3. Biosymposium in Luxemburg
Die Bedeutung des Tieres in Landwirtschaft und Ernährung
Zum dritten Mal bat die Vereenegung fir Biolandwirtschaft – Bio-Lëtzebuerg zum Biosymposium. Auch in diesem Jahr wurde ein landwirtschaftliches Thema ausgewählt, das die Gemüter der Gesellschaft und der Landwirte gleichermaßen bewegt: Was ist artgerechte Tierhaltung, wie steht es um das Tierwohl und die Tierwürde, wieviel Fleisch essen wir, hinterfragen wir unsere Gewohnheiten usw. Sarah Wiener, Köchin, Autorin, Unternehmerin und Martin von Mackensen, Bioland-
wirt und Dozent am Dottenfelder Hof, waren als Referenten geladen, um vormittags zu diesen Fragen Stellung zu nehmen. Für Sarah Wiener als Köchin, beginnt die Qualität der Lebensmittel im Boden mit dem Saatgut und den Anbau- und Verarbeitungsmethoden und nicht erst in der Küche selbst. Damit gibt sie bereits den wichtigen Hinweis, dass jeder einzelne verantwortungsvoll entscheiden kann. Sie ist der Meinung, dass wir ein Verbrechen gegen uns selbst und die kommenden Generationen verüben, wenn wir gegen die Natur arbeiten. „Wir können nicht ein gesunder Teil einer kranken Natur sein.“ Die Agroindustrie würde gezielt einen Keil zwischen die konventionellen und biologisch-wirtschaftenden Landwirte schieben und dadurch die Landwirtschaft insgesamt schwächen. Wir bräuchten eine Änderung des landwirtschaftlichen Systems – es ist nicht ideologisch, sondern wissenschaftlich bewiesen, dass ein „weiter wie bisher“ nicht mehr geht. Schließlich hätten wir nur eine Erde und wir seien verpflichtet, diese auch für kommende Generationen zu erhalten. So das leidenschaftliche Plädoyer von Frau Wiener.
Herr von Mackensen beleuchtete das Thema mehr von der kulturellen Bedeutung des Tieres in der Geschichte der Menschheit bis heute. Die daraus resultierende Mensch-Tier-Beziehung ist der Schlüssel für den verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren heute und in Zukunft. Den Tieren verdanken wir unsere Entwicklung und wir dürfen ihre Rolle als Mitgeschöpf für das wir Verantwortung bis in den Tod tragen nicht aus den Augen verlieren. Aber genau das geschehe, sobald wir die Tiere ökonomisierten. Wir müssen Bewusstsein und gesellschaftliches Interesse wecken, damit auch die Nicht-Landwirte in die Thematik einbezogen würden. Dieses Interesse muss bereits in der Jugendzeit entwickelt und verankert werden, es ist also eine Aufgabe der Generationen, die wir heute unbedingt beginnen müssen. Die Vermenschlichung unserer Haustiere wird gleichzeitig begleitet von einer Entmenschlichung unserer Nutztiere, aber für beide müssen wir Verantwortung übernehmen und das nicht nur bis zur Stalltüre, sagt er.
Auf diese beiden geballten Vorträge folgte nachmittags die Podiumsdiskussion, die Herr Stoll in diesem Jahr letztmalig moderierte. Zusätzlich zu den Referenten stellten sich der Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister Fernand Etgen, die Ernährungssoziologin Rachel Reckinger und Camille Müller als Vertreter der Vegan Society Luxembourg der Diskussion. Herr Müller stellte im Vorfeld kurz die Arbeit der Vegan Society vor und dann wurde diskutiert. Den äußeren Rahmen bildete die Rifkin Studie, deren Umsetzung derzeit diskutiert wird. Sowohl Frau Reckinger als auch Herr Müller stellten den hohen Fleischkonsum in den Fokus, und Herr von Mackensen fragte bei Herrn Etgen nach, wie die Versorgung mit 100% regionalen Luxemburger Produkten gefördert werden würde. Frau Wiener warf ihrerseits die Frage auf, warum Luxemburg denn nicht die Chance ergreifen würde, als Vorreiter in Europa für eine biologische, nachhaltige Landwirtschaft zu fungieren. Herr Etgen zitierte daraufhin die Zielformulierung der Rifkin-Studie, bis 2050 in Luxemburg 100% Biolandbau zu realisieren. Wie die politische Weichenstellung für diesen Weg aussehen soll, konkretisierte der Minister nur insoweit, dass es sich bei dieser Entwicklung um einen Prozess handele, in den man sich bereits begeben habe. Diese Aussage wurde dann auch als Schlusswort einer angeregten Diskussion zurückbehalten.
Das 3. Biosymposium, mit über 130 angemeldeten Gästen gutbesucht, war eine hochkarätige Veranstaltung.
Vielen Dank an alle, die zu ihrem Gelingen beigetragen haben und auf Wiedersehen 2018 zum 4. Biosymposium.


