Die LSG-Sorteninformationsversammlung 2017

Wie jedes Jahr im Herbst, hat die Luxemburger Saatbaugenossenschaft zur ihrer bereits bestens bekannten Sorteninformationsversammlung fürs Wintergetreide eingeladen.  Es stand wieder eine Reihe von interessanten Vorträgen zum Thema Getreideanbau auf der Tagesordnung. Die schwierigen Bedingungen (Trockenheit) und deren Folgen wurden in jedem Vortrag kurz angesprochen.

 

Als erstes berichtet Guy Reiland, Professor im LTA, von seinen Versuchen auf den Bettendorfer Demo- Feldern. Hier stand in erster Linie die unterschiedlichen Düngungs- bzw. Pflanzenschutzmittel- Intensitäten bei der Wintergerste, dem Wintertriticale und dem Winterweizen auf dem Prüfstand. Zusätzlich wurde die unterschiedliche Art der Düngung (mineralisch, mineralisch und organisch mit Gülle-depot bzw. Gülle-Cultan Verfahren) in den drei Kulturen untersucht. Auf Grund des lokalen Regen in Bettendorf entwickelten sich die Triticalebestände zu gut, so dass es hier zu Lager kam. Es wurde beim Triticale deutlich, dass eine zusätzliche N-Gabe von 30 Einheiten nicht mehr Ertrag, sondern ganz im Gegenteil weniger Ertrag brachte. Dies verdeutlich, dass eine zusätzliche Düngung nicht nur höhere Kosten mit sich bringt, sondern auch noch weniger Ertrag.

Die Wintergerste konnte mit Spitzenerträgen (bis zu 95 dt/ha) und sehr guten Qualitätsparametern überzeugen. Der Unterschied des Ertrags und der Qualität zwischen den 3 Düngungsarten war nicht erwähnenswert. Die Variante mit Fungizid- und Halmwuchsreglerbehandlung erzielte bessere Erträge.

Beim Winterweizen zeigte sich ein ähnliches Bild wie bei der Wintergerste. Sämtliche Düngungsvarianten erreichten einen Ertrag von ungefähr 80 dt bei einem Eiweißgehalt von 13%. Die Variante mit einer Fungizid- und einer Halmwuchsreglerbehandlung schnitt auch beim Weizen am besten ab. Der Versuch bei der LOG-N Variante bei einer Wiederholung mit einer Spätgabe von 50 N-Einheiten zeigte, dass eine zu hohe N-Düngung nicht zu mehr Ertrag führt, sondern zu einem höheren N-min nach der Ernte.

Als zweiter berichtete Joe Vrehen von der Bauernzentrale über die Anbauversuche im Raps. Dieses Jahr wurden verschieden Möglichkeiten untersucht wie man den Herbizideinsatz in den Rapskulturen reduzieren kann. Neben der Kontrollparzelle wurden vier unterschiedliche Leguminosenuntersaaten (Sommerwicken, Sommererbsen, Sommerackerbohnen und Alexandrinerklee) ausgesät. Der Klee wurde in zwei unterschiedlichen Saatstärken ausgebracht. Im Gegensatz zum Klee mussten die anderen Leguminosen in einem zweiten Arbeitsgang ausgesät werden. Die Hälfte der Parzellen wurden nur mit der halben Aufwandmenge der Rapsherbizide im Vergleich zur Kontrollparzelle behandelt. Dies sollte verdeutlichen wie die Untersaaten auf den Herbizideinsatz reagieren. Eine LAI-Messung im Oktober ergab, dass die Untersaaten sehr stark unter dem Rapsherbizid zu leiden hatten. Nach der Auswertung der Erträge zeigte sich deutlich, dass die unbehandelten Untersaatvarianten immer schlechter abschnitten als die mit der halben Aufwandmenge an Rapsherbiziden. Zudem konnte keine Variante hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit mit dem konventionellen Rapsanbau mithalten.

Im Anschluss teilte Serge Heuschling, Professor Im LTA, die Resultate der Wintergetreidesortenversuche mit. Da zu diesem Zeitpunkt der meiste Raps bereits im Boden war, ging er nicht mehr auf die Resultate des Raps ein.

Die Erträge der Wintergerste waren zufriedenstellend, jedoch sehr heterogen: In Bettendorf und Eschette gab es einen Durschnittsertrag von 90 dt/ha während es in Lellig nur für 72 dt/ha reichte und in Elvange nur 52 dt/ha geerntet werden konnten. Auf Grund von Weizendurchwuchs wurde der Standort Lellig nicht ausgewertet. Während es in Bettendorf 4 Wiederhloungen gab, waren es auf den anderen Standorten nur 3. Auf jedem Standort war eine Wiederholung ohne Insektizid- und Fungizideinsatz, nur in Eschette wurde in der reduzierten Wiederholung zusätzlich ein Halmwuchsregler eingesetzt. Die Sortenliste der Wintergerste wurde nicht geändert, so dass bei den mehrzeiligen Sorten immer noch Quadriga, KWS Meridian und KWS Tenor, sowie bei den zweizeiligen die Sorten California und Sandra empfohlen werden.

Beim Wintertriticale und Winterroggen, welche in Bettendorf und der Hettermillen standen, waren die Erträge enttäuschend. Auf der Sortenliste bei der Wintertriticale hat sich nichts geändert: hier werden noch immer Triskell und Adverdo empfohlen. Beim Winterroggen wurde Helltop neueingetragen während die Sorten Palazzo und Conduct auf der Liste bleiben.

Obschon die neuen Sorten des Winterhartweizens überzeugten,  wurde die Empfehlung von Wintergold nicht geändert, da die neuen Sorten erst ein Jahr geprüft wurden. Die Versuche des Winterweizens ergaben ein sehr heterogenes Bild: so wurden auf dem Standort Wilwerdange (102 dt/ha) mehr als das Doppelte gedroschen als auf dem Standort Hettermillen (49,2 dt/ha). Neu auf der Sortenliste werden die Sorten Spontan (A-Weizen) und Barranco (E-Weizen) sein, während Estevan gestrichen wurde.

Als nächstes stellte Dr. Hanna Heidt die Biogetreidesortenversuche vor. Die Versuche wurden auf den Standorten Karelshaff und Hupperdange angelegt, wobei es auf dem Karelshaff dieses Jahr zu einer starken Unkrautentwicklung gekommen ist. Die Empfehlungen für die Bio-Sorten sind folgende: Jularo, Elixer, Florian und Govelino (neu) beim Winterweizen, Dukato beim Winterroggen und Tulus beim Wintertriticale. 

Anschließend war es Dr. Michael Eickermann vom LIST, welcher auf die unterschiedlichen Schadinsekten im Raps einging. Mit einigen sehr interessanten Bildern wurden die hier zu Lande am häufigsten vorzufinden Schadinsekten beschrieben. Dies sind unter anderem der Rapserdfloh, die kleine Kohlfliege und die Pfirsichblattlaus. Zu jedem Schadinsekt wurde kurz eine Bekämpfungsstrategie erläutert: Es ist jedoch klar, dass es erst Sinn macht ein Schadinsekt zu bekämpfen, falls der Bekämpfungsrichtwert erreicht wurde. Es gibt aber auch einige Maßnahmen wie z.B. das Unterbinden von grünen Brücken (Zerstörung von Altrapsbeständen), weite Fruchtfolgen und Schutz von Parasitoiden, welche das Ausbreiten der Rapsschadinsekten eindämmen.

Edmond Muller berichtete noch über den Brotweizenmarkt. Die schwachen Weizenpreise lassen sich durch eine weltweite gute Ernte, ausreichend Reserven sowie überdurchschnittliche Ernte in Russland und der Ukraine, welche mit einer großen Menge auf den europäischen Markt drängen, erklären. Trotz der Senkung des Basispreises um 5€/to. dürften die meisten Produzenten auf Grund der hervorragenden Qualität und damit verbundenen Qualitätszuschlag, einen höheren Auszahlungspreis erhalten.

Zum Schluss bedankte sich Marc Weyland, Direktor der ASTA, bei allen Verantwortlichen des Versuchswesens, den Referenten und der LSG.

 

Steve Turmes