8. Leguminosentag "Soja made in Luxembourg"
Unter dem Motto „Soja made in Luxembourg“ fand am 08. Februar 2019 der 8. Leguminosentag, organisiert durch das Institut fir biologësch Landwirtschaft an Agrarkultur (IBLA) Luxemburg statt.
Wieviel Soja haben Sie heute schon konsumiert? Mit dieser eröffnenden Frage wendete sich der Präsident des IBLA, Claude Felten, an die Teilnehmer des diesjährigen Leguminosentags in Ettelbrück. Soja verbirgt sich vor allem indirekt in unseren Lebensmitteln als großer Bestandteil der Futtermittel für unsere Eier-, Milch- und Fleischlieferanten. Diese Kultur nachhaltig anzubauen und einzusetzen ist die zukünftige Herausforderung in Richtung einer regionalen Eiweißerzeugung in der Großregion. Hierbei gilt es besonders über die Kultur zu informieren und nach außen hin zu kommunizieren.
Der Leguminosentag startete mit dem Vortrag „Sojaanbau in Europa - und in Luxemburg?“ des externen Experten Herrn Jürgen Recknagel vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) und zudem Geschäftsführer des Deutschen Sojaförderrings eV. Herr Recknagel gab einen Überblick über die Anbauentwicklung, Aufbereitung und Verwertung von Sojabohnen sowie praktische Anbauhinweise für Produzenten. Eine Eiweißkonzentration von 40 % und ein sehr wertiges Aminosäuremuster machen die Sojabohne als Körnerleguminose hochinteressant für die menschliche und tierische Ernährung. Die Fähigkeit Stickstoff in pflanzenverfügbarer Form durch eigene Knöllchenbakterien zu fixieren ermöglicht das Einsparen von Stickstoffdünger. Durch den geringen Befall mit Krankheiten und Schädlingen kann auf Pflanzenschutz verzichtet werden, was besonders dem biologischen Anbau zu Gunsten kommt. Zudem hilft die Kultur die Fruchtfolge aufzulockern, sie eignet sich besonders als Vorfrucht für Winterweizen, und durch die späte Saat und Ernte können Arbeitsspitzen ausgeglichen werden. Der weltweit hohe Anteil an GVO-Soja (77 %) und die negativen ökologischen und sozialen Impakte in den Hauptproduktionsländern v.a. Südamerika veranlassen ein Umdenken hin zu regionalen Wertschöpfungsketten. Unter Beachtung diverser Anbauhinweise, u.a. der richtigen Sortenwahl, Impfung und Beikrautregulierung, steht dem Anbau in Luxemburg nichts mehr im Wege. Als Fazit betont Herr Recknagel die Chancen des Sojaanbaus in Luxemburg, aber auch die der heimischen Körnerleguminosen als Weg in Richtung einer Eiweißautarkie.
Herr Dietmar Mirkes, Experte für globale Klimafragen bei der Action Solidarité Tiers Monde (ASTM), zeigte die ökologischen und sozialen Impakte der Sojaproduktion in Südamerika auf. In den Savannen des brasilianischen Berglands, dem Cerrado, wird die natürliche Landschaft durch den intensiven Sojaanbau als Monokultur zerstört. Zudem ist 95% des Sojaanteils genmanipuliert. Der Einsatz von Pestiziden (z.B. Atrazin, Azephat), die in Europa verboten sind, haben neben Glyphosat enorme gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung. Die Vertreibung tausender Bauernfamilien durch Großkonzerne auf Grund nicht geregelter Landrechte und die wiederum gestiegene Gewaltsituation demonstrieren die sozialen Impakte. Gewinner sind die Großkonzerne und Spritzmittelproduzenten, meist unterstützt durch europäische Geldgeber. Ergänzt wurde der Vortrag von Herrn Mirkes durch die Ausstellung „Das Land, das wir uns nehmen – Der Griff nach tropischem Regenwald und Ackerboden“, die sich mit der globalen Dimension unserer Anbauflächen für europäische Nahrungsmittel und Rohstoffen und den sozialen Folgen des Landgrabbings in Amazonien und Afrika auseinandersetzt.
Als weitere externe Referentin stellte Frau Mag. Ursula Bittner das Konzept des Vereins Donau Soja aus Österreich vor. Donau Soja baut eine gentechnikfreie, nachhaltige und regionale Eiweißversorgung auf und vermarktet Soja regional mit dem generellen Ziel, die Produktion von qualitativ hochwertigen, gentechnikfreien, europäischen Lebensmitteln zu fördern. Die Standards und Richtlinien werden durch ein internes Zertifizierungs- und Kontrollsystem gewährleistet. Donau Soja strebt an, den gesamten europäischen Sojabedarf mit zertifizierten Sojabohnen zu decken. Frau Bittner weist jedoch darauf hin, dass dies nur möglich ist, wenn generell erst einmal der gesamte Eiweißverbrauch gemindert wird durch u.a. Reduzierung des Fleischkonsums, denn 79% der Sojabohnen weltweit werden für Futtermittel verwendet.
In Bezug auf den Sojaanbau in Luxemburg wurden erste Ergebnisse aus dem seit einem Jahr laufenden Projekt LeguTec vorgestellt, das sich mit Methoden der mechanische Beikrautregulierung im Sojaanbau befasst. Zusammen mit den Projektpartnern Geocoptix GmbH, vertreten durch Dr. Gilles Rock, und der LTA, vertreten durch Ronny Krier und zwei Schülern, gab Laura Leimbrock-Rosch vom IBLA einen Rückblick über die Soja-Saison 2018 und stellte erste Ergebnisse und Anbauempfehlungen vor. Im Vergleich stehen die Varianten Striegeln, Hacken mit und ohne Fingerhacken, eine Kombinationsvariante und eine Mischkultur von Soja und Leindotter. Generell waren die Erträge in den Hackvarianten höher als in den Striegelvarianten. Der Regulierungserfolg spiegelte sich besonders in der Kombinationsvariante wider, der Variante, in der neben Blindstriegeln die Scharhacke mit Fingerhacken eingesetzt wurde. Allerdrings hat die Trockenheit nach der Sojablüte in dieser Kultur zu erheblichen Ertragsverlusten geführt. Auch der Sortenversuch im biologischen Sojaanbau, ein weiteres Projekt des IBLA, brachte in seinem ersten Jahr sehr zufriedenstellende Ergebnisse, trotz Trockenheit. Dieser lässt eine Tendenz für die Sorten Coraline, Amarok und Merlin und für die frühreifen Sorten Amandine, Augusta und Obelix, mit Erträgen um die 26 dt/ha und Proteingehalten von durchweg über 42% erkennen.
Anschließend präsentierte Dr. Stéphanie Zimmer vom IBLA den Soja-Bedarf in Luxemburg. Anhand von verschiedenen Berechnungsszenarien für Monogastrier und Wiederkäuer, basierend auf Schätzungen und Experteninterviews, beleuchtete sie den minimal und maximal möglichen Anteil in den jeweiligen Futterrationen. Momentan werden in Luxemburg geschätzt 29.000 t Soja jährlich importiert, was einer Fläche von 201 m2 je Einwohner entspricht, bildlich gesehen 1 Tennisfeld pro Einwohner. Um diese Importmenge zu reduzieren muss der generelle Sojabedarf minimiert werden, wie bereits Frau Bittner betonte. Bei gleichzeitiger Erhöhung des Selbstversorgungsgrades könnte somit ein Reduktionspotenzial der Importmenge von etwa 66 % erreicht werden. Um zu diesem Resultat zu gelangen, sollte gerade bei den Wiederkäuern weniger Soja eingesetzt und dafür mehr auf Grünland gesetzt werden. Zudem könnte mit dem Anbaupotential von 4.000 ha, bei dem jeder zweite Betrieb im Gutland Soja in seine Fruchtfolge integrieren würde, eine Soja-Autarkie von 38 % in Luxemburg erreicht werden. Damit wäre sogar möglich, den kompletten Sojabedarf der Monogastrier mit heimischer Soja zu decken unter Berücksichtigung, dass auch ein Teil des Eiweißbedarfs durch heimische Körnerleguminosen gedeckt wird.
Abschließend stellten die Mitarbeiterinnen der Administration des Services Techniques de l'Agriculture (ASTA), Frau Elisabeth Trausch und Frau Lynn Jemming, stellvertretend für Herrn Gerber van Vliet, das neu initiierte Projekt „En Ee um gudde Wee!“ mit der regionalen Vermarktung von Soja bei der Produzentengemeinschaft BIO-OVO vor. BIO-OVO hat sich zum Ziel gesetzt, seine Eiweiß-Autarkie zu erhöhen, indem der Sojaanteil in den Futterrationen vermehrt aus regionaler Herkunft stammen soll. Zusammen mit IBLA, Wolff-Weyland SA, SCAR Scrl, LTA und Piet van Luijk Sàrl haben sie ein schlüssiges Konzept für die nationale Soja-Produktion ausgearbeitet: Von der Begleitung und Beratung der Saat, mechanischen Beikrautregulierung über die Ernte bis hin zur Reinigung, Trocknung, Lagerung, Aufbereitung und Weiterverarbeitung in den Futterrationen für die BIO-OVO Legehennen. Wenn auch Sie interessiert sind im Rahmen dieses Projektes Soja anzubauen, freuen wir uns über Ihre Nachricht an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .
Das Programm des 8. Leguminosentags gab einen Rundumblick über den Sojaanbau, ermutigte die regionale Kultivierung und lässt auf einen erfolgreichen zukünftigen Sojaanbau in Luxemburg hoffen, um die Eiweißautarkie zu erhöhen und die Importmenge zu reduzieren.



