch die Rebsorte Rivaner. In der Tat dürfe man nicht vergessen, so der Minister, dass noch immer 25% der hiesigen Rebfläche mit Rivaner bestockt sei. Auch wenn diese Sorte in der letzten Zeit etwas in den Hintergrund gerückt sei, so dürfe man nicht vergessen, dass es sich um eine Rebsorte handelt, mit der die Luxemburger Weinbaugeschichte seit jeher eng verknüpft ist.
Etgen betonte, dass sich die Studie jedoch schwerpunktmäßig der Bekanntheit unserer gesamten Weinbauregion widme. Die Qualitätsmarke der Luxemburger Weine insgesamt soll gesteigert werden. Dies sei wahrlich keine einfache Aufgabe, jedoch unabdingbar, um die Ziele zu erreichen, die wir uns gesetzt haben, so Etgen. Demnach solle der Luxemburger Wein als “Spitzenklasse-Produkt“ wahrgenommen werden und als Nische fungieren. Man habe sehr wohl gemerkt, dass der Leitfaden der Studie sich auf das Prinzip “small is beautiful“ konzentriert habe. Und genau hierbei handele es sich um das Qualitätsimage, das wir unserem Wein geben müssen, um weiterhin erfolgreich zu sein. Auf diesem Punkt sind sich ebenfalls die drei Berufsvertretungen der Privatwinzer, Genossenschaft und Handel einig.
Der Minister wies darauf hin, dass sehr wohl Weine von 2 Euro auf den Weinmarkt kommen könnten, aber nicht unter dem Qualitätslabel der luxemburgischen AOP. Denn gerade solches würde dann nach außen das Gefühl vermitteln, unser Ansehen wie auch unser AOP-Qualitätszertifikat seien nicht mehr als 2 Euro wert.
Nach einer gemeinsamen Ausarbeitung mit allen Akteuren der Branche, sei nun die Zeit gekommen, die getätigte Studie vom Beruf umzusetzen, so Etgen. Die Berufsvertretungen müssten demnach unbedingt an einem Strang ziehen, um den vorhergesagten Erfolg zu erreichen. Es gehe um den Luxemburger Weinbau in seiner Gesamtheit, mitsamt den Tourismusorganisationen, der Gastronomie und der Hotelbranche. Demnach gelte es unbedingt die Gelegenheit zu nutzen, ansäßige Feriengäste auf der Mosel in Kontakt mit Luxemburger Wein zu bringen.
Schlußfolgernd betonte der Minister, dass es nicht einfacher werden würde und noch vieles zu erledigen bleibe. Trotz allem sei er überzeugt, dass mit dem notwendigen Maß an Motivation und Enthusiasmus die anstehenden Aufgaben problemlos gemeistert werden würden.

Robert Mannes,
Institut viti-vinicole