Deutschsprachige Weideexperten trafen sich in Luxemburg (3)

Forschung und Praxis im Dialog - Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Grünland und Futterbau (AGGF) und des Weidevereins in Luxemburg

Die Arbeitsgemeinschaft für Grünland und Futterbau (AGGF), eine Tochtergesellschaft der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften, war in diesem Jahr zu Gast in Luxemburg. Zuvor trafen sich auch noch die Mitglieder des Weidevereins, einer Organisation von Wissenschaftler, die sich mit der Optimierung der Weidewirtschaft beschäftigen. Über dieses Treffen wurde im letzten Alcovit berichtet.

Wohin mit dem anfallenden wirtschafteigenen Dünger?

• Gerade die sensiblen Flächen im Natur- aber auch im Wasserschutz sind oftmals mit strikten Düngerauflagen (besonders bei den wirtschafteigenen Düngemittel) belegt, so dass eine sinnvolle Verwertung nicht immer möglich ist und es dann im schlimmsten Fall doch zu einer „Entsorgung“ kommt. Auch hier wird wieder mehr Flexibilität seitens der Behörden gefordert. Gerade die Ausbringung der organischen Dünger sollte sich am Bedarf der Pflanzen und der Witterung orientieren und sich nicht nur nach einem schon ewig festgelegten Kalendertermin richten.
• Weitere Maßnahmen sind natürlich die Reduzierung des Düngeranfalls durch Reduzierung des Viehbesatzes, Export der Dünger oder aber Flächenerweiterung. Bei allen Maßnahmen muss aber immer die Wirtschaftlichkeit und die Machbarkeit der Aktion hinterfragt werden.
• Wesentlich sinnvoller erscheint dagegen die Effizienzsteigerung der Gülle.
– Eine emissionsarme, bodennahe Ausbringung bei geeigneter Witterung sollte heute zum Standard gehöhen.
– Durch eine evtl. Aufbereitung der organischen Dünger (Separierung, Mikrofiltration) können die unterschiedlichen Fraktionen und Nährstoffe verlustärmer und gezielter eingesetzt werden.
– Eine andere Alternative ist die chemische Behandlung mit Säure (Ammoniakreduzierung) oder Nitrifikationshemmern, so kann das Ausgasen und Auswaschen des Stickstoffs reduziert werden.
– Eine Effizienzsteigerung kann auch „ganz einfach“ durch eine erhöhte Nährstoffaufnahme aus den wirtschafteigenen Düngermitteln erfolgen. Der Schlüssel hierzu ist, wie bereits oben erwähnt, ein Pflanzenbestand der auch die Nährstoffe aufnehmen kann, Ausbringungszeitpunkte die sich nach dem Pflanzenbedarf richten und es sollte immer nur die Menge an Nährstoffen ausgebracht werden, die auch aufgenommen wird. Hierfür bedarf es genauer Ertrags- und Entzugsdaten die von der Forschung geliefert und durch die Beratung an die landwirtschaftlichen Betriebe vermittelt werden müssen.


Bei allen Fragestellungen:

• wurde von den Praktikern die unflexible Gesetzeslage gerade bei Ausbring- oder Nutzungszeitpunkten kritisiert,
• ist die Forschung gefordert, die notwendigen Daten und Informationen zu liefern, die eine flexiblere Handhabung diesbezüglich rechtfertigen,
• wurde von der Wissenschaft erklärt, dass die Auflagen in Schutzgebieten oft nur einen Viehbesatz von höchstens 1,6 GVE/ha erlauben. Somit sollte die Reduktion des Viehbesatzes für die Betriebe auch eine Option darstellen,
• ist die Aufgabe der Beratung, die Entwicklungen und Erkenntnisse der Forschung und Wissenschaft so in die Praxis zu implementieren, dass eine praxisnahe Handhabung möglich ist.

Maschinendemonstrationen

Neben der intensiven Diskussion, die sich zwischen Wissenschaft und Praxis entwickelte, konnte auch schon ein Teil der diskutierten Theorie in der Praxis bewertet werden.
Beim Krautmanagement kann eine Einzelpflanzenbehandlung mit Hilfe des Rotowipers umgangen werden. Der Rotowiper benetzt, mit einer mit Pflanzenschutzmittel getränkten Walze die höher wachsenden unerwünschten Kräuter wie z.B. Ampfer, Brennnesseln oder Disteln. Die Behandlung gilt als Einzelpflanzenmaßnahme und ist auch auf sensiblem Grünland erlaubt. Die größere Arbeitsbreite, im Vergleich zur Rückenspritze oder Streichstab, führt so zu einer höheren Flächenleistung bei reduziertem Pflanzenschutzmittelaufwand. Nachteilig ist dass, wenn unerwünschte und erwünschte Pflanzen gleich hoch sind, eine selektive Einzelpflanzenbehandlung nicht durchgeführt werden kann. Hier muss der Zeitpunkt der Behandlung gut angepasst sein.

Zur Erhaltung eines hochwertigen Pflanzenbestandes durch regelmäßige Nachsaat wurde die „Vredo“, eine spezielle Scheibendrillmaschine für Grünland, vorgeführt. Mittlerweile gibt es diese Spezialmaschine schon mit mehr als drei Metern Arbeitsbreite. Für eine Nachsaat reichen schon Saatmengen von 5 kg/ha aus, so dass die Kosten im Vergleich zum Nutzen relativ gering sind.
Die Gülleaufbereitung wurde durch die Firma AmaMundu vorgestellt. Hier wird die Gülle zuerst separiert, die Feststoffe mit einem hohen organischen Nährstoffanteil können dann mit einem Kompoststreuer ausgebracht werden. Die nächste Verarbeitungsstufe ist die Mikrofiltration und die Umkehrosmose des flüssigen Restes der Gülle. Hierbei werden die Nährstoffe N, P und K voneinander getrennt. Übrig bleiben dann noch die mineralischen Nährstoffe und Wasser.
Das Wasser kann demnach bedenkenlos zu vielen Zwecken
verwendet werden, die Nährstoffe können gezielt und nach Bedarf mit der Pflanzenschutzspritze ausgebracht werden. Nachteilig an diesem Verfahren ist zurzeit noch die sehr geringe Leistung von nur einem Kubikmeter (m3) Gülle pro Stunde und natürlich der hohe Preis des vorgeführten Prototypes. Nach mehreren Jahren Forschungsarbeit steht die beschriebene Technik nun aber kurz vor der Serienreife, die Kosten für die Gülleaubereitung müssten sich demnach in der nächsten Zeit senken.

 

 
AGM . Team
Luxemburg