Mobile Ställe in der Landwirtschaft

Vor einigen Jahren dachten viele landwirtschaftliche Experten und Berufstätige, mobile Ställe seien nur ein vorübergehender Trend, doch mehr und mehr setzt sich das Interesse hier zu Lande wachsend fort. 

 

 

 

Warum ein Hühnermobil?

Anfangs bestand eine gewisse Nachfrage an Mobilställen im Biobereich durch den Hintergedanken, ein praktikables System zu finden, um Überweidung und punktuell höheren Nährstoffeintrag im stallnahen Bereich zu vermeiden. Zunächst wurden diese Ambitionen von konventionell wirtschaftenden Betrieben, überwiegend kritisch beäugt, jedoch steigt seit einigen Jahren nun auch in konventionell vermarktenden Betrieben die Nachfrage nach diesen Systemen. Ein weiterer Grund fürs steigende Interesse ist, dass die herkömmliche Käfighaltung seit 2010 gesetzlich verboten ist. In den letzten Jahren hat sich das Angebot an professionellen mobilen Stallbau-Systemen stark erweitert. Die heutigen Systeme sind praxiserprobt, technisch auf dem gleichen Stand wie stationäre Bauten und erfüllen in ihrer Bandbreite die unterschiedlichsten individuellen Anforderungen. Die Vielfalt ist inzwischen so groß, dass mancher Neueinsteiger vor der Qual der Wahl steht. Einen Überblick der Vor -und Nachteilen, den dazu gehörigen Genehmigungsverfahren und weiteren Überlegungen über Mobilställe, hat die ALCOVIT-Redaktion zusammenzufasst.

 

Der Ursprung des Mobilstalls

Der fahrbare Stall ist keineswegs eine Erfindung der Neuzeit, ihn gab es in einfacher Form bereits vor mehr als 80 Jahren. Durch die angespannte wirtschaftliche Lage zwischen beiden Weltkriegen mussten die Menschen sehr sparsam mit den Ressourcen (Futter, usw.) umgehen. Um 1930 entstanden die allerersten mobilen Hühnerställe. Damals wurde das Korn auf den Feldern noch per Hand geerntet. Unmittelbar nachdem das Feld abgeräumt war, wurde das Geflügel mit dem „Geflügelwagen“ auf die Stoppelfelder gebracht. Als Futter dienten die während der Ernte verloren gegangenen Körner vom Boden. Je nach dem wie hoch das Futterangebot war, wurde der Standort mehr oder weniger häufig gewechselt. Außerhalb der Erntezeit kamen die Wagen auf Grünlandflächen zum Einsatz, gezogen wurden sie zunächst mit Pferden, später dann mit Traktoren.  

Als etwas andere Form der mobilen Stallhaltung galten die damals sogenannten „Wanderhütten“. Diese Geflügelunterkünfte hatten keine Räder und wurden bei Bedarf von 2 Personen per Menschenkraft weitergetragen.

 

Stand vom Mobilstall heute

Die Legehennen- und Masthähnchenhaltung legte schon vor langer Zeit den Grundstein der heutigen mobilen Stallbauten. Heutzutage wurde der Bereich weiter ausgebaut und es gibt für die verschiedenen Haltungsformen (Schweine, Kälber, Schafe, Ziegen, usw.)  einen passenden Mobilstall. Seit der Jahrtausendwende haben sich verschiedene Formen der Mobilität am Markt herauskristallisiert.  Man unterscheidet heute zwischen „vollmobilen“ und „teilmobilen“ Ställen. 

Teilmobile Ställe werden in der Regel mehrmals im Jahr zwischen zwei Standplätzen versetzt. Sie sind häufig auf Kufen montiert und haben feste Standplätze mit Wasser- und Stromanschluss, zwischen denen sie hin- und hergezogen werden. Sie sind mit den „Wanderhütten“ aus früherer Zeit zu vergleichen.  Es gibt auch autark ausgestattete teilmobile Ställe, die Wassertank und Futtersilo mitführen.  

Vollmobile Ställe werden so häufig versetzt, dass sich die Fläche unter dem Stall auch ohne Nachsaat regenerieren kann. Der stallnahe Bereich der Auslauffläche ist deshalb dauerhaft intakt. Je nach Standort und Vegetationsverlauf ist ein Wechsel nach etwa 7 bis 28 Tagen sinnvoll. Für dieses System sind gute Fahrwerke und eine geschlossene Bodenplatte unerlässlich. Das vollmobile System ist autark, das heißt, der Stall führt Wasser- und Futtervorrat mit. Die Motoren werden mithilfe von Batterien angetrieben, die sich meist aus Photovoltaikanlagen speisen. 

Heute gibt es auf dem Markt zahlreiche professionelle Anbieter mobiler Ställe, die für jeden Einsatzzweck das passende Modell liefern können. Parasitenanreicherungen, Überdüngung und Verschlammung des Bodens lassen sich mit einem vollmobilen Stallsystem am besten vermeiden. Die Tiere finden direkt im stallnahen Bereich Grünfutter und nehmen daher mehr davon auf. Der Zugkraftbedarf, die Ansprüche an die Bodenverhältnisse und Topo-grafie sind etwas geringer als bei teilmobilen Systemen. Aufgrund der aufwändigeren Ausstattung sind die Kosten je Hennenplatz im vollmobilen Stall meistens allerdings höher als die der teilmobilen Version. 

 

Vorteile von Mobilstall-Systemen

Ein bedeutender Vorteil der mobilen Hühnerhaltung liegt im optimalen Auslauf-Management. Legehennen in der Freilandhaltung neigen dazu, die Auslauffläche im stallnahen Bereich sehr intensiv zu nutzen und abzuweiden, was sich meist negativ auf Bewuchs, Boden und Grundwasser auswirkt. In der mobilen Hühnerhaltung können durch das regelmäßige und rechtzeitige Versetzen der Mobilställe solche unerwünschten Folgen der intensiven Auslaufnutzung deutlich reduziert werden. 

Des Weiteren können sich durch die Mobilität der Ställe in der Auslaufhaltung weniger bis keine Krankheitskeime in der Freilandfläche aufbauen. Die geringere Keimbelastung der Tiere beugt dem Antibiotikaeinsatz und somit den Tierarztkosten vor.

Ein weiterer Vorzug mobiler Ställe ist, dass die Möglichkeit zur Haltung kleinerer Tierbestände besteht. Dies ermöglicht vor allem kleinen Betrieben den „einfachen und schnellen Einstieg“ in die Hühnerhaltung, ohne großes finanzielles Risiko. Denn im Gegensatz zu einem stationären Stall kann man einen Mobilstall wiederverkaufen.

Besonders vorteilhaft ist die mobile Hühnerhaltung für Direktvermarkter. Eier aus mobiler Haltung können bei guter und gezielter Kundeninformation im oberen Preissegment abgesetzt werden. Tiere, die sich wohlfühlen, ein gepflegter Auslauf und ein optisch ansprechender Stall, sind Faktoren, die die Akzeptanz bei der Kundschaft sichern und damit die Bereitschaft, einen entsprechend höheren Preis für das Produkt zu zahlen bejahen.

 

Wahl des passenden Mobilstalls für meinen Betrieb

Vor dem Einstieg in die mobile Geflügelhaltung sollte jeder Betrieb vorher abklären, ob und in welchem Umfang personelle Kapazitäten für die zusätzlich anfallenden Arbeiten verfügbar sind. Denn die angestrebte Tierzahl, die Stallgröße, der Technisierungsgrad und letztlich das Inves-
titionsvolumen hängt von der noch verfügbaren Arbeitskapazität ab. 

Daneben gibt es noch weitere Faktoren, die Einfluss auf die Art und Größe des Stalls haben. Einer davon ist die auf dem Betrieb verfügbare Zugkraft zum Versetzen des Stalls. 

Außerdem sollten die Bodenverhältnisse und der Geländetyp in der Planung mitberücksichtigt werden. So sind zum Beispiel tonige „schwere“ Böden in niederschlagsreichen Zeiten nur schwer zu befahren. Man braucht dann schon ein gutes Fahrwerk und bodenschonende Bereifung, um den Stall bewegen zu können. Auch hängige Auslaufflächen erschweren den Transport des Stalls und mindern die Standfestigkeit. 

Eine weitere Frage, die vorab geklärt werden sollte, ist wie häufig und über welche Distanzen der Stall bewegt werden muss. Für größere Entfernungen muss dieser wege- und straßentauglich vorgesehen sein.

Ein wichtiger Faktor ist auch der Grad der Technisierung des Mobilstalls. Neben der verfügbaren Arbeitskapazität ist hier vor allem der Standort die wichtige Einflussgröße. Befinden sich die Auslaufflächen im hofnahen Bereich, kann die reguläre Wasser- und Stromversorgung auch für den Mobilstall genutzt werden. Bei weiter abgelegenen Standorten ist hingegen eine autarke Versorgung unausweichlich.

 

Kritische Aspekte von Mobilställen

Ein erster Punkt, den jeder sich bewusst werden muss, ist dass mit dem Kauf eines Mobilstalls ein Komplettpaket geliefert wird. Das System, wenn es dann in vollautomatischer Ausstattung gekauft wurde, läuft komplett autark. Doch das Fachwissen des Betreibers wird nicht mitgeliefert und es sollte jedem klar sein, dass er sich mit einer solchen Investition auf ein meist neues und im Betriebsablauf unbekanntes Terrain begibt. 

Ein weiterer Aspekt ist, dass auf vielen Standorten im Winterhalbjahr der Boden nur bedingt befahrbar ist und ein regelmäßiges Verstellen schlecht für die Bodenstruktur ist. In den Fällen wo meist sandige Böden vorzufinden sind, dürfe das Bewegen eines Mobilstalls auch im Winter problemlos von statten gehen, ohne die gute Bodenstruktur komplett zu zerstören.

Nicht zu unterschätzen ist die Feuchtigkeit im Stall und die daraus entstehenden Folgen. Der Scharrbereich ist in den meisten festen Ställen ein Zwischenbereich zwischen Stall und Wiese (Auslauf). Er dient zum einem als Platzpuffer für Tage an denen die Tiere nicht bzw. weniger aus dem Stall gehen und zum anderen als „Fußabtreter“ der Hennen bevor sie den eigentlichen Stall betreten. In mobilen Ställen befindet sich der Scharrbereich oft unter dem eigentlichen Stall und es führen meistens wenige bzw. nur eine Leiter in den darüberliegenden Stall. Oft ist das am bodenliegenden Stroh eher eine festgetretene Schicht aus Kot und Matsch, sodass die Hühner oft mit „dreckigen“ Füssen auf den Sitzstangen und in den Legenestern sitzen. Dies bringt dann zur Folge, dass die Einrichtung schneller verdreckt und es führt zu verschmutzten Eiern, was wiederum Mehrarbeit oder schlechteren Erlös bedeutet. 

Probleme können auch entstehen, wenn es zur Stallpflicht kommt. Es besteht zwar bei fast allen Anbietern die Möglichkeit an den mobilen Stall einen Wintergarten zu hängen, doch dies ist eine sehr kostenspielige Angelegenheit. Des Weiteren sind diese Gebäudeteile meist nur bedingt mobil und erschweren das Umstellen des Stalls erheblich.

 

Genehmigungsverfahren

Mobilställe müssen die gesetzlichen Anforderungen an die Haltung von Nutztieren erfüllen. Für Ökobetriebe gelten darüber hinaus die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau die besagen, dass 6 Hühner/m2 Stallfläche gehalten werden können und zusätzlich jedes Huhn 4m2 Freilauffläche zur Verfügung haben muss. 

Grundsätzlich benötigen Mobilställe die gleichen Baugenehmigungen als stationäre Bauten. Das bedeutet, daß eine Genehmigung beim Umweltministerium angefragt werden muss.  Hier ist beispielsweise zu beachten, dass der Mobilstall nicht aus lichtreflektierendem Material besteht und, dass ein Reinigungsplatz mit Schmutzwasserzisterne vorgesehen ist. Auch bei der Wasserverwaltung muss eine Genehmigung angefragt werden. In Wasserschutzgebieten wird keine mobile Stallanalage genehmigt. Es ist für jeden mobilen Stall nötig, eine Commodo – Klasse 4 zu beantragen und wichtig, alle Parzellennummern/Katasternummern angeben, die zum Abstellen des Stalls vorgesehen sind. Für weitere Fragen und Hilfestellungen bei Genehmigungsanfragen steht das Team von Agro-Projekt Ihnen gerne zur Seite.

 

Serielle Mobilställe auf dem Markt

Aufgrund der stark steigenden Nachfrage hat sich der Markt der Mobilstallhersteller in den vergangenen fünf Jahren vergrößert. Die heute angebotene Palette an Stalltypen bietet für nahezu jeden Betrieb und Einsatzzweck eine bedarfsgerechte Lösung. 

In den derzeit auf dem Markt verfügbaren Mobilställen ist nahezu alles möglich. Für das Innenleben der verschiedenen Modelle hat man meistens die Wahl zwischen mehrere Alternativen, so dass für jeden die passende mobile Stallbauvariante ermöglicht werden kann.

 

 

 

 

 

 Je nach Größe muss der Mobilstall mit Hilfe von einem Traktor versetzt werden.