4. Bio-Symposium

Im November fand die 4. Auflage des Bio-Symposiums organisiert von Bio-Lëtzebuerg statt.

 

Ökologische Resilienz – wie gestalten wir die Zukunft der Landwirtschaft in Zeiten ökologischer und ökonomischer Zwänge?

In diesem Jahr hatte sich Bio-Lëtzebuerg, die Vereenegung fir Biolandwirtschaft Lëtzebuerg asbl., wieder ein großes Thema ausgesucht. Die ökologische Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Systems nach einem Schock oder einer Krise unter Anpassung an die neuen Umweltbedingungen zu seiner alten Stabilität zurückzufinden. Dies erfolgt in einer kurz- bis mittelfristigen Betrachtung. Nachhaltigkeit bezieht sich auf die langfristige Betrachtung. Die Resilienz unserer landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Systeme ist daher interessant auch im politischen Kontext, der die Rahmenbedingungen für die langfristige und möglichst nachhaltige Entwicklung vorgibt. Auf dieser Basis haben wir zum „Wandel im Handeln“ eingeladen. Mit ca. 120 Gästen war das Biosymposium gut besucht und die Diskussionsfreude unserer Gäste hat uns viel Spaß gemacht.

 

 „Neue Brücken braucht das Land-sich assoziieren, damit sich ein Bewusstsein bilden kann, dass jeder den anderen braucht“

Änder Schanck, Biopionier und Begründer der OIKOPOLIS-Gruppe, eröffnete die Vortragsreihe und erklärte nach einem kurzen historischen Rückblick auf die Entstehung der OIKOPOLIS-Gruppe inklusive der BIOG, Biogros und NATURATA, wie das wirtschaftliche Miteinander durch den neuen Gedanken „assoziativ & fair“ in der OIKOPOLIS-Gruppe gemeinsam mit seinen Handelspartnern neu gestaltet wird. „Weiter wie bisher“ ist keine Option, darüber sind sich eigentlich alle einig, aber wie soll der Wechsel gestaltet werden? Für die Wirtschaftsbetriebe, die sich mit Lebensmitteln beschäftigen, ist die Verantwortung groß, denn die Ernährung der Mitmenschen erfordert nicht nur ein Denken an Gewinnmaximierung. Alle Partner der Wertschöpfungskette an einen Tisch zu bringen und für jeden Partner faire Bedingungen gleichberechtigt aushandeln. Das ist eine Herausforderung der sich die OIKOPOLIS-Gruppe jetzt stellt.

 

 "Es gibt nicht einen Weg für alle, sondern für alle einen Weg“

 Jan Plagge, der Präsident des größten deutschen Bioanbauverbandes „Bioland“ und Präsident des europäischen Dachverbandes für Biolandbau IFOAM, ging in seinem Vortrag dann auf das Spannungsfeld ein, das entsteht, wenn Bio Mainstream wird. Auf der einen Seite können Bioprodukte, die im Discounter angeboten werden, mehr Menschen erreichen, die dann auch auf „Bio umstellen“ können, auf der anderen Seite steht die Gefahr, dass auch Bioprodukte unter Preisdruck geraten und somit die ganze Biolandwirtschaft. Vor diesem Spannungsfeld hat er aber keine Angst, sondern eher davor die Menschen unterwegs zu verlieren. Eine Angst, die er mit vielen Politikern teilt. Aber Ängste und Krisen sind die wichtigsten Motoren  für Veränderung. Er möchte das Gemeinwohl stärken, insbesondere durch die Werte und Prinzipien für die der Biolandbau steht und die sich auch durch die Wertschöpfungskette ziehen müssen. Auf europäischem Plan sieht er derzeit die wichtigste Aufgabe darin die GAP 2020 so auszurichten, dass die Direktzahlungen abgebaut werden und die Eco-Schemas als Ergänzung zur 2. Säule ausgebaut werden. Hierauf wird zurück zu kommen sein. In Bezug auf die Wachstumsfrage verwies er auf den Bericht des Club of Rome „Wachstum, ja bitte-aber 2.0“. Denn Mainstream bedeutet nicht nur Masse, sondern massenhaft Verantwortung zu übernehmen, denn Bio kann Nachhaltigkeit marktfähig machen. Die Ziele der IFOAM bis 2030 sind EU-weit ambitioniert gesteckt: 50% der EU-Anbaufläche unter biologischer Bewirtschaftung, denn es gibt „für alle einen Weg“, sagt Jan Plagge.

 

„In Luxemburg sind Sie prädestiniert für das grenzenlose Denken, nur Sie müssen sich bewegen und es auch tun.“

 So lautete ein Satz des inspirierenden Vortrags von Johannes Gutmann, Gründer der Firma Sonnentor aus Österreich. Entflammend sprach Herr Gutmann davon, seine Ideen einfach in die Tat umzusetzen und nicht lange zu fragen. So hat er seinen Weg vom Spinner zum Winner gemacht und Menschen auf seinem Weg mitgenommen. In seiner Jugend habe er immer nur jammernde Bauern erlebt und die Überproduktion war schon damals ein Problem. Deshalb war die Landwirtschaft nicht sein Business und über Umwege ist er dann doch zum Kräuter- und Gewürzanbau gekommen. Sein Kredo lautet: „Nichts bewegt mehr als eine Krise, deswegen wünsche ich Ihnen von Herzen nichts mehr als eine persönliche Krise. Denn dann ändert sich was!“ Sich frei zu entfalten und seine Ideen umzusetzen, das sollte man sich einfach trauen. Man solle die Geschichten erzählen, die man erlebt, so wie er seine Geschichte an diesem Nachmittag erzählt hat. Er legt Wert darauf das Positive und Schöne seines Tuns zu vermitteln, sein Ziel sei es immer gewesen Freude zu verbreiten und zu vermehren. Die Sonne passt natürlich sehr schön in dieses positive Bild, welche er zum Logo seiner Firma gemacht hat. Ein mitreißender Vortrag von einem Self-Made-Man in Lederhosen und roten Haferlschuhen nach dem Motto „Wer spinnt, gewinnt“.

 In der abschließenden Podiumsdiskussion, an der zusätzlich zu den Gastrednern auch Liz Nepper (Cactus), Christiane Mangen (Landwirtschaftsministerium), Claude Petit (Landwirtschaftsberater, Solidarische Landwirtschaft) teilnahmen, verstand es Moderator Camille Ney sehr geschickt einzelne Punkte aus den Vorträgen aufzugreifen und das Publikum, welches sich den ganzen Tag hindurch kräftig an den Diskussionen beteiligte, miteinzubinden. Ein eindrucksvolles Biosymposium 2018 liegt hinter uns, wir freuen uns auf die 5. Auflage im November 2019.

 

 

 

 An der anschließenden Podiumsdiskussion beteiligte sich auch das Publikum.