Feldbegehung „So geht Mais 2.0 – Herbizidfrei und in Mischkultur“

Am Mittwoch, den 9. August 2023, organisierten der „Service Eaux“ der Stadt Luxemburg und das Institut fir Biologësch Landwirtschaft an Agrarkultur Luxemburg (IBLA) eine zahlreich besuchte Feldbegehung auf der landwirtschaftlichen Versuchsparzelle zwischen Quatre-Vents (Kehlen) und Kopstal, um die vielversprechenden Ergebnisse des Pilotprojekts in Zusammenarbeit mit der Stadt Luxemburg zur mechanischen Beikrautregulierung, Mischanbau von Mais und Stangenbohnen sowie den Untersaaten im Mais zu präsentieren.

IBLA-Bodenforscher, Thorsten Ruf und der Landwirtschaftsberater Ben Mangen informierten die Zuhörerschaft über die Vorteile und den aktuellen Stand des gesamten Versuches.

Ziel des Teilprojektes Mais-Stangenbohnen war es, die Vorteile von Mischkulturen (Mais und Stangenbohnen) im Vergleich zum reinen Maisanbau zu untersuchen. Die eiweißreichen Stangenbohnen sind Pflanzen, die im Mischanbau mit Mais sowohl den Ertrag als auch die Ernährung von Wiederkäuern verbessern können. Je nach Anbaujahr ist der Proteingehalt von Mais unterschiedlich hoch. Wenn man sich für einen Mischanbau entscheidet, kann man mit Stangenbohnen die für die Entwicklung der Tiere unerlässliche Proteinzufuhr sicherstellen und an anderen Stellen den Zukauf von Proteinfutter einsparen. In Dürresommern wie 2022 hat die Stangenbohne jedoch erhebliche Wachstumsprobleme wegen ihrer geringen Trockenheitstoleranz. In diesem eher feuchteren Sommer stehen sowohl der Mais als auch die Stangenbohnen sehr gut da und auch die ersten Schoten der Bohnen waren bereits zur Feldbegehung gebildet. Die Feldbegehung sollte unter anderem zeigen, wann der optimale Aussaatzeitpunkt für jede der beiden Kulturen sei, ob in einmaliger gemeinsamer Aussaat oder bei getrennter Aussaat beider Kulturen.

Mit Untersaaten soll die ganzjährige Bodenbedeckung und die Minimierung der Stickstoffauswaschung im Winter sichergestellt werden. Durch die Untersaat wird die oberste Bodenschicht besser belüftet, was die Wasseraufnahmefähigkeit erhöht. Dank der flächendeckenden Bodenbedeckung der Untersaat nach der Maisernte kann die Erosion auf problematischen Flächen minimiert werden, vor allem im Herbst und Winter, wenn mehr Regen fällt. Wenn im Herbst keine Winterkultur folgt, wird durch die Untersaat außerdem Stickstoff über den Winter gebunden und das Risiko der Stickstoffauswaschung verringert. Auch bei den Untersaaten wurden verschiedene Aussaatzeitpunkte und Einarbeitungsmethoden der Gräser- und Kleesamen miteinander verglichen.

Ein guter Ertrag im Mais fängt bereits bei der Aussaat an, darum wird in diesem Versuchsjahr u.a. getestet, welcher Aussaatzeitpunkt den Mais am besten durch einen möglichen Dürresommer führen wird. So wurde in der Versuchsparzelle bereits Anfang Mai Mais ausgesät, und dem Risiko ausgesetzt, dass dieser wegen zu kalter Witterung nicht gut und ungleichmäßig aufläuft. Der Hintergrundgedanke bestand aber darin, dass dieser früh etablierte Mais weniger von einer möglichen Frühsommer resp. Sommertrockenheit getroffen wird und länger von der Feuchte im Boden profitieren kann. Im Kontrast dazu wurde in demselben Versuch Mais Ende Mai gesät, in welchem der Großteil des Mais in der Region gelegt war und auch die Wetterbedingungen bereits besser waren für einen zügigeren Auflauf der Saatkörner mit genügend Feuchte im Boden. Durch diese positiven Wachstumsbedingungen könnte der spät gesäte Mais eventuell den Wachstumsvorsprung des frühen Mais kompensieren, wobei meist die Trockenheit nach der später Aussaat nicht mehr lange auf sich warten lässt. Diese Trockenheit stellt damit eine Gefahr für die noch nicht so tief gewurzelten Maispflanzen dar.

Die Beikrautregulierung im gesamten Versuch fand rein mechanisch mit Striegel, sowie Hacke mit Fingerhacken statt. So konnte den Interessierten an der Feldbegehung die Ergebnisse des Maschineneinsatzes vorgestellt werden und Rückschlüsse über die verschiedenen Einsatzzeitpunkte und Einstellungen der Maschinen gegeben werden.

Ebenso konnten die Teilnehmer die Maishacke direkt vor Ort in Augenschein nehmen und bekamen die einzelnen Elemente der vielfältigen Maschine erklärt. Die Maishacke kann rein mechanisch eingesetzt werden, d.h. mechanische Unkrautbekämpfung zwischen und in den Maisreihen ohne zusätzliche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, oder halbmechanisch, d.h. mechanische Unkrautbekämpfung zwischen den Reihen und chemische Unkrautbekämpfung in den Maisreihen. Dennoch kann die halbmechanische Methode bis zu 70 % der Menge an Pflanzenschutzmitteln einsparen, die bei einer rein chemischen Unkrautbekämpfung angewendet wird. Durch den erfolgreichen Einsatz der mechanischen Beikrautregulierung können somit Pflanzenschutzmittel eingespart werden und der Beikrautdruck soweit gesenkt werden, dass keine Ertragseinbussen beim Mais entstehen.

Mit dem Ziel, die Effizienz der Grundwasserschutzzonen und insbesondere die Umsetzung gemeinsamer Schutzmaßnahmen zu erhöhen, hat die Stadt Luxemburg gemeinsam mit den Gemeindeverwaltungen von Lintgen, Lorentzweiler, Steinsel und Strassen eine regionale Zusammenarbeit vereinbart. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden die oben erwähnte Maishacke und Striegel angeschafft. Im Jahr 2022 wurde der Striegel auf 26,12 ha eingesetzt. Die Maishacke wurde rein mechanisch auf 13,86 ha und halbmechanisch auf 43,49 ha eingesetzt.

 

Text: IBLA