Weinbautechnik im Praxistest
Vitis Live 2026 in Piesport

Rund 2.500 Besucherinnen und Besucher kamen am 1. und 2. Juli zur Vitis Live 2026 nach Piesport (D). Die internationale Technikschau zeigte aktuelle Maschinen und Verfahren dort, wo sie sich bewähren müssen: im praktischen Einsatz im Weinberg. Im Mittelpunkt standen Präzisionsweinbau, autonome Technik, Pflanzenschutz sowie Lösungen für Steil- und Steilstlagen.

Eine Sprühdrohne kommt im Weinbau zum Einsatz. Mit Hilfe dieser Technik kann die Arbeitsbelastung in Steillagen stark reduziert werden.

Nach der Premiere im Jahr 2024 hat sich die Vitis Live als praxisorientierter Treffpunkt der Weinbaubranche etabliert. Veranstaltet wurde sie von der Vereinigung Ehemaliger Weinbauschüler Mosel gemeinsam mit dem DLR Mosel und weiteren Partnern, darunter der Deutsche Weinbauverband und das IVV-Remich.

Technik direkt in der Rebzeit
Das besondere Merkmal der Veranstaltung ist ihr Vorführkonzept. Während Maschinen auf klassischen Fachmessen meist im Stand präsentiert werden, konnten sie in Piesport unter realen Bedingungen beobachtet werden. Moderierte Rundgänge boten die Möglichkeit, unterschiedliche Lösungen unmittelbar miteinander zu vergleichen und mit Herstellern, Händlern und Berufskollegen ins Gespräch zu kommen.
Ein Schwerpunkt lag auf autonomen und teilautonomen Trägerfahrzeugen. Gezeigt wurden unter anderem Raupensysteme, die selbstständig durch die Rebzeilen fahren, am Zeilenende wenden und verschiedene Anbaugeräte aufnehmen können. Solche Systeme könnten Betriebe künftig besonders bei regelmäßig wiederkehrenden Arbeiten wie Mulchen oder der mechanischen Unterstockpflege entlasten. Gleichzeitig bleiben Investitionskosten, Einsatzgrenzen und rechtliche Fragen wichtige Punkte bei der betrieblichen Bewertung.


Modernes Weinbau-Mulchgerät: Technik der Firma Ilmer aus Südtirol mit angebauten Werkzeugen für die herbizidfreie Unterstockbewirtschaftung.


Lösungen für Steillagen und Pflanzenschutz
Große Aufmerksamkeit galt der Mechanisierung von Steil- und Steilstlagen. Kompakte Raupenfahrzeuge, Spezialträger und gewichtsreduzierte Geräte sollen eine sicherere und bodenschonendere Bewirtschaftung ermöglichen. Für die Moselregion ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung, da geeignete Technik einen Beitrag zum Erhalt arbeitsintensiver Steillagen leisten kann.
Beim Pflanzenschutz standen präzise Applikationsverfahren im Vordergrund. Recycling-Sprühgeräte können einen Teil der nicht an der Laubwand angelagerten Spritzbrühe auffangen und wieder dem System zuführen. Auch der Einsatz von Drohnen wurde demonstriert. Besonders in schwer zugänglichen Lagen könnten sie künftig bestimmte Arbeiten erleichtern und die direkte Befahrung der Flächen reduzieren.
Weiterentwicklungen gab es ebenfalls bei der mechanischen Unterstockpflege und beim Begrünungsmanagement zu sehen. Leichtere Mulchgeräte, angepasste Fingerhacken und Walzen für das Begrünungsmanagement zeigen, dass moderne Weinbautechnik zunehmend auch auf Bodenschutz, Ressourceneffizienz und die Anpassung an trockene Witterungsbedingungen ausgerichtet wird.

Von der Technik bis zum Wein
In der OenoLive-Zone präsentierten Forschungs- und Versuchseinrichtungen Weine zu unterschiedlichen weinbaulichen Fragestellungen. Thematisiert wurden unter anderem die Auswirkungen von Entlaubung, Stickstoffmanagement, Sprühtechnik und Traubenlogistik. Damit wurde die Verbindung zwischen technischen Entscheidungen im Weinberg und dem späteren Ergebnis im Glas hergestellt.
Die hohe Resonanz unterstrich den großen Informationsbedarf innerhalb der Branche. Gerade angesichts von Kostendruck, Arbeitskräftemangel und steigenden Anforderungen an den Umwelt- und Ressourcenschutz bietet das praxisnahe Format einen besonderen Mehrwert. Piesport hat sich damit innerhalb kurzer Zeit zu einem wichtigen Treffpunkt für moderne Weinbautechnik in der Großregion entwickelt.